Review
von Leimbacher-Mario
Mel & Franny
„Sweethearts“ ist im Kino gefloppt. Ich glaube, dass kann man jetzt schon sicher sagen, mit nur knapp über 100.000 Zuschauern hatten selbst die größten Pessimisten nicht gerechnet. Vor allem wenn Herfurths hervorragender „SMS für dich“ vor ein paar Jahren noch eher Richtung der Millionen ging und selbst damit kein deutscher Überhit war. Und das „Sweethearts“ derart untergeht, ist schon früh eine der größten Schanden des Kinosjahres... Doch soll einen das wundern? Vermarktet wie ein schrottiger Sat1-TV-Film, irgendwo zwischen unsichtbar und beliebig, zwischen kitschig und romantisch, zwischen zwei Stühlen, keine Zielgruppe wirklich ansprechend oder gar befriedigend. Ein Flop mit Ansage. Die Marketingabteilung gehört gefeuert und hat den Schuss nicht mehr gehört. Wer im Jahr 2019 denkt, das zieht noch, hinkt nicht nur, er geht schon rückwärts. Selbst bei den fragwürdigen Mainstream-Hit-Lieferern wie Schweiger oder M‘Barek funktioniert das schon länger nicht mehr.
Und dabei ist die süße Hommage an „Thelma & Luise“ ein wirklich toller Film, mit dem ich eine Menge Spaß hatte. Er ist rotziger, launiger, chaotischer und düsterer als erwartet. Und zudem noch ehrlich witzig, getragen von einer fabelhaften Chemie im Cast, stellenweise einem coolen, internationalen Look und dem Herz am rechten Fleck. Eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen einer Juwelendiebin und ihrer hysterischen Geisel, ein Roadtrip mit vielen Hindernissen, Adrenalin, Romantik, Action, Gangstern - aber vor allem Freundschaft und Selbstfindung. Feministisch, ohne das aufdrängen zu müssen. Einfach echt gut! Manchmal wird etwas dick aufgetragen, nicht alle Witze zogen bei mir (Polizistenbaby z.B.) und der Spagat zwischen den Genres zwickt und knirscht minimal. Doch insgesamt ist das ein cooles Ding, zu dem man Karoline Herfurth nur beglückwünschen und danken kann. Natural Born Sisters.
Fazit: süße Herzen und harte Schalen, tolle Hommagen und viel Fingerspitzengefühl, typische Klischees, die dennoch kaum übel aufstoßen. Karoline Herfurths zweite Regiearbeit ist klasse, unterhaltsam, charmant. Nicht auf der Höhe seiner Vorbilder, aber verdammt viel besser als es Poster, Trailer und (unvorbereitete) Erwartungen vermuten lassen würden. Durch und durch: positive Überraschung!