Review
von Leimbacher-Mario
Staffel 1
Und täglich grüßt das Partytier
Da denkt man, dem „Timeloop“-Subgenre hätte spätestens nach „Happy Death Day“ und seiner Fortsetzung keiner mehr Neues hinzuzufügen, kommt da sowas wie „Russian Doll“ aka „Matrjoschka“ auf Netflix und beweist das Gegenteil... In den acht knapp 25-minütigen, ziemlich kurzweiligen und perfekt zum Bingewatchen geeigneten Folgen, sehen wir eine New Yorkerin, die ihren 36. Geburtstag feiert. Doch als sie nach der Party von einem Auto tödlich angefahren wird, findet sie sich augenblicklich ein paar Stunden vorher auf der Feier in ihrem Badezimmer vorm Spiegel wieder - und nur sie erinnert sich daran, dass dies nicht der erste Durchlauf dieses Abends ist...
Hier gefällt mir sogar mal der deutsche Titel besser als der originale, bei dem man den Amis wohl indirekt weniger Allgemeinbildung unterstellt und dass sie nicht wissen, was eine Matrjoschka ist - was wohl leider sogar eine korrekte Annahme sein könnte. Doch egal unter welchem Titel: diese Serie lohnt sich und ist sicher eine der besseren, pfiffigeren, die Netflix dieses Jahr rausgehauen hat. Dem eigentlich abgenudelten Konzept wird genug Frische und Dynamik entlockt, Natasha Lyonne wird endlich mal mit einer Hauptrolle gewürdigt und zahlt das mit einer richtig starken Performance wieder, vielleicht sogar der Rolle ihres (bisherigen) Lebens. Man ist schnell am Haken und will wissen, wie sie es aus der Schleife schafft, es gibt einige richtig gut eingestreute Kurven und vor allem das letzte Drittel wird erstaunlich düster, echt, gefühlvoll. Vor allem für depressive Menschen könnte ich mir vorstellen, dass die Serie helfen kann. Es ist eine sehr positive, lebensbejahende Stimmung, ganz ohne zu predigen oder die dunklen Aspekte zu wenig zu beleuchten. Selten hat man eine Serie bzw. Staffel, bei der man zusehen kann, wie sie besser wird, ohne Ausrutscher oder Rückschläge. Hier ist das der Fall. Nicht alle Todesarten ala „Final Destination“ sind glaubhaft, witzig oder schockierend, manche sogar eher lame. Zudem ist die zweite, später eingeführte Hauptfigur nicht ansatzweise so charismatisch wie Frau Lyonne und von mir aus hätte das alles im Verlauf noch weitaus surrealer werden können, Ansätze wären da gewesen. Insgesamt keine der Serien, wegen der neue Abonnenten zu Netflix laufen und von der man überall hört - doch eine, deren Entdeckung sicher niemand bereuen wird, die man locker und fix weggucken kann und von der man sogar etwas mitnehmen kann.
Fazit: kurz, knackig, clever, abwechslungsreich, intelligent, emotional und von Folge zu Folge immer besser werdend - „Matrjoschka“ ist ein schöner Zeitvertreib, der tiefer geht, als man anfangs meint. Happy Death Day done right. Karma is a Trip. Inner Circle from Hell. Ist das Leben nicht schön wirr. Zumindest für Zeitschleifen-Fans lohnenswert, fast ein Muss! (7/10)