Review

Eigentlich kennt man Piñata als Kinderspiel in Spanien und Lateinamerika, wonach Kindern die Augen verbunden werden und sie mit Stöcken auf eine mit Süßigkeiten gefüllte und an Seilen hängende Figur einschlagen, - Prinzip „Topf schlagen“.
Also, dachten sich die Hillenbrand-Brothers, etwas durch und durch Positives funktionieren wir in ein Monster um, das Prinzip hat beim Schneemann und „Jack Frost“ schließlich auch funktioniert.
Klappt hier aber nicht so recht, denn selten kommt so etwas wie Humor durch und noch seltener hat man ein so miserabel gestaltetes Computerwesen im Film gesehen.

Dabei ist die Story denkbar simpel: Eine Gruppe von Studenten begibt sich auf eine unbewohnte mexikanische Insel, wo sie alsbald von einer mordenden Tonfigur dezimiert werden.

Damit man die Vorgeschichte über die Killer-Piñata in vollen Zügen verinnerlicht, wird einem zunächst eine in moderigen Aschegrau gehaltene eine Sequenz gezeigt. Demnach hat vor ein paar hundert Jahren ein Stamm in Mittelamerika gelebt, der von einer Dürre bedroht wurde. Der Schamane baute indes eine Piñata, um in einem okkulten Ritual alle bösen Seelen seines Stammes darin zu verschließen. Anschließend wurde die Tonfigur ins Wasser geworfen…

…um in der Jetztzeit von einer Gruppe Studenten vom Typ „Wenn ich die schon sehe…“ gefunden und geöffnet zu werden.
Bereits an dieser Stelle fragt man besser nicht nach Sinn und Logik dahinter, denn eigentlich müssten die bösen Seelen ja in alle Winde verschwinden, anstatt aus der leblosen Tonfigur einen diabolisch grinsenden Tonmann zu machen. Aber ansonsten würde das trashige Prinzip ja nicht zur Anwendung kommen und zunächst bringt das auch noch in Ansätzen Freude.
Innerhalb seiner ersten Szenen sieht das Monster zwar nie furchterregend aus, doch ein charmanter Trash Faktor ist nicht von der Hand zu weisen. Das Gesicht ist nahezu unbeweglich, unter den Rissen im Stein glüht Lava und so holpert es ein wenig unbeholfen durch die Gegend.

Doch leider genügte das den Machern nicht und man legte allerlei CGI über die Figur, was dem Streifen im Gesamtbild aus meiner Sicht das Genick bricht.
Denn im Verlauf wechselt der Dämon scheinbar völlig wahllos seine Gestalt, ist mal groß, mal klein, kann später auch noch fliegen und variiert seine Fratze, wie es gerade so passt.
Würde noch gehen, wenn denn die Effekte nicht auf dem Stand eines Resident-Evil-Monsters in der Entwicklungsphase stünden. Die Figur wird zu keiner Zeit in die Kulissen integriert und man hat wirklich den Eindruck, ein Pixelmonster aus den 80ern macht Jagd auf Teens.
Zudem folgt man zeitweise der Egosicht des Monsters, was auf visueller Ebene genauso wenig anspricht, da der Sicht nur dilettantisch vereinfachte Pixelbilder zugestanden werden.
So etwas macht natürlich nur sehr bedingt Spaß, denn leider wird der Streifen in einem durch und durch ernsten Grundton präsentiert. Von Ironie oder offenkundigem Humor so gut wie keine Spur.

Dabei lockern auch die Protagonisten keine Situation auf. Die befinden sich nämlich auf der Insel, um für einen guten Zweck innerhalb einer bestimmten Zeit Unterwäsche aus den Bäumen zu fischen. Dafür werden die Teilnehmer paarweise aneinander gekettet, wobei man sich lediglich das Heldenpaar merken muss, welches eigentlich schon vor dem Liebes-Aus stand, unter diesen Umständen aber selbstverständlich wieder zueinander findet.
Die übrigen kann man getrost vergessen, denn sie dienen lediglich als schablonenhaft gezeichnetes Kanonenfutter.

Immerhin gestaltet sich das Treiben auf der Insel einigermaßen temporeich, man hält sich nicht lange mit Kuschelszenen, Drogen oder ollen Kalauern auf, sondern schreitet recht zügig zur Tat. Auch die Gewalteffekte können sich teilweise sehen lassen, wenn Körperteile herumhängen oder ein Kopf mit einer Schaufel zertrümmert wird. Andere Effekte, wie eine Enthauptung wirken jedoch recht billig, zudem finden einige Morde im Off statt, etwa, wenn ein Opfer einfach in ein Zelt gezogen wird und darunter nur Bewegungen und Schreie zu vernehmen sind. Zumindest dringt während einiger Morde ein gewisser Sarkasmus durch.

Die Darsteller sind hingegen überhaupt nicht markant und erwecken kein erhöhtes Interesse. Lediglich Jaime Pressly macht in einigen Verfolgungsszenen eine ansprechend sportliche Figur, während die Übrigen in Unscheinbarkeit untergehen.
Auffällig ist da allenfalls noch ein toter Hirsch, was so gar nicht auf eine mexikanische Insel passt, obgleich die Kulissen in sich stimmig sind und eine angenehme Umgebung erzeugen.
Zudem arbeitet der Score ganz passabel und liefert nette Abenteuer-Klänge, die zuweilen mit technoiden Sounds aufgemotzt werden, dadurch aber nicht aufdringlich erscheinen.

Aufdringlich sind halt die schäbigen Computereffekte, die im Verlauf immer stärker in den Vordergrund treten und eine Menge Unruhe schaffen, jedoch kein Mitfiebern fördern.
Im Gegenteil. Hätte man es bei der etwas hölzern agierenden Tonfigur belassen, wäre das „Jack-Frost-Prinzip“ vielleicht aufgegangen. Hier und da mal ein kleiner Seitenhieb auf lateinamerikanische Traditionen und dem Ganzen etwas Selbstironie beizumengen, wäre wünschenswert gewesen.
Stattdessen wird einem ein austauschbarer, auch während des Showdowns kaum überraschender Slasher präsentiert, der mit vielen Unzulänglichkeiten zu kämpfen hat, - und die punkten leider nicht auf Trash Ebene.
3,5 von 10

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