Review

Ich spiele mal den Systemsprenger und behaupte: Der Film ist Rotz!

Positiv ist die relevante Themenauswahl und die starke darstellerische Leistung des Kindes, die mit der von Nachwuchsschauspielern in Filmen wie Bübchen (1968), In Gewahrsam (2018), Capernaum – Stadt der Hoffnung (2018), Furueru shita (1980) oder Asphalthaie (1981) mithalten kann.

Es geht um ein Mädchen, das vermutlich durch ein Kindheitstrauma verhaltensgestört ist und immer wieder zu Gewaltausbrüchen neigt. Weder die Familie noch staatliche Institutionen kommen mit ihr klar, am Ende wird sie einfach aufgegeben.

Für mich scheitert der Film jedoch an seinen Logiklöchern. Zum Beispiel: Der Anti-Aggressionstrainer hat, entgegen aller Personalnot im sozialen Bereich, plötzlich drei Wochen Zeit für eine exklusive 1:1-Betreuung. Dafür nimmt er das Mädchen mit in seine abgelegene Waldhütte (creepy!) und macht einen auf ziemlich beste Freunde. In kitschigen Bildern wird dem Publikum dann mit dem Holzhammer eingetrichtert, dass dieses Kind mehr ist als nur seine Störungen. Ach was! Sie hat Gefühle? Sie braucht Liebe und Anerkennung? Wow, was für eine bahnbrechende Erkenntnis. Für diese plump vermittelte Binsenweisheit wird der Film dann auch noch abgefeiert.

Der „Anti-Aggressionstrainer der Herzen“ hat keinerlei professionelle Distanz und reagiert auf das Trotzverhalten des Kindes mit eigenem Trotz. Weil es das Drehbuch so will, fehlt ihm jedes Verantwortungsbewusstsein: Er pennt seelenruhig, während das Mädchen nachts in den Wald rennt. Das soll dramatisch wirken, ist aber einfach hirnrissig. Wieso sollte er die Tür offen lassen, wenn er ein verhaltensgestörtes Kind betreut? Was ist das überhaupt für eine pädagogische Maßnahme?

Später verletzt das Mädchen ein Kleinkind schwer auf einer Eisbahn. Trotzdem lässt der Trainer sie kurz darauf unbeaufsichtigt bei sich zu Hause mit seinen eigenen Babys allein. Ernsthaft? 

Dieser hanebüchene Unsinn zieht sich durch den gesamten Film. Die Figuren sind durchweg schlecht geschrieben und verhalten sich konstant unglaubwürdig. So viel Schwachsinn muss man selbst gesehen haben, um es zu glauben. Dass dieser Murks dennoch von so vielen Leuten ernst genommen wird verwundert mich sehr.

Zusammen mit Beastmaster III (1995) der lächerlichste Film, den ich dieses Wochenende gesehen habe.

Als Alternative empfehle ich Skunk (2023), thematisch ähnlich, aber glaubwürdig.

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