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Ein ungeklärter Mordfall 10 Jahre zuvor an einer Mitschülerin läßt der Belgierin Paula Polanski (Phoebe Fox), die inzwischen nach kleineren Erfolgen im Filmgeschäft tätig ist, immer noch keine Ruhe: Ihr nächstes Projekt, ein Dokumentarfilm, soll sich mit dem spurlosen Verschwinden der damals 19-Jährigen Vera Kall (Millie Brady) beschäftigen. Diese hatte ein schwieriges Elternhaus, vor allem aber einen gewalttätigen Vater, der seinerzeit angeklagt und verurteilt wurde, seine Tochter ermordet und danach verschwinden lassen zu haben. Doch da die Leiche nie gefunden wurde, umweht den Fall, über den die Beteiligten unterschiedliche Meinungen haben, auch heute noch ein Hauch von Mystik. Der inzwischen geläuterte Vater von Vera sitzt immer noch im Knast, behauptet aber nach wie vor, mit dem Verschwinden seiner Tochter nichts zu tun zu haben. Paula interviewt u.a. den inzwischen pensionierten Kommissar, doch eine wirklich heiße Spur erhofft sie sich eher von Henry Martens (Andrew Buchanan), einem nicht viel älteren Aushilfslehrer, der damals ein halbes Jahr lang in Vertretung die Klasse betreute und sich mit den Schülern gut verstand. Der zunächst nicht interessierte Henry sagt schließlich zu, Paula bei ihrer Doku zu unterstützen und zieht ins Gästezimmer ihres elterlichen Wochenend-Domizils. Im Lauf der nächsten Tage ergeben sich dann neue Hinweise und Aspekte zum Schicksal der Verschwundenen...

Der Umstand, daß Samaria den zweiten Teil einer Trilogie darstellt, ist zum Verständnis dieses kleinen Thrillers auf filmtechnisch gutem Indie-Niveau eher unerheblich - das Grundthema, in einer (doch noch nicht) abgeschlossenen Vergangenheit zu wühlen, kennt man bereits, und da sich Paula und auch Henry anfänglich als lockere, leicht zugängliche Charaktäre erweisen, fällt es auch nicht schwer, der Geschichte zu folgen. Leider passiert dann nicht mehr viel, außer daß in langen Dialogen die Vergangenheit des Jahres 2008 in Form von Rückblenden wiederbelebt wird. Ein konkreter Anhaltspunkt für den Zuschauer, welches Schicksal Vera denn nun so plötzlich aus der Mitte ihrer Freunde gerissen hat, ergibt sich zu keiner Zeit, erst zum Schluß, und zwar ganz zum Schluß, erfährt man, was passiert ist.

Und dieser Schluß hat es in sich, nicht nur daß er vollkommen unerwartet kommt und viele Fragen aufwirft, sondern auch der ganze dramaturgische Aufbau des Films zuvor weist keinesfalls in die Richtung, die Samaria in den letzten Minuten einschlägt. Abgesehen davon, daß diese letzten Einstellungen aus Kostengründen statt in Belgien in Slowenien bzw. Serbien gedreht wurden (was deutlich an Graffiti bzw. Triebwagen zu erkennen ist, trotz französischsprachiger Beschilderung) ist diese Wendung schlichtweg ein Ärgernis, zumindest für den logisch kombinierenden Krimifreund. Dazu kommt, daß man den beiden Protagonisten im Laufe der Zeit nicht sonderlich nahekommt, da sich besonders Paula als ziemlich link erweist.
Zwar ist den beiden Hauptdarstellern kein Vorwurf zu machen, doch das eher gemächliche Erzähltempo ohne zwischenzeitliche Dramatik oder in irgendeiner Weise einprägsamen Momenten und der daraus resultierenden, nur geringen Spannung ergeben inklusive diesem verhunzten Ende dann einen insgesamt doch sehr schwachen Eindruck.

Samaria, diesen mittleren Teil einer Trilogie, der zeitgleich mit dem dritten Teil erschien (Marketing-Gag?) und von Regisseur Daniel Alfredson als Nachfolger der Millenium-Trilogie beworben wird (was schlicht als Anfall von Größenwahn bezeichnet werden muß) braucht man sich nicht wirklich antun: 3 Punkte.

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