Review

Leuchtturmwärter ist nicht gerade ein Job für gesellige Menschen und weil man dabei auf kurz oder lang verrückt zu werden droht, ist diese Tätigkeit heutzutage beinahe ausgestorben.
In erster Linie natürlich aufgrund fortschreitender Technik und damit verbundenen Automatisierungsmaßnahmen, was anno 1801 noch in ferner Zukunft lag.

In eben jenem Jahr nehmen Griffiths (Mark Lewis Jones) und Howell (Michael Jibson) eine Tätigkeit auf einem einsam gelegenen Leuchtturm auf einer Insel an, die 46 Kilometer vom nächsten Festland entfernt liegt. Nachdem sich die zwei unterschiedlichen Männer einigermaßen arrangieren, zieht ein Sturm auf, der über Monate die irische See beherrscht.
An Rettung ist nicht zu denken und die Vorräte werden knapp…

Die Prämisse erinnert ein wenig an „Cold Skin – Insel der Kreaturen“, denn auch hier stehen zwei Männer in isolierter Umgebung am Wasser im Vordergrund, denen allerdings noch eine dritte Instanz in die Quere kommt, was im Vorliegenden mit dem latenten Unwetter vergleichbar ist. Dass der Stoff auf einer wahren Begebenheit beruht, gestaltet ihn zunächst einigermaßen interessant, zumal die Wärter kaum unterschiedlicher sein könnten. Griffiths ist ein leicht cholerisch reagierender Zeitgenosse, der nichts von der Bibeltreue seines Mitbewohners hält. Seit einem schwerwiegenden Unfall ist Howell gläubiger Christ und gibt den eher besonnenen Part.

Da es nicht allzu viele Szenen gibt, die sich außerhalb des Leuchtturms abspielen, gerät die Geschichte rasch zum Kammerspiel, was ein entscheidendes Manko darstellt. Aufgrund der visuellen Zurückhaltung, bekommt man von dem Unwetter nicht allzu viel mit. Außenaufnahmen werden nahezu schnipselartig eingefügt und es entsteht beinahe das Gefühl einer aufwendigen Theateraufführung. Das wirklich Prekäre wird dadurch viel zu wenig greifbar.

Auch geht irgendwann das Zeitgefühl verloren. Anfangs führt Griffiths noch Tagebuch und notiert dabei die Tage der Anwesenheit, doch plötzlich wird von Monaten gesprochen, obwohl sich die Männer äußerlich kaum verändert haben und man keine Übersicht erhält, wie viele Vorräte denn noch vorhanden sind. Zwar wird irgendwann eine Kiste mit Hochprozentigem hervorgekramt, doch auch aus diesem Umstand wird wenig entwickelt.

Immerhin fordert er diesbezüglich die beiden ausgezeichnet performenden Mimen, welche das oftmals redundante Treiben beisammen halten. Beide agieren mit voller Hingabe, sind jedoch zu keiner Zeit drüber und füllen den jeweiligen Charakter mit Leben. Ähnlich ist der treffsichere Score einzuordnen, welcher angenehm im Hintergrund verweilt, um allenfalls in den wenigen dramatischen Momenten anzuschwellen.

Bezeichnenderweise wird es erst in Minute 55 für einige Sekunden spannend, danach geht man langsam aber sicher in die Gefilde von Halluzinationen und nahendem Wahnsinn über, was zumindest visuell einigermaßen ansprechend gestaltet wurde. Teilweise wird gar mit Horror-Anleihen gespielt, wobei diese aufgrund des wahren Hintergrundes in selbigen treten.

Trotz der überaus präsenten Mimen und den grundsolide gezeichneten Figuren, die fast durchweg glaubhafte Verhaltensmuster transportieren, springt der Funke nie so recht über.
Regisseur Chris Crow gelingt es nur selten Spannung zu erzeugen, die prekäre Lage wird nur unzureichend bebildert. Für Freunde von sparsam inszenierten Kammerspielen okay, für alle anderen eher ein Langweiler.
5 von 10

Details
Ähnliche Filme