Das zweite Werk des gebürtigen Iraners Babak Anvari führt ihn erneut in den Horrorbereich.
Es pendelt sich irgendwo zwischen Lynch, Cronenberg und Lovecraft ein und erinnert aufgrund der Prämisse an asiatische Gruselklassiker wie „The Ring“.
Barkeeper Will (Armie Hammer) findet nach einer heftigen Keilerei in der Bar ein Smartphone, welches offenbar ein Jugendlicher verlor. Daheim verschafft er sich Zugang und entdeckt morbide Fotos und Videos. Kurz darauf wird er von dämonischen Visionen heimgesucht, was er nicht länger vor seiner Freundin Carrie (Dakota Johnson) verstecken kann…
Beinahe kammerspielartig steigt die Story in der leicht heruntergekommenen Bar ein und etabliert Will als einen smarten, lockeren Typen, der mit jedem klarzukommen scheint. Auch seine beste Freundin Alicia (Zazie Beetz), die sich einen Stammplatz am Tresen ergattert hat, kommt sympathisch rüber. Doch spätestens, als Will noch in der Nacht die düsteren Inhalte des Mobiltelefons erspäht, wäre alles andere als ein Gang zur Polizei komplett unlogisch.
Stattdessen pfeift sich der Studienabbrecher zum Wachwerden ein Bier rein und offenbart kurz darauf deutliche Züge von Eifersucht, obgleich er selbst es wahrlich nicht so genau mit der Treue nimmt.
Entsprechend lassen die Sympathien für Will zusehends nach, die ursprüngliche Identifikationsfigur mutiert zum Stinkstiefel, während hierzu kein Gegenpol geliefert wird.
Stattdessen mehren sich die Kakerlaken. Anfangs in der Bar treten sie vereinzelt auf, in der Wohnung ebenfalls, später gesellt sich ein wenig Body Horror hinzu, wogegen reine Splattereinlagen auf wenige Szenen begrenzt sind. Ohnehin wird weniger auf visuelle Erschreckmomente gesetzt, - stattdessen schwillt der vorwiegend aus dumpfen Hüllkurven bestehende Score stellenweise mächtig an.
Eine gewisse Sogwirkungen ist dem Treiben definitiv nicht abzusprechen, doch was ihm letztlich das Genick bricht, ist das unbefriedigende, völlig abrupt gesetzte Ende. Kleine Puzzleteile wie die Erwähnung eines Portals helfen da nur bedingt weiter, denn final erhält das Puzzle eben nur die Randteile, die Mitte darf man sich selbst zusammenschustern.
Trotz passabler Präsenz kann Armie Hammer dem nur bedingt entgegenwirken, er performt jedoch deutlich besser als Dakota Jonson, die allerdings einen undankbaren Charakter zu beleben versucht. Zazie Beetz liefert brauchbar ab, der Rest bleibt eher unauffällig.
Mit einer vernünftigen Auflösung wäre da richtig viel drin gewesen, doch das plötzliche Ende versaut den eigentlich positiven Gesamteindruck immens, zumal auch handwerklich, bis auf zwei, drei Wackelkameras bei Temposzenen rein gar nichts anzukreiden ist.
Schade um den atmosphärischen, teils angenehm beklemmend wirkenden Vorlauf, der außer Andeutungen auch nicht mehr als jene liefert.
5 von 10