Review

Tourette, adrett, ganz nett


„Motherless Brooklyn“ kann man als Überambition bis Angeberei von Hauptdarsteller, Drehbuchschreiber und Regisseur Edward Norton beschreiben - dennoch ist der noir'ische Krimi mit Überlänge zum Glück noch mehr als nur das. Erzählt wird im New York der 50er von den Ermittlungen des an Tourettesyndrom leidenden Lionel, nachdem sein Boss von Gangstern erschossen wurde und die ihn immer tiefer in den Unterbau des Städtebaus treiben…

Chinatourettetown

Dass Edward Norton zwar ein starker Schauspieler, aber ebenso komplizierter Typ sein soll, gilt denke ich mittlerweile fast als Fakt. Und dieses Bild bedient er auch durch und mit „Motherless Brooklyn“ aus allen Ecken. Einerseits kopiert er lediglich recht generisch von Hollywoods goldenen Film Noir- und New Hollywood-Klassikern und stattet dabei seinen Film nichtmal authentisch und hochwertig genug aus. Andererseits macht er es mit seinem tourette-geplagten Helden, einem der elegantesten Jazz-Scores seit Ewigkeiten, seiner eigenen Powerhouseperformance und einer durchaus ambitionierten Lauflänge samt meist lethargischem Tempo weder sich selbst noch dem Publikum leicht. Dabei ist „Motherless Brooklyn“ kein übertrieben unzugängliches Werk. Für viele wohl einfach ziemlich langweilig. Für mich jedoch eher ein zeitloses und sehr interessantes Vanityprojekt eines zutiefst ehrgeizigen und oft genug missverstandenen Schauspielgenies. Ob er dieses enorme Können gänzlich auf Regie und Drehbuch ausweiten kann, lässt „Mother Brooklyn“ noch offen. Verneint es sogar eher. Weniger ambitioniert oder beeindruckend macht das diesen melancholisch-romantischen Neo Noir aber nicht. Allein wie lustig und doch ernsthaft hier mit Tourette umgegangen wird, ist alle Ehre wert. Und wie gesagt: diesem Jazz und Flow könnte ich nächtelang zuhören. Plus: Bruce Willis in einer seiner letzten brauchbaren Nebenrollen. 

Fazit: viel mehr als nur die Edward Norton-Show - aber selbst das wäre wahrscheinlich schon genug gewesen. Und zu viel des Guten gleichermaßen. „Motherless Brooklyn“ changiert zwischen Unfall und Geniestreich - wobei ich eher zu Letzterem tendiere. Aber entscheidest selbst. Hauptsache den gucken mehr. Ein Neo Noir-Sonderzug. 

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