Review


Inhalt:

Japan, im Februar des Jahres 1860. Das Land -seit über 250 Jahren vom Samurai-Clan der Tokugawa und dessem Oberhaupt, dem Shogun, mit eiserner Hand beherrscht- befindet sich in einer tiefen Krise.
Von außen bedroht, dem Zerfall und dem Untergang der bisherigen Herrschaft geweiht, steht das Land vor einer Zeitenwende. Reformisten und Traditionalisten, stehen sich in immer blutigeren Auseinandersetzungen gegenüber.

Im Jahrzehnt zuvor, forderten insbesondere internationale Walfänger-Flotten Kohle- und Wasserstationen in japanischen Häfen. Diese konnten wegen der isolationistischen Politik des Shoguns nicht angelaufen werden.
Der u.s.-amerikanische Commodore Perry erzwang aber die endgültige Öffnung Japans, und den Vertrag von Kanagawa, mit Konzessionen für 2 Häfen.
Handelsverträge mit europäischen Mächten folgten.

Hauptverantwortlicher Betreiber dieser angestrebten Politik der Öffnung, ist der 1. "Tairo" (Regent) des Shogun, Li Naosuke.
Als dieser auch noch seinen Einfluss auf die Ernennung des 14. Shoguns des Tokugawa-Regimes ausübt, und seinen Kandidaten durchsetzt, begehren diejenigen Samurai auf, die die alte, isolationistische Ordnung wiederherstellen wollen.

Die Kritiker sollen jedoch durch die von Naosuke eingeleiteten "Ansei"-Säuberungen weitestgehend zum Schweigen gebracht werden.
Nunmehr sehen sich die Ronin-Clans von Mito, Satsuma und Choshuu gezwungen, zu handeln.
Durch ein Attentat bei den Sakurada-Toren vor Edo, soll Naosuke beseitigt, und die alt-isolationistische Ordnung wiederhergestellt werden.

Ein erster Attentatsversuch schlägt jedoch fehl.
Kenmotsu Hoshino (Yunosuke Ito), der Anführer der Mito-Ronin, vermutet einen oder mehrere Verräter in den eigenen Reihen, die das Attentat vereitelt haben sollen.
Der Verdacht fällt auf den Ronin Niiro Tsuruchiyo (Toshiro Mifune), und dessen Gefährten Einosuke Kurihara (Keiju Kobayashi), eigentlich ein integrer Samurai.

Die beiden Verdächtigen werden überprüft. Niiro sehnt sich danach, den vollwertigen Samurai-Status wieder zu erlangen. Nur dann wird sich sein Vater -dessen Identität Niiro nicht kennt und von dem er nur weiß, dass dieser ein hochrangiger Beamter ist- ihm offenbaren.

Nachdem der angeblich wahre Verräter vom Mito-Clan liquidiert wurde, soll das Attentat auf Naosuke nunmehr am 3. März 1860 vor den Sakurada-Toren bei Edo verübt werden.
Ein überaus blutiger Kampf steht also an, und ein grausames Schicksal nimmt seinen Lauf.


Kritik:

Im Jahre 1965 drehte Regisseur Kihachi Okamoto dieses düstere Samurai-Drama, das in etlichen Rankings im Internet an Top-Positionen gelistet ist, und als einer der besten Chanbaras in diesem Genre gilt.

Es entstand ein sehr ambitionierter, komplex-komplizierter Streifen dieses Genres, der vom Zuseher größte Aufmerksamkeit Fokussierung auf das Geschehen und Geduld erfordert.

Eine ruhig-bedachte Kamera-Führung, eine virtuose Bildsprache -verstärkt durch die Schwarzweiß-Optik dieses Films-, eine gedehnte Rückblenden-Struktur, sowie etliche, komplexe Dialogisierungen prägen diesen Chanbara. Und das macht aus "Samurai Assassin" ein mitunter zähes, langatmig in Szene gesetztes Drama.

Nur sehr subtil baut sich hier die Spannung denn auf, gerade zur Mitte hin verliert sich Okamoto in der verschachtelten Rückblenden-Struktur, mit Rückblenden in den Rückblenden, und mit immer längeren Dialogisierungen.
Oft sitzen sich 2 Personen gegenüber, und dialogisieren. Gut, das bringt die Handlungen denn voran, da man natürlich einiges Wichtige erfährt, doch ermüdet dies denn auch den Betrachter fast zwangsläufig.

Dennoch, die Spannung baut sich, wenn auch wirklich sehr subtil, auf. Man weiß als Zuseher, der große (Action-)Knall wird und muss noch kommen, alles wird und muss in blutige Aktion münden.

Es wird eine wahre Begebenheit aus der Endphase des Tokugawa-Shogunats und der Herrschaft der Samurai über Japan hier aufgegriffen.
Li Naosuke, der "Tairo" des Shogun im Jahre 1860, eine einst real existente Persönlichkeit, und das Attentat auf ihn vor den Sakurada-Toren, es fand wirklich statt.
Um Interesse für diesen sehr subtil gehaltenen Film mit seiner gemächlichen Erzählstruktur zu entwickeln, sollte man den historischen Hintergrund kennen, bzw. sich das Wissen darüber aneignen, das ist bzw. wäre sehr hilfreich, auch für das Verständnis dieses Films.

Das Ende jener Epoche, es wird auch in der Bildsprache festgehalten. Düstere Kulissen, oft schmutzig-schäbig, die Sakurada-Tore stets im Schneetreiben, und es regnet viel.
Das schafft natürlich ein Samurai-Endzeit-Szenario, was die Atmosphäre des Streifens stützt.
Dazu kommen die durch die langen Dialogisierungen komplex-konzentrierten Darstellungen, von denen "Samurai Assassin" natürlich auch lebt.

Allen voran natürlich der Haupt-Charakter hier, Toshiro Mifune, der als der größte Schauspieler Japans gilt.
Und Mifunes Figur, von sich selbst quälenden Zweifeln geprägt, dieses zähe, verzweifelte Ringen mit sich selbst und der ganzen Situation in der Endphase einer ausgehenden Epoche..., das bringt Mifune natürlich gekonnt rüber.
Mifune trägt natürlich durch sein Spiel diesen Film mit.

Aus den anderen des Ensembles sticht eigentlich denn soweit kein/e andere/r hervor.
Yunosuke Ito vielleicht noch, der den Boss des Mito-Clans spielt.
Dieser stoisch-abgebrühte Typ, dieser Blick, diese Aura, bemerkenswert.
Und da ist dann noch die weibliche Rolle der "Okiku", gespielt von Michiyo Aratama in einer Nebenrolle.
Oft ist ihr porzellanhaftes Gesicht zur Gänze im Bild, und sie spielt so ruhig-bedächtig, wie der Film über weite Strecken selbst ist.
Michiyo Aratama besitzt hier eine eigene, spezielle Aura, und sie dialogisiert sich durch diesen Streifen.

In epischen 123 Minuten, hat die Action denn auch nur einen geringen zeitlichen Anteil.
Doch wenn sie kommt, rockt sie. Natürlich wieder überaus blutig, und die Choreographien überzeugen, rasante Fightaction, wieder die hastigen Katana-Kämpfe, doch die Treffer sitzen erkennbar.

Highlight ist natürlich der finale Show-Down. Mit minimalistischem "Soundtrack" versehen, im Schnee vor den Sakurada-Toren, baut sich in den Sekunden vor dem großen Kampf die Spannung mit einem Mal ins Unermessliche auf.
Und dann kommt  es zur überaus blutigen Kenjutsu-Schlacht im dichten Schneetreiben mit sehr hohem Body-Count.
Das konnte für manche Länge zuvor denn durchaus entschädigen.

Und das Finale haut denn glatt noch einen halben Punkt in meiner Bewertung raus.
Zuvor hätte ich diesem Chanbara 6/10 Punkte gegeben: Zwar hat der Film seine Stärken, ein subtil-gedehnt, düsteres Drama, ambitioniert inszeniert in seiner Bildsprache sowie -führung, und konzentriert gespielt. Doch mit einigen Längen, einer komplex-komplizierten Struktur versehen, ermüdet es den Betrachter auch phasenweise.

Dennoch: 6,5/10 .

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