Ein aus bekannten Versatzstücken schlecht zusammengebastelter Actionfilm erwartet uns mit Dead or Alive, aus dem mehr hätte werden können.
Dabei fängt alles so mitreißend an: ein fünfminütiger, rasant geschnittener Stakkatobilderrausch, unterlegt mit donnernder Musik, wild, abgründig, pervers, der schließlich in einer Reihe von Morden im Rotlichtmilieu gipfelt. Das wird schon beachtlich serviert, wenn einem der Teilnehmer an einem Schwulenquickie in einer öffentlichen Toilette eine Klinge in die Schlagader gesteckt und anschließend sein Partner mit Blutfontänen eingedeckt wird oder einem Mafia-Boss die gerade in großen Menge verspeist Nudelsuppe mittels großen Kaliber aus dem Bauch geschossen wird, direkt in die Kamera. So gerät man in Stimmung.
Nur leider tritt danach die große Leere ein. Denn dann widmet sich der Film die nächste knappe Stunde mehr der Charaktereinführung, als gut für ihn ist. Dabei ist die Grundposition einfach: marodierende Bande stört die Yakuza und soll von einem spröden, dienstmüden Polizisten gestoppt werden.
Wem das bekannt vorkommt, sei gewarnt. Denn anstatt diese oft benutzten Elemente interessant und schnell aufzuarbeiten, nähert man sich hier dem Problem von drögen bis lächerlichen Seite.
Gute Dialoge waren eh schon immer Mangelware im asiatischen Kino, also versucht man sich hier wieder an einer Plotdarstellung via Bild, doch das geht leider in die Hose.
Unsere liebe Killer-Bande besteht zumeist aus Kindsköpfen und einigen schon fast Ausgetilteten, wobei unklar bleibt, wie die ihre Coups geistig durchstehen können. Und der liebe Anführer gewandet sich fies in Leder, trägt eine Tolle, die Elvis schreiend zur Tür rauslaufen lassen würde und übt sich für den Rest des Film am bösen Blick.
Die Yakuza sind natürlich alle mehr oder weniger pervers und der gute Herr Polizist ist auch so eine Klasse für sich. Weil nämlich Bösi dunkle Gläser trägt, rennt er auch ständig mit einer herum, die ihm so gut steht wie George Hamilton ein Tirolerhut. Außerdem haben die Macher wohl zuviel Clint Eastwood genossen, denn hier wird dem Ausdruck "Stone Face" eine ganz neue Dimension verliehen. Völlig unbewegt von hinten bis vorne, allerdings kommt das nicht cool, sondern leicht minderbemittelt rüber. Und was die familiären Probleme angeht, kann man schon ins Quietschen kommen. Er auf der Couch, sie besorgt trotz Liebhaber und Teenage-Töchterlein eine mißmutige Dummbratze, die einer Herzoperation hinterherhechelt. Das kennen wir von überall her schon, nur wurde es selten so ungeschickt aufgearbeitet.
Und so schleppt sich die Story milimeterweise voran, unterbrochen nur mal von dem einen oder anderen krassen Bild, wie Proben zum Sex mit Tieren und Ersäufen in einer scheiße-ähnlichen Flüssigkeit.
Als man es kaum noch erwartet, gibt es dann doch die beachtliche Endschlacht Bande gegen Yakuza, die den Zuschauer dann doch noch wecken kann.
Restlos verschenkt der Film seine Identität dann beim absoluten Showdown, der erst recht beachtlich, wenn auch unwahrscheinlich, dann bombastisch und in der letzten Szene absolut terminierend wird. Willkommen beim Anti-Klimax. Dieser letztlich comichaft gemeinte Ausflug negiert leider den kompletten Film und hinterläßt einen verwirrenden, wenn nicht ärgerlichen Eindruck. Japaner finden so etwas offenbar lustig, ich mag lieber Filme, die sich treu bleiben, mögen sie auch in Klischees ersaufen. Aber hier wurde offenbar mit der groben Kelle geschrieben. Ach übrigens, auch wenn ihr Japaner seid und es besser wissen müßtet, comichaft geht anders.
(3/10)