Review

kurz angerissen*

Wer in seinem Dasein als Action-Star über die Jahrzehnte hinweg viele Abenteuer erlebt hat, muss sich nicht um die Zeit im Alter sorgen. Wenn die Gelenke bocken und die Schwerkraft viel schwerer wiegt als früher, bleibt immer noch der gemütliche Ohrensessel des Märchenonkels.

„The Knight of Shadows“ meint es gut mit Jackie Chan. Das Fantasy-Abenteuer schickt halbgare Kreaturen aus dem Computer vor, um das Feuer unter dem Kessel nicht versiegen zu lassen. Dem verdienten Martial-Arts-Helden bietet es zwar nicht den gemütlichen Ohrensessel an, aber immerhin einen sauberen Holzboden. Hier darf er ein wenig verschnaufen, während er sich mit undankbaren Kindern, nervösen Schweinemännern und kuriosen Holzgeistern aus 1001 Jahren chinesischer Mythologie unterhält. Gerade die richtigen Gesprächspartner, um die Disziplin mal einen Moment lang einfach zu vergessen und sich auf Augenhöhe mit dem Publikum dem Unsinn im Kopf hinzugeben.

Den Rest besorgt die Kosmetik. Es wird wenigstens so getan, als wenn von Chan mehr abverlangt werde als seinen Komparsen hin und wieder einen Streich zu spielen und dabei stets schelmisch zu grinsen. Der zur visuellen Opulenz hingezogene Prolog glättet seinen Star zu einer wächsernen Ragdoll-Puppe, die ohne Kollisionsabfrage wortwörtlich durch ein Meer aus computergenerierten Bildern pflügt. Das Animationsstudio muss zwei, drei Generationen hinter aktuellen Videospielsystemen in der Zeit stehen geblieben sein... was den Vorteil hat, dass die grünen Furzwolken, mit denen die fliegenden Helden ihren Antrieb organisieren, zumindest kein authentisches Geruchskino simulieren können.

Erstaunlich, dass sich aus einer derartigen Eröffnung immerhin noch ein theatralisches Rührstück mit den großen Gesten der Wirework- und Wuxia-Bombastfilme entwickelt. Sogar die durchwachsenen Spezialeffekte pushen sich stellenweise zu unerwarteten Höhen, wenn es darum geht, den Gefühlen einen Rosenteppich auszurollen.

Dass Jackie Chan mit seinen neuen Freunden aus dem Computer währenddessen den Affentanz macht, reißt natürlich immer wieder Löcher in die besinnliche Stimmung, was es schwer macht, mit Ernst bei der Sache zu bleiben. Der kindische Trailer, der eine filmische Katastrophe orakelt, lügt also nicht direkt, auch wenn er die wenigen tiefen Stellen verschweigt.



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