"Yentown" - das ist modernes japanisches Kino über Yentowns, die in Yentown leben, um dort leichtes Geld zu verdienen. Ein Prolog klärt uns diesbezüglich auf. Dann beginnt die Geschichte. Und diese erzählt von drei Hauptcharakteren: Ageha, Glico und Fei-Hong.
Mehr zufällig trifft Ageha, damals noch ohne Namen, auf der Straße auf Glico. Diese nimmt sie in ihre Clique auf, in die sie sich schnell integrieren wird. Es dauert nicht lange, da stoßen alle auf eine Geldgrube: Im Bauch eines Toten, der versehentlich einige Stockwerke in die Tiefe stürzte, um anschließend zusätzlich von einem Müllwagen überrollt zu werden, finden sie ein Musiktape, das neben Frank Sinatras "My Way" noch einen Code für eine Manipulation an Geldautomaten enthält. Das Bare fließt und das Leben aller scheint eine Wendung zu nehmen. Während Ageha allmählich ihr Inneres entdeckt und an Einfluss gewinnt, wird Clico ein beliebter Popstar. Fei-Hong dagegen gerät bereits langsam aber sicher in einen Strudel schwer zu lösender Schwierigkeiten, dessen Sog ihn fest erfasst hat. Und auch beim Rest der Truppe wird das Glück nicht ewig währen.
"Yentown" erzählt sehr komplex. Die drei Hauptcharaktere sind von Grund auf verschieden. Ageha ist eine introvertierte und zunächst sehr schüchterne junge Frau mit stets hölzerner Miene. Glico ist dagegen schon aufgeweckter und selbstbewusster, verwandelt sich als Popsängerin jedoch in ein melancholisches Gemüt. Fei-Hong schließlich ist eine sympathische Frohnatur. Darüber hinaus gibt es noch weitere Figuren zu entdecken, wenn auch mit geringerer Intensität beleuchtet, die sich vor allem im Gangstermilieu herumtreiben. Die Charakterzeichnung ist jedenfalls außerordentlich gelungen. Breit angelegt ist auch die Handlung. Nie scheint sie sich auf eine Figur zu fokussieren, verfolgt mal Ageha, mal Glico oder Fei-Hong. Viele Gesichter zeigt "Yentown" auch in seinem allgemeinen Filmcharakter. So wird es mitunter fantasievoll und schwarzhumorig als auch dramatisch, milieu-dokumentarisch und sozialkritisch.
Letzteres hätte jedoch durchaus noch ausgebaut werden können. Der Prolog verspricht mehr, als der Film letztendlich einlösen kann. Das Augenmerk liegt auf den Figuren, ein Portrait des eigentlichen Gesichtes der Stadt, zumindest wie ich es mir vorstellte, blieb weitgehend aus. Wenn Kapital- und Materialdenken hier wesentlich in der Kritik stehen und überwunden werden wollen, wie es am Ende durch die Geldverbrennung geschieht, weil man höhere Werte schätzen gelernt hat, dann fehlt mir persönlich zuvor in den Bildern noch die starke Präsenz kapitalistischer Motive. Von technischer Warte aus inszeniert Shunji Iwai allerdings auf hohem Niveau. Er entwirft schön geschnittene Bilder und präsentiert sie in grobkörniger Videoclip-Optik. Akustisch halten sich die Stücke meist im Hintergrund. Gesanglich steuert Chara mit ihrer leider sehr kraftlosen und im westlichen Ohre keineswegs immer wohlklingenden Stimme noch einiges bei.
Trotz feiner Charakterzeichnung und komplex angelegtem Handlungsbogen ist "Swallowtail Butterfly" insgesamt nur "gutes" japanisches Kino. Die Bilder sind schön, hätten aber noch schöner, ausdrucksstärker und kritischer sein können. Darüber hinaus wird Ageha von Ayumi Ito schauspielerisch etwas zu monoton vorgetragen. Im Vergleich mit den persönlichen, zugegeben sehr hoch geschraubten Erwartungen letzten Endes doch leicht enttäuschend. Dennoch, eine Empfehlung ist "Yentown" allemal.