Review

Staffel 1


Unterhaltsamer war Sexualkunde nie

Im Netflix-Smashhit „Sex Education“ berät ein britischer Teenager, der selbst Probleme hat sich anzufassen bzw. mit seiner eigenen Sexualität noch lange nicht ganz warm geworden ist, seine halbe Schule in Sachen Sex-, Pubertäts- und Beziehungsfragen. Er hat einfach Talent, Einfühlungsvermögen, ist eine gute Seele und seine promiskuitive Mutter ist (ebenfalls) Sexualtherapeutin. Warum diese erste Staffel von vielen Zuschauern in Rekordzeit durchgesuchtet wurde und was die Serie noch außerhalb von Sexwitzen, Offenherzigkeit und Schweinereien auf Lager hat? 

\/ (Kurzversion: eine ganze Menge!) 

PRO
+ John Hughes-Vibes
+ seehr offener Umgang mit Sexualität, Nacktheit und Tabuthemen
+ Gillian Anderson ist (noch immer) Feuer!
+ der extrem scharfe, bunte Look passt
+ Klischees, ohne dass diese übel aufstoßen
+ wichtige, akute Themen am Zahn der Zeit
+ exzellente Balance aus Comedy und Drama
+ null prüde, in der Beziehung gar nicht amerikanisch
+ Figuren fühlen sich durchweg echt an
+ „Sing Street“-Vibes
+ Asa Butterfield ist Gold
+ Emma Mackey ist eine echte Entdeckung, wie eine rauere, jüngere Margot Robbie
+ starke Darstellung der schwulen Figuren
+ einige wunderschön-hassenswürdige Charaktere
+ genug Grautöne, keine echten „Bösewichte“
+ Soundtrack ist on point
+ hat visuell einiges auf dem Kasten
+ bringt Humor und Sexappeal zusammen
+ macht Coming-of-Age wieder frisch
+ bunt und authentisch im Ensemble
+ starke Frauenfiguren
+ böse Cliffhanger
+ beweist, dass Lachen beim Sex toll und normal ist
+ kaum Längen, keine Filler
+ kaum kitschig, wenn dann positiv und unauffällig
+ wirkt authentisch und locker
+ kriegt die Vielseitigkeit von Beziehungen gut hin
+ trifft die aktuelle Teen-Generation glaube ich ziemlich gut
+ scheut sich nicht vor heftigen Themen (Abtreibungen, Schwulenfeindlichkeit, Erfolgsdruck...)
+ trifft den Kern jugendlicher Verwirrtheit
+ ein wenig das Anti-„13 Reasons Why“
+ oft sehr sonnig, positiv, glücklich machend; macht einfach eine Menge Spaß
+ geht selbstbewusst mit gutem Beispiel voran
+ könnte einigen Konservativen, Rechten und allgemein Leuten mit Stock im Po übel aufstoßen, zu weit gehen

CONTRA
— ein paar der Nebenfiguren wirken wie Karikaturen
— nie allzu realistisch, in vielerlei Hinsicht
— manchmal recht glatt und zuckrig und „ideal“ und „träumerisch“
—  das Thema könnte sich schnell abnutzen, Staffel 2 (kommt schon diesen Monat!) muss liefern
— wärmt im Grunde nur Altes auf in neueren Schläuchen
— vielleicht nicht dreckig genug, auch in vielerlei Hinsicht
— wirkt sehr amerikanisch trotz seiner britischen Wurzeln
— manche Storylines treten noch etwas auf der Stelle

Fazit: süß und pfiffig, britisch und universell, cool und modern, freizügig und aufklärend, intelligent und emotional, jung und weise, hübsch und frech, oldschool und neu, top besetzt und scharf geschrieben, mal traurig und immer positiv, sympathisch und extrem kurzweilig - „Sex Education“ war nicht umsonst einer der Publikumslieblinge des Frühjahres auf Netflix und ist eine grandiose Symbiose aus John Hughes und aktuellen Themen, aus Nostalgie und (wünschenswerter) Zukunft. Ein bisschen Zucker und Wunderland, aber insgesamt ein serieller Orgasmus, eine Therapie und ein grosser Spaß in einem. (8,5/10)

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