Die Diskussion darüber, dass Jackie Chan seinen Zenit überschritten hat und an das Beenden der Karrieren oder das Umgestalten rein auf die Tätigkeit hinter der Kamera, als Produzent oder auch Regisseur denken sollte, ist mittlerweile so alt wie der Mann selber. Auch die Wahl der Projekte selber und/oder die Gestaltung dieser wurde bereits Mitte der Neunziger oft in Frage gestellt, das Aufkochen bewährter Themen oder auch das Abhaken von Zutaten, mit denen er einst zum Markenzeichen wurde und diese nach mancher Meinung nun einfach nur lieb- und kreativlos abgehakt wurden. Untergegangen oder vergessen sind dabei Ausbruchsversuche aus diesem Korsett heraus, die anhaltende Popularität bei den Zuschauern und oftmals tatsächlich und dem ersten Satz nicht widersprechend auch der Fakt, dass der gute Mann wie alle anderen auch nicht jünger und physisch ab einem bestimmten Zeitpunkt ganz einfach auch nicht mehr agiler wird; aber auch noch viel vorhat und immer noch neues probiert:
Der eher wenig erfolgreiche Schriftsteller Pu Song-Ling [ Jackie Chan ] versucht mit 'Schauergeschichten', die er den Kindern erzählt an das Geld der Mütter heranzukommen und seine Bücher zu verkaufen; wobei noch niemand in seinem Dorf weiss, dass die Texte nicht nur seiner Fantasie entspringen, sondern zuweilen tatsächlich passiert sind. Bislang hat einzig der niedere Polizist Yan Fei [ Austin Lin ] etwas von seinen auch magischen Kräften und den Kampf gegen allerlei Dämonen mitbekommen und sich deswegen auch als Schüler beworben; bald werden das ungleiche Team allerdings auch vom ebenfalls Dämonenkrieger Yan Chi-Xia [ Ethan Juan ] um Hilfe gegen Nie Xiao-Qian [ Elane Zhong ] und ihre Schwester Mirror Demon [ Lin Peng ] gebeten, die sich vor allem von minderjährigen Mädchen 'ernähren' und diese entsprechend auch zahlreich aus dem Dorf entführen. Da der lokale Polizeichef Liu Quan-Zhen [ Qiao Shan ] und seine Truppe dem Ganzen machtlos gegenübersteht und mittlerweile auch die Tochter des Bürgermeisters Chu Xian-Ling [ Pan Chang-Jiang ] dran glauben musste, willigt Pu eher unwillig ein.
In den letzten Jahren schien die Vielseitigkeit von Chan im Bedienen verschiedener Genre von Filmen gerade im erstarkten Filmland der Volksrepublik China noch einmal an Zuwachs zu erhalten, wurden beständig hohe Zahlen an den Kinokassen bis zu neuen Rekorden gar einfahren; erst 2017 kam der plötzliche Knick (mit Bleeding Steel), welcher sich nun auch Anfang '19 mit Knight of Shadows fortsetzt. Gestartet zum Chinesischen Neujahr, dem gefragten und umso zerstrittenen Zeitpunkt der gesellschaftlichen Feierlichkeit und familiären Urlaubes, der gewollten und verordneten Unterhaltung wurde in der Masse an neuen Produktionen und neuen Stars der Kampf erstmal, dann aber auch eindeutig und trotz des Anpeilens eben jeder Altersgruppen mit auch Kindern und Jugendlichen voran mit großem Abstand verloren und ein miserables Ergebnis von knapp 22 Mio. USD nur erzielt. Ein kurzer Aussetzer nur, der der (zu späten) Wahl der Gattung Fantasy geschuldet ist; ein Topic, dass derzeit allumfassend in China miserable Erlöse einfährt, oder der Anfang vom Ende, der sich ankündigt? [Das Mitte 2017 von der Online Video Plattform iQiyi angekündigte Projekt wurde ursprünglich auf ein Budget von nicht ganz und da auch noch moderaten 15 Mio. USD angepeilt, allerdings war da noch kein Jackie Chan samt Produktionsfirma involviert.]
Zugutehalten muss man dem Film und seinem Regisseur Vash Yan Jia dabei, dass er die Welt hier langsam erkunden und in Ruhe bestaunen und sich ausreichend Zeit dafür lässt. Nach einem kurzen Imagination, einer Erzählung aus den "Seltsamen Geschichten aus dem Liao-Studierzimmer", die der Autor Pu seinem im wahrsten Sinne des Wortes kleinen Publikum zum Besten gibt, werden Zeit und Ort trotz der Unbegreiflichkeit beider ernst genommen und mit Behutsamkeit geöffnet; die erste richtige Episode um einem geheimnisvollen Juwelendiebstahl ganz ohne unnötiges Tempo gute 20min lang und hakt nacheinander und sorgsam die dafür benötigten Punkte ab. Als Unkundiger oder auch als 'Langnase' mit wenig Erfahrung in der Materie wird man hier ebenso an die Hand genommen wie als Begleiter der Figuren und als Bestauner der erschaffenen Welt, die in den wichtigsten Dingen vergleichsweise greifbar und bodenständig wirkt, und in den nicht-realen Bezügen die Glaubwürdigkeit der eigenen Fantasie und zumeist auch eine überzeugende Effekttechnik behält.
So lebt man hier nicht auf einem geschlossenen ebenen Platz, sondern wohnt und thront zuweilen über den Dingen, auf Art Erhebungen oder weit hinausragenden Hügeln, die untereinander durch Art Pfade und Aufstiege verbunden sind und in der die Gegend gleichzeitig horizontal und speziell vertikal ausgebaut, aber im Einklang miteinander und der Natur vor allem auch wirkend ist. Eine malerische, schon der frühen Planung der Konzeptskizzen 'geschuldeten' Gestaltung vor entweder strahlend blauen oder nachtfarbenen und durch Sterne und kleinere Feuer beleuchteten Himmel, ein niedliches architektonisches und auch ökologisches Gedankengut, in der der Mensch hier ständig an der frischen Luft und dennoch mit einem Dach über den Kopf und vier Wänden für den eigenen Freiraum ist. Mit Liebe zum Detail werden hier die Geschichten des Schriftstellers bebildert und dessen Wirken und Schaffen Respekt gezollt – man schaue sich im Vergleich dazu nur mal das groteske und abschreckende Journey to the West: The Demons Strike Back an, welches alles andere als einladend ist, oder das bis zum Exzess mit Jedem und Allem vollgestopfte League of Gods – und zum Verweilen einlädt.
Raschelndes Laub, entzückende Bambuswäldchen, geschwungene Baumwipfelpfade und verwunschene, in der Einöde isolierte Tempelanlagen im Äußeren der Szenerie, dazu in den darin eingebundenen Örtlichkeiten samt nebelumwaderten und aneinander schmiegenden Holzhäuschen eine warme Beleuchtung und ebenso wohltemperierte Farben, die auf eine wahrlich märchenhafte Gastfreundschaft und die cineastische Auszeit vom Alltag hindeuten; angeführt vom Kummerkastenonkel Chan, der in seinen Rollen schon immer ein kindliches Gemüt und eine gewisse Naivität zu besitzen schien, die ihn perfekt als väterlichen (oder onkelhaften) Geschichtenerzähler prädestiniert. Leider nur ist die Handlung selber, in seiner Liebes-und-Dämonengeschichte irgendwo zwischen A Chinese Ghost Story und Painted Skin weder innovativ noch sonderlich interessant, was dann auch für das CGI-Getümmel bei den vielleicht drei Actionszenen gilt, und werden den Menschen per Animationen mehrere gar lustige Vertreter als Siekicks für die ganz kleinen Kinder zur Seite gestellt – ein grüne furzende Bohne oder sowas im Jiāngshī-Kostüm, ein dickes animiertes Mädchen mit Babyspeck, ein Baum mit vielen Armen und ein fettes Schwein –, was die eigentlich eher gediegen-tragischen Stimmung über weite Strecken ruiniert; die Anbiederung an alle Altersklassen im Publikum kommt gar nicht gut und schon der Verkauf darüber in den Trailern hat einen Teil des Publikums verprellt.