Review

Die zweite Regiearbeit von Edward Norton, der sich als Schauspieler in den letzten Jahren ein wenig rar machte. Als die literarische Vorlage 1999 erschien, sicherte sich Norton alsbald die Rechte, mit der Umsetzung zogen schließlich einige Jahre und ein paar Veränderungen am Drehbuch ins Land. Seine Hommage an den klassischen Noir vermittelt zwar eine überzeugende Atmosphäre, doch die Geschichte kommt nie so recht in Gang.

New York in den 50ern: Der am Torette-Syndrom leidende Detektiv Essrog (Norton) wird Zeuge, wie sein Mentor (Bruce Willis) von Unbekannten erschossen wird. Als Verbindungsglied zu kriminellen Machenschaften vermutet er die Bürgerrechtlerin Laura (Gugu Mbatha-Raw), welche bald selbst ins Fadenkreuz dubioser Mächte gerät…

Die Nervenkrankheit der Zentralfigur steht auf dem ersten Blick im völligen Kontrast mit der ruhigen Stimmung, sie sorgt aber in den entscheidenden Momenten für minimale Aufheiterungen, da Essrog natürlich keine Kontrolle über seine Tics hat und in ruhiger Umgebung ab und an ein lautes „Wenn“ ausgerufen wird. Einen direkten Zusammenhang mit dem Fall gibt es genauso wenig wie die tiefere Bedeutung der Krankheit.

Die Geschichte an sich fokussiert weniger ein Rätselraten um den Killer, welcher rasch ausgemacht ist, vielmehr geht es um das Warum. Doch auch in diesem Kontext ist das Puzzle um Korruption, Machtbestreben, Rassismus und verwandtschaftsinterne Querelen nicht allzu schwer zu lösen, - die Erzählung verkompliziert es jedoch merklich, was zu mehreren Längen und einer unnötig aufgeblähten Laufzeit von 144 Minuten führt.

Dagegen können die vielen namhaften Mimen nur bedingt ankämpfen, obgleich einige Szenen mit Willem Dafoe und Alec Baldwin zu den markanteren zählen. Auch Norton hat seine Momente, jedoch ist seine Figur zu eindimensional angelegt, um mit schauspielerischen Glanzleistungen zu punkten, trotz Tourette. Positiv zu erwähnen ist noch der Score mit Schwerpunkt Jazz, was sich wunderbar in die Kulissen schummriger Bars fügt. Auf den ersten Blick ist die Ausstattung der Fünfziger mit auffallend vielen Automobilen recht gelungen, auf Dauer sticht jedoch eine gewisse Sterilität hervor, was das Szenario oft ein wenig künstlich erscheinen lässt.

Der durch und durch entschleunigte Krimi ist merklich überfrachtet, es werden Figuren eingeführt, die im Verlauf komplett verschwinden, während manche unnötige Szenen deutlich zuviel Raum einnehmen und jede Form von Spannung im Keim ersticken. Darstellerisch grundsolide, optisch passabel kommt die Geschichte nie so recht in Fahrt, weder auf emotionaler, noch auf kriminalistischer Ebene. Das Endergebnis erinnert ein wenig an „Chinatown“ in behäbig.
Knapp
5 von 10

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