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Yentown (Rapid Eye Movies) Dieser Film ist ein Epos. Ein Meisterwerk der modernen Filmkunst! So muss Kino sein: auf mehreren Ebenen funktionierend bietet er neben einer sehr intelligenten und dynamisch spannenden Handlung, charismatische, hervorragende Darsteller, die ihren gut gezeichneten Charakteren ein sympathisch ehrliches und nachvollziehbares Leben einhauchen, untermalt von einem bezaubernden Soundtrack verpackt in wunderbaren Bildern. Es fehlen die Worte, diesen unglaublichen Streifen, welcher einem bei über 2,5 Stunden Laufzeit nie langweilig wird, zu beschreiben! Ich habe ihn mittlerweile dreimal gesehen, und er begeistert mich noch immer so wie beim ersten sehen, zumal man immer wieder neue Feinheiten erkennt, die Charaktere jedes Mal neu entdeckt und lieben lernt und bei der Geschichte immer neue Nuancen und Deutungen wahrnimmt. Shunji Iwai, bisher mit einigen Kurzfilmen (Undo, April Story) so wie vielen Video Clips in Erscheinung getreten, liefert hier einen Film, der in der so genannten Yentown, einer verkommenen Barackensiedlung außerhalb Tokios spielt. Hier stranden viele Nicht-Japaner, in der Hoffnung, dass schnelle Geld zu machen, und dann wieder zurück in die Heimat zu gehen. Hier führen sie eine Randexistenz unter den verächtlichen Blicken der Japaner. Unter ihnen lebt das zurückhaltende Mädchen Ageha (herrlich naiv durch Ayumi Ito dargestellt), seit dem Tode der Mutter bei der chinesischen Sängerin Glico (Chara, eine der bezauberndsten Darstellerinnen die ich je in einem Film gesehen habe!!!), welche sich ihr Geld als Hure verdient. Als sich ein Freier an Ageha vergehen will, wird dieser durch Zufall umgebracht. Bei der Beseitigung der Leiche findet man im Körper des Toten eine Kassette, welche oberflächlich gesehen den Song My Way von Frank Sinatra spielt (zum einen ist der Titel My Way sinnbildlich für die Protagonisten zu sehen, die alle ihren Weg gehen, bietet aber auch noch eine der schönsten Szenen im Film, wo alle gemeinsam nach einem traumatischen Erlebnisse dieses Lied anstimmen! Ganz großes Kino!!!), doch auch noch eine Anleitung bietet, wie man Falschgeld mit einfachen Mitteln herstellen kann. Natürlich ruft dies die Yakuza auf den Plan, die ihre Kassette wieder haben wollen, notfalls sogar mit Gewalt. Mit einer unglaublich schönen Bildästhetik (abwechselnd hektische Handkamera und teilweise statisch wirkende Bilder, die beinahe wie Standbilder wirken) schafft es Iwai, dass der Film lange nachhallt. In seinem Heimatland mit Preisen überschüttet, wäre es schön, wenn er auch hier angemessen gewürdigt würde. Rapid Eye Movies hat hier den nötigen Grundstein gelegt, indem sie den Film ansprechend auf DVD veröffentlicht. Glücklicherweise haben die Verantwortlichen den Film in seiner originalen Sprachversion belassen, da er durch seinen multikulturellen Kauderwelsch (japanisch, Mandarin und gebrochenes Englisch) manche absurde Verdrehung bereithält, die durch eine Synchro verloren gegangen wäre.Freunde intelligenter Filmkost mit einem Sinn für reichlich morbiden Humors können, bzw. müssen bei diesem Film einfach zugreifen, alle anderen sollten sich jedoch auch trauen, da ihnen sonst einer der schönsten und interessantesten Filme des modernen Kinos entgehen würde! CFS

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