Die neunjährige Benni gilt als Problemkind. Das jähzornige Mädchen wird von einem Heim ins nächste gereicht, von einer Pflegefamilie zur nächsten, Zwischenstation immer wieder die Psychiatrische zur Ruhigstellung. „Systemsprenger“ sagen sie intern dazu. Erst Schulbegleiter Micha, eigentlich auf straffällige Jugendliche spezialisiertt, scheint ihr Vertrauen zu gewinnen und schlägt ein Experiment vor: drei Wochen nur zu zweit in einer Hütte im Wald.
Dieser Film ist wirklich harter Tobak. Zum einen gilt es, immer wieder minutenlanges Kindergekreische auszuhalten, das wirklich an den Nerven zehrt. Noch weit schwieriger ist es jedoch, mit anzusehen, wie ein traumatisiertes Kind einfach keinen Frieden findet und keine Liebe erfährt.
Bennis Mutter hat noch zwei jüngere Kinder und keinen festen Partner, Benni wurde wohl vom Kindsvater misshandelt, Genaues erfahren wir nicht, wir erleben nur, wie der aktuelle Freund der Mutter das Kind in einen Schrank sperrt, als er nicht mehr weiter weiß.
Autor-Regisseurin Nora Fingscheidt hat fünf Jahre lang in den hier portraitierten Einrichtungen recherchiert und zeigte ein schonungslos realistisches Bild der Zustände und Grenzen beim Umgang mit Traumata und psychischen Krankheiten bei Kindern. Helena Zengel, zum Zeitpunkt des Drehs auch erst elf Jahre alt, zeigt wunderbar die Verletzlichkeit und die Sehnsucht hinter den Ausbrüchen.
Ein krasser, aber unbedingt sehenswerter Film. Man sollte nur keine Hollywood-Heldenreise erwarten, dafür ist Benni zu besonders.