Eigentlich hat Will (Armie Hammer) sein Leben so einigermaßen im Griff - der Barkeeper aus dem Rosie´s in New Orleans ist mit einer jüngeren Studentin zusammen und meist locker drauf. Wenns mal heiß hergeht in der Kneipe, weiß er stets zu schlichten und so könnte es auch weiterlaufen, bis eines abends nach einer Prügelei ein paar vor derselben geflohene Kids ihr Handy liegengelassen haben. Will nimmt es gewohnheitsmäßig an sich und da er die Tastensperre erkennt, meldet er sich bei den Besitzern, die es abholen sollen. Als er jedoch aus Neugierde diverse Bilder und Videos auf dem Handy anschaut, scheint irgendeine übernatürliche Macht von ihm Besitz zu ergreifen. Zuerst sieht er Kakerlaken, wo gar keine sind und auch sonst geht es ihm zunehmend schlechter...
Der Mystery-Streifen Wounds ist der zweite Film von Babak Anvari, dessen mir unbekanntes Erstlingswerk überwiegend positiv aufgenommen wurde. Wounds, der sich zum Teil auf eine Buchvorlage (The Visible Filth, eher kein Bestseller) bezieht, kann jedoch nicht überzeugen. Zwar baut der Film eine gewisse Spannung auf, indem er mysteriöse Vorfälle streift, bleibt aber eine Erklärung dafür schuldig und bricht dann irgendwann komplett ab, so als wäre kein Budget mehr für ein Finale vorhanden gewesen. Eigentlich ist das Ganze mehr oder weniger ein (Sozial-)Drama um den gesellschaftlichen Abstieg von Will. Der Kumpeltyp wandelt sich nämlich langsam aber sicher zum Stinkstiefel, versucht seine Freundin zu betrügen, wird immer nervöser und schreit herum, am Ende schmeißt er aus nichtigem Anlaß seinen Job hin und trennt sich von der Studentin, um bei einer dubiosen Kneipenbekanntschaft auf dem Sofa zu pennen - "nur für ein paar Tage". Aber selbst dort ist er nicht gern gesehen, was jedoch egal ist, denn an dieser Stelle endet der Film. Dramaturgisch wäre eine Wandlung vom Saulus zum Paulus wohl sinnvoller gewesen, so aber mag man zum zunehmend unsympathischer werdenden Will auch keinen Draht mehr aufbauen, er wird dem Zuschauer immer gleichgültiger. Und da die anderen Protagonisten auch ohne ihn sehr gut zurechtkommen, bleibt nur noch eine enden wollende Neugier auf die Erklärung zur "Sprache der Wunden", die hinter den zeitweiligen Erscheinungen stecken soll. Doch die unterbleibt zur Gänze...
Bezüglich der gruseligen Momente sind die erwähnten Kakerlaken sowie u.a. ein sich auflösendes Handy zu erwähnen - Wills Freundin, die Studentin Carrie, die zwischendurch darauf besteht, das Handy mit den gruseligen Bildern von Leichen etc. der Polizei zu übergeben, schaut es sich dann doch mal selbst an und fällt an ihrem Laptop nach diversen diesbezüglichen Recherchen über dem Bild eines eigenartigen Felsentunnels in einen tranceartigen Zustand, dem sie nicht mehr entfliehen kann. Will trägt seine dahindämmernde Freundin, die am Stuhl eingenässt hat, zur Badewanne und dort versinkt sie in einer schwarzen Brühe. Diese und andere merkwürdige Dinge optischer wie auch akustischer Machart geschehen beiläufig, was ihre Wirkung unterstreicht, nur leider werden sie nie hinterfragt oder etwas dagegen unternommen und schon gar nicht erklärt. Und dann wiegesagt ein Ende, in dem plötzlich tausende Computer-Kakerlaken an den Wänden aufziehen und das wars. Nicht einmal ärgerlich, sondern eher Zeitverschwendung, 2 Punkte für den ansprechenden Beginn, dem jedoch nahezu nichts mehr folgt.