Review

iHaveCNit: Sweethearts (2019)
14.02.2019

Der deutsche Film als solcher, wie er mich interessiert, sieht aktuell für das Filmjahr 2019 noch relativ mau aus. Dementsprechend freue ich mich, dass es dann doch noch einen Film aus Deutschland gibt, der mich gerade ob seinem eher misslungenen Marketing sehr positiv überrascht hat. Als ich Bescheid wusste, dass ein neuer Film mit Frederick Lau in einer wichtigen Rolle herauskommt, habe ich mir „Sweethearts“ direkt auf die Liste gesetzt. Der Trailer selbst und das Poster ist etwas misslungen und irreführend gewesen, aber ich habe mich davon nicht beirren lassen und habe mich im Kino selbst überraschen lassen. Und „Sweethearts“ weckt in mir den Drang, natürlich auch mal Karoline Herfurths erste Regiearbeit „SMS für dich“ zu sichten.

Mel ist eine allein erziehende Mutter und will für sich und ihre Tochter ein besseres Leben aufbauen. Sie war gerade dabei, ein teures Diamantenarmband zu stehlen und die Flucht aufzunehmen, als ihr plötzlich Franny über den Weg läuft. Franny wird ohne Umschweife von Mel als Geisel genommen, doch nach kurzer Zeit merkt sie, dass es mit Franny nicht leicht wird. Denn Franny leidet unter extremen Panikattacken und ist sozial eher inkompatibel einzustufen. Trotz aller Unterschiede rauft sich das ungleiche Frauen-Duo zusammen, während die Polizei immer tiefer ermittelt. Die Situation verschärft sich, als der Streifenpolizist Harry auftaucht und von den beiden prompt als Geisel genommen wird.

Während des Films habe mir so gedacht, welche tolle Mischung ich mir gerade hier ansehe. Es wirkt so, als würde man einen deutschen Film im Stile von „Nur Gott kann mich richten“ und „Asphaltgorillas“ sehen, der sogar ein wenig von Ridley Scotts „Thelma & Louise“ mitbringt. Karoline Herfurth gelingt hier ein toller Spagat, sowohl Erwartungshaltung und Klischees zu bedienen, als sie auch zu brechen. Sie hat ein sehr tolles Gespür für die tiefgründige Vielseitigkeit und Ambivalenz der Charaktere und schafft somit unabhängig von der Rechtmäßigkeit hinter einigen Motiven eine Bindung und Sympathie zu den Charakteren. Dabei gelingt ihr auch ein toller Spagat zwischen ernstem Drama und witziger Komödie. Klar wirkt die Dramaturgie des Films an einigen Stellen und die Zusammenhänge etwas holprig, aber das kann ich einigermaßen verschmerzen. Der Actionanteil ist eher bedächtig gewählt und hier bleibt der wie immer sehr stark von mir kritisierte Inszenierungsstil mit verwackelter Kamera und schnellen Schnitten bei mir eher negativ zurück, so dass dies eine entsprechend höhere Wertung verhindert. Gerade die Dynamik des Films, die sich erst durch das toll spielende Duo Karoline Herfurth und Hannah Herzsprung und dann auch noch im Trio durch Frederick Lau entwickelt und mit einer sehr coolen und trockenen Anneke Kim Sarnau ergänzt wird sorgt für den Sog einer emotionalen Achterbahnfahrt, in die einen der Film schmeißt. Garniert wird das ganze von tollen weiteren Auftritten von Ronald Zehrfeld, Cordula Stratmann, David Schütter und Katrin Sass sowie einem toller Optik und einem coolen Soundtrack mit Songs, die perfekt auf die jeweilige Situation getrimmt sind. Alles in allem ein gelungener Film, bei dem man sich von dem weniger guten Marketing nicht abschrecken und sehr überraschen lassen sollte.

„Sweethearts“ - My First Look – 8/10 Punkte

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