In einer amerikanischen Kleinstadt leitet Don Burnside (Dylan McDermott) eine Pfadfindergruppe, zu der auch sein 16-jähriger Sohn Tyler (Charlie Plummer) gehört. Tylers vierköpfige Familie lebt nach christlich-evangelikalen Grundsätzen, dennoch ist der Endvierziger Don ein recht umgänglicher "Mann für alle Fälle": sein gutes Standing in Gemeinde und Kleinstadt hat er sich in langjähriger Arbeit erworben. Eines Tages wird der zurückhaltende Tyler auf ein Mädchen aufmerksam, das draußen vor der Schule sitzt und von den Anderen als Außenseiterin beschrieben wird: Die etwa gleichaltrige Kassi (Madisen Beaty), von der es heißt, daß ihre Mutter durchgebrannt sei und die sich - altersuntypisch - mit einigen ungeklärten Mordfällen beschäftigt. Diese Mordfälle, von denen der letzte schon über 10 Jahre zurückliegt, sind jedoch das Einzige, was die Kleinstadt seinerzeit über ihre Grenzen hinaus bekannt gemacht hatte: ein Serienkiller, der am Tatort stets einen bestimmten Knoten in einem Seil (den titelgebenden Clovehitch) zurückließ, hatte damals meist junge Frauen überfallen, gefesselt und ermordet. Trotz aller Ermittlungen wurde er niemals gefasst, und eine jährliche Trauerzeremonie, veranstaltet von den Pfadfindern, ist das Einzige, was an die schaurige Mordserie erinnert.
Tyler, der der seinen Vater bewundert und eines Tages in dessen Fußstapfen treten will, borgt sich eines Nachts dann doch dessen Pick-up und fährt zu einem heimlichen Treffen mit einer Schulkameradin auf einem Parkplatz. Zufällig findet er im Wagen ein zerknittertes Bild einer gefesselten Frau, was vor allem das Mädchen äußerst mißtrauisch macht, die sich sofort nach Hause fahren läßt. Am nächsten Tag hat diese "Entdeckung" bereits die Runde gemacht in der Schule: es wird getuschelt, daß Tyler ein "Perverser" sei, der auf Fesselspielchen steht. Der nur durchschnittlich selbstbewußte, dafür aber umso neugierigere Tyler stellt nun aber selbst einen Zusammenhang zwischen dem Foto im Wagen und den Morden her und beginnt, seinen Vater genauer zu beobachten...
Was wie ein durchschnittlicher Kleinstadt-Thriller beginnt, wird im Lauf der Zeit zu einem Psycho-Thriller zwischen Vater und Sohn, wobei der Zuschauer lange Zeit darüber im Unklaren gelassen wird, was es denn nun wirklich mit den verräterischen Spuren auf sich hat, die Tyler nach und nach entdeckt. "Erschwerend" (im Sinne der Lösungsfindung) hinzu kommt das exzellente Schauspiel der beiden Hauptdarsteller, die jeder für sich nicht nur äußerst authentisch spielen, sondern darüber hinaus auch noch beide einen gewissen Sympathiewert für sich verbuchen können - der an sich lockere und gleichmütige Patriarch Don, der ohne Brille nicht mehr so gut sieht, leichte Rückenprobleme hat und seinen Sohn schon mal in einem vertraulichen Vater-Sohn-Gespräch vorsichtig darüber aufklärt, daß Pornobildchen aus dem Internet (was seine Mutter entdeckt zu haben glaubt, als Tyler im Internet nach den Morden recherchiert und den Laptop hastig zuklappt, als sie hereinkam) eine Sünde seien, wohingegen die Gedanken frei wären und er sich jederzeit "gewisse Dinge" in seinem Oberstübchen ausmalen könne. Überdies klopft er seinem Filius anerkennend auf die Schulter, als er festzustellen glaubt, daß sich dessen Aktivitäten um die erste Freundin drehen - doch diese erste Freundin ist dann die Außenseiterin Kassi (ebenfalls sehr lebensnah und sympathisch: Madisen Beaty), welche kistenweise Akten zu den Morden nicht nur zuhause, sondern diese auch akribisch durchgearbeitet hat. Auf ihren Fahrrädern beginnt das junge Duo dann ohne Hilfsmittel Spuren zu verfolgen...
The Clovehitch Killer kommt ohne großes Budget, ohne Blut, Autocrashs und Schießereien aus, fasziniert vor allem durch das von ansteigender Spannung geprägte Verhältnis des wissbegierigen Sohns zu seinem beschwichtigenden Vater und wartet darüber hinaus mit einem eher überraschenden Ende auf, welches man so noch nicht gesehen hat. Ein kleiner, aber feiner Thriller: 8 Punkte.