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Wenn genügend Herzblut im Spiel ist, kann es durchaus funktionieren, dass Schauspieler auf den Regiestuhl wechseln und gleichzeitig die Hauptrolle übernehmen. Was seinerzeit Mel Gibson mit „Braveheart“ gelang, funktioniert auch bei Chiwetel Ejiofor. Nur nicht mit Pauken und Trompeten, denn dafür ist der Stoff zu ruhig erzählt.

Um 2001: Im Hinterland von Malawi möchte der vierzehnjährige William (Maxwell Simba) die Schule besuchen, doch sein Vater Trywell (Chiwetel Ejiofor) kann das notwendige Schulgeld nicht auftreiben. Immerhin darf William Bücher über Technik in der Bibliothek studieren, doch eine drohende Hungersnot erschüttert schon bald den Familienzusammenhalt…

Der Stoff beruht auf einer wahren Begebenheit. Er basiert auf den Memoiren von eben jenem William Kamkwaba, der in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs und später studierte. Dabei geht es nicht vordergründig um die Erfindung des Jungen, dem es gelang, aus einem Fahrraddynamo, Teilen vom Schrottplatz und Eukalyptusrohren ein Windrad zu bauen.
Im Fokus stehen die unglaublichen Lebensbedingungen einer Familie, welche phasenweise von der Hand im Mund leben muss und zudem von der Gleichgültigkeit der verantwortlichen Politik gestraft wird. Hinzu gesellen sich die Launen der Natur, denn eine lange Regenperiode ist für den Getreideanbau genauso verheerend wie eine anhaltende Dürreperiode.

Ejiofor lässt sich Zeit mit seiner Erzählung und konzentriert sich dennoch auf das Wesentliche. Er ist stets nah bei den Figuren, wodurch rasch eine Bindung zur kompletten Familie entsteht, in der es hauptsächlich um den Konflikt zwischen Tradition und wirtschaftlichen Fortschritt geht. Dass Not erfinderisch macht, offenbart der an Technik interessierte William früh, als er Radios repariert oder alte Autobatterien verkabelt, um Restenergien zu nutzen. Gelegentlich kommt diesbezüglich ein leichtes Schmunzeln auf.

Das Regiedebüt lebt einerseits von den authentischen Schauplätzen und andererseits von den rundum starken Darstellerleistungen. Nicht nur der erfahrene Ejiofor läuft zur Hochform auf, auch Menschen, die erstmalig vor der Kamera agieren, verleihen dem Treiben eine glaubhafte, bodenständige Basis. Hinzu gesellt sich eine versierte Kamera, welche primär die extremen Wetterbedingungen nahezu spürbar werden lässt. Auch der Score brilliert mit zurückhaltenden, jedoch überwiegend warmen Klängen.

Natürlich kann man dem Titel entnehmen, wie die Geschichte höchstwahrscheinlich enden dürfte und auch sonst stößt man auf viele eher konventionelle Muster eines Dramas.
Dieses verzichtet jedoch auf unnötigen Pathos und bleibt angenehm nüchtern erzählt, zumal viele Bilder für sich sprechen. Ein starkes, sehenswertes Regiedebüt.
Knapp
8 von 10

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