Review

Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen Fassung aus der Blue Edition von Laser Paradise!

Die vorliegende Version des Films erhielt von der Juristenkommission das Siegel "strafrechtlich unbedenklich" und nur weil Bruno Matteis "SS-Perversions-und Kuriositätenkabinett" auf detailfreudige Grausamkeiten verzichtet, so sind die Dialoge aus der deutschen Synchronfassung und das dargestellte Szenario für einen primitiven Exploiter schon hart an der Grenze und dieses Urteil der Kommission in meinen Augen sehr fragwürdig.

Umso mehr ein Grund ein Auge auf dieses Machwerk zu werfen, dass sich schamlos bei Tinto Brass ein Jahr zuvor entstandenen "Salon Kitty" bedient.
Hier wie da dient das hauchdünne Handlungsmotiv um eine  geheime Verschwörergruppe gegen Hitler nur als Alibi für eine billig und schmuddelig abgedrehte Nummernrevue von Nuditäten, angedeuteten Perversitäten und den sattsam bekannten Nazi-Klischees.
Die Verschwörer sollen sich bei ausgefallenen Sexspielen verraten um wenig später vom größenwahnsinnigen Hans Schellenberg und seinem Femegericht verurteilt zu werden. Zu diesem Zweck werden zehn Frauen rekrutiert und in einem aufwändigen Training zu willenlosen Sexmaschinen umerzogen, denen kein sexuelles Tabu fremd ist, um im Auftrag des Führers zu spionieren.

Das liest sich so grotesk wie es letzten Endes von Schundfilmer Mattei umgesetzt wurde und wirkt teilweise wie eine alberne Persiflage, bei der das dargestellte Szenario trotz seines ernsten Hintergrunds für jede Menge unfreiwillige Komik und Lacher sorgt.

Und so reiht sich ein unerotisches Gebalze mit alten, fettbäuchigen Männern an das nächste, dazwischen gibt es zahlreiche Auspeitschungen (die keine Spuren hinterlassen) und Saufgelage sowie diverse Striptease-Einlagen, die nur noch vom Overacting von Gabriele Carrara als Hans Schellenberg übertroffen werden.

"SS Girls" ist ein weiterer Beitrag der Mitte der 70er Jahre sehr populären Naziploitation-Movies, die mit Don Edmonds "Ilsa - She-Wolf Of The SS" den Anfang machten und auf den Werke wie "Folterzug der geschändeten Frauen" folgten.

"SS Girls" erreicht bei weitem nicht den Härtegrad von "Ilsa" und weist mehr Trashqualitäten auf, die durchaus unterhaltend sind, während "Ilsa" lediglich mit widerlichen Greueltaten und Sex versuchte sein Publikum zu unterhalten - ohne auch nur den Hauch eines Ansatzes von Humor oder unfreiwilliger Komik.
Ob nun gewollt oder nicht, aber zumindest in dieser Hinsicht kann Mattei punkten, denn seine "SS Girls" sind zu keiner Zeit langweilig.

Davon abgesehen sollte der Zuschauer nicht allzu viel von den dargestellten sexuellen Ausschweifungen erwarten. Die Erotik erreicht das Niveau eines Lederhosen- oder Reportfilms und die weiblichen Darsteller sind mit weniger Sorgfalt gecastet als noch bei "Ilsa", auch wenn Marina Dannia als Frau Inge trotz ihrer Gesichtsnarbe eine Augenweide ist.
"SS Girls" entstand 1977 und mehr als 30 Jahre später sind SM-Spielereien wie Auspeitschungen oder Bondage nichts mehr, was den Fan die Schamesröte ins Gesicht treibt.
Wirkliche Tabus wie der Sex mit dem deutschen Schäferhund oder einem körperlich missgestalteten Menschen werden hier - Gott sei Dank - nur angedeutet.

Handwerklich gesehen ist Mattei routiniert ans Werk gegangen und hat trotz eines spärlichen Budgets für eine angemessene Ausstattung und Kostümierung gesorgt.
Die musikalische Untermalung schwankt zwischen sehr stimmungs- und einfach nur grauenvoll, die Dialoge weisen  teilweise geistreiche Qualitäten auf, die im Wechsel mit unfreiwilliger Komik und hanebüchenen Nonsens stehen.

Matteis Exploitation-Werk schlägt zum Ende hin noch eine dramatische Wende ein und lässt die SS-Schergen nach Hitlers Tod an ihren verübten Greueltaten Zweifel und Reue aufkommen und zeigt sie als Feiglinge, die im Angesicht des verlorenen Krieges lieber den Freitod wählen, als sich den Alliierten auszuliefern.
Der Ansatz von Kritik an ein faschistisches Systhem mag auf den ersten Blick ein ehrenhaftes Anliegen der Filmemacher sein, ändert aber nichts an der Tatsache, dass es sich bei "SS Girls" um ein reines Exploitation-Werk handelt, das genau diese Greueltaten als stilistisches Mittel zum Unterhaltungszweck benutzt, die es zu kritisieren versucht.

"SS Girls" ist nichts weiter als ein fragwürdiges Machwerk, teilweise purer Trash mit Ambition zur Persiflage, voll von unfreiwilliger Komik und gerade aus diesem Grund nicht ohne Unterhaltungswert und für Fans dieses Genre ohnehin Pflichtprogramm.

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