Review

Das Mär der Dinge


J.R.R. Tolkien - ein legendärer Mann, Schreiber, Held für viele. Der Vater der Hobbits, der ursprüngliche Herr der Ringe. Wie er zur Inspiration zu seiner Mittelerdesaga kam, was ihn in seiner ersten Lebenshälfte prägte und wie unsterblich er sich verliebte, will uns dieses semi-biografische (Kriegs?-)Drama zeigen...

„Tolkien“ handelt eher vom Mann, vom Jungen Tolkien, nicht vom legendären Schreiber. Man darf kein Herr der Ringe-Making Of erwarten. Fans der unsterblichen Saga kommen aber dennoch auf ihre Kosten, denn es werden schon fein Brücken geschlagen, es wird gezeigt, wie sich Fantasie und Realität bedingen, in ein Wechselspiel treten. Etwa wenn die Schützengräben und Grausamkeiten des ersten Weltkriegs in seinem Kopf Sauron und seine schwarzen Geister evozieren, wenn er mit seinen Schreiber-Freunden eine starke Bande eingeht, „Gefährten“ bildet, oder wenn er sich seiner große Liebe hingibt, für diese kämpft. Gefilmt ist das intime, wenn auch wohl eher nicht allzu akkurate Spektakel sehr edel, der sensible Score hat mir oft eine dicke Gänsehaut an die Arme gezaubert und die Darsteller liefern ordentliche Arbeit, von jung bis älter. Selbst wenn Hoult etwas blass und fast unterfordert bleibt, oft auch nicht dem Alter und Aussehen seiner Kameraden entspricht. Im Endeffekt würde ich mir „Tolkien“ nicht noch einmal angucken, der perfekte „Flugzeugfilm“ für die nächste Langstreckenreise. Einmal kicken, weiterklicken. Denn leider wirkt das doch alles sehr glatt, etwas kitschig, oberflächlich und ausgedacht, „fantastisch“ - selbst wenn Letzteres natürlich wieder passt. Für mich wird „Tolkien“ irgendwie einfach keinem seiner Hauptanliegen gerecht - weder dem Mann noch seinen Weggefährten, weder seinem Werk noch seinem Leben und Einfluss. Einzig und allein Inspirationsquellen und sein Sprachgenie werden angeschnitten, abgehakt und sicher auch um einiges verwässert. Passabel, aber etwas flach und enttäuschend. 

Fazit: ein völlig unterschätze, feiner Score, solide Performances durch die Bank und einige tolle Bilder, Verbindungen zwischen Fantasie und (grausamer sowie zauberhafter) Realität, reichen nicht ganz, um bei dieser generischen Geschichte um den vielleicht grandiosesten Fantasyschreiber aller Zeiten den Funken überspringen zu lassen. Schade. Zäh und dezent. Für Fans von Mittelerde und Co. dennoch ein Pflichtguck. Erwartungen nur vielleicht etwas runterschrauben. 

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