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Die Karriere von John Travolta wurde schon ab den frühen Achtzigern mehrfach totgeschrieben und für beendet erklärt, heute nach vier Jahrzehnten ist der Mann immer noch anwesend, nach mehreren Comebacks vom Namen hier immer noch weltweit bekannt und für ewig auch in das Bewusstsein des (älteren?) Publikums als (ehemaliger?) Hollywoodstar erklärt. Travolta ist mittlerweile nicht mehr der Jüngste, lockt nicht mehr ins Kino, wurde seit Mitte der 10er Jahre auch vermehrt als entweder prominenten Nebenrolle oder doch als Hauptrolle in DtV und VoD Produktionen gebucht bzw. hat sich selbst auch selber als Zugpferd für die eigenen JTP Produktionsfirma gewählt. The Poison Rose dabei als Film Noir Anpreisung, was innerhalb der vielen anderen und vielen auch untergegangenen Arbeiten – Trading Paint oder Speed Kills hat bspw. 'Niemand' gesehen und die Reichweite von The Fanatic ist wahrscheinlich auch nur auf morbide Neugier aus angelegt – allein schon vom ehrwürdigen, traditionell angesehenen Genre her mehr Aufmerksamkeit verleihen könnte und zusätzlich durch weitere bekannte Besetzung wie natürlich Morgan Freeman, aber auch dem Brendan Fraser in seinen ebenso zweiten Karriereweg, Robert Patrick, Peter Stormare und dem ehemaligen Bond-Girl Famke Janssen für das Interesse des Publikums geadelt ist:

1978. Los Angeles. Der low-key Privatdetektiv Carson Philips [ John Travolta ] wird von Violet Gregory [ Claudia Gerini ] engagiert, nach ihrer vermögenden Tante Barbara Van Poole Ausschau zu halten, die sich in Galveston, Texas in das Sanatorium "Pleasant Meadows" hat einchecken lassen, seit einer Weile aber nicht mehr auf Briefe und Anrufe reagiert. Carson, der eh Ärger mit ein paar Schergen hat und vor 20 Jahren in Galveston als Footballspieler eine kurze Karriere hingelegt hat, kehrt in seine frühere Heimatstadt zurück, wo er neben dem merkwürdig reservierten und ausweichenden Arzt Miles Mitchell [ Brendan Fraser ] auch auf die früheren Kumpels Slide [ Peter Stormare ], den jetzigen Sheriff Chief Walsh [ Robert Patrick ] und den offensichtlich heimlichen Anführer der Stadt, den schwerreichen Doc [ Morgan Freeman ] trifft. Außerdem wird er kurz nach Ankunft von seiner ehemaligen großen Liebe Jayne Hunt [ Famke Janssen ] gebeten, den Tod ihres Schwiegersohnes Happy Chandler [ Devin Ellery ], des derzeitigen Star Quarterback aufzuklären, für den sowohl ihre Tochter Rebecca [ Ella Bleu Travolta ], dessen Geliebte Rose [ Kat Graham ], Tochter vom Doc, als auch dessen Drogenhändler Lorenzo Rodriguez [ Blerim Destani ] in Frage kommt und bald sowieso alles möglich ist.

"My name is Carson Phillips. I'm a P.I. I like to drink. I like to smoke. I like to gamble. Sometimes a little too much."
Hübsch altmodisch immerhin der Beginn, die leise Flucht aus der Stadt der Engel hinaus, aus der Wohnung, die direkt über einem Kino liegt, in dem gerade Der Malteser Falke gespielt wird und die Katze als einziger treuer Begleiter auch stilecht auf den Namen Raymond hört. Eine neue Klientin im Büro, daheim nichts mehr zu verlieren, ergo eine Reise in die Vergangenheit, die aus der Großstadt hinaus und über die weiten leeren Straßen direkt zurück nach Galveston, Texas in die Provinz gleich führt.

"You know, we ID'd those shooters. They're from L.A. But I think you already knew that. They're hitmen. Wanna tell me who they are?"
"They're hitmen."

Die Inszenierung arbeitet dabei viel mit Dialogen, einigen wenigen knackigen übrigens, natürlich auch mit Erzählerstimme, die gerade und eben gesehenes noch einmal aufbereitet und dabei blumige Stilblüten und allerlei Vergleiche direkt aus dem Pulpheftchen vom Groschenladen um die Ecke her zitiert; Travolta mit legerer Frise und gepflegt älterem Bart passt auch optisch in das Geschehen und hat auch genug Jahre (und Kilos) und Süffisanz auf dem Buckel, um den eher mauen Privatdetektiv mit 20 Jahren Berufserfahrung und ohne großartig eigenen Anspruch, Besitz und Zukunftsaussichten perfekt zu symbolisieren. Der erste Auftrag, der eigentliche Grund für den 'Ausflug' zurück an den Ursprung wird dabei nur eher halbherzig verfolgt, eröffnet sich doch schnell ein neuer Reigen voller Ereignisse, an dem die beteiligten Personen direkt alle zusammen an einem Pokertisch vorgestellt werden und dort schon die ersten Probleme und Konfrontationen am Schwelen sind. "So there I was, sitting at a poker table surrounded by the people I grew up with and even though I'd been gone for over 20 years I couldn't believe how easily I slipped back into the pace and rhythm of my past."

Getreu seiner Herkunft wirft der Film dabei verschiedene Geheimnisse in den Raum und diese durcheinander, ist eines für den Moment gelöst, taucht ein nächstes oder auch ein älteres auf, dass Fragen aufwirft und vor Problemen stellt. Wandernd zwischen Drohungen, Versprechen, Angeboten und Aussagen und ebenso sich bewegend zwischen einem auffällig stillen und teils geschlossen wirkenden Sanatorium, einem schäbigen Motel mit unliebsamen Gangster vor der Zimmertür und edlen Villen mit weiten poolbelegten Rasenflächen plätschert der Film dabei durchaus stimmungsvoll, wenn auch wie ein Puzzle aus auswendig gelernter Tradition und einem Nachahmen der besten Dinge daraus vor sich hin; eine ganz autarke Faszination wird nicht erreicht, aber die Anpeilung an die (schon späten) Kriminalfilme der Siebziger wie Chinatown, Klute, Fahr zur Hölle, Liebling, Die heiße Spur, Tote schlafen fest, Unter Wasser stirbt man nicht, Tag der Abrechnung und Der Tod kennt keine Wiederkehr sorgt für schon einen speziellen und nicht zu verachtenden Reiz; zusätzlich tauchen ab und auch ein paar schießwütige Goons auf, die die Luft am Aufheizen sind. Fortsetzung namens The Lost Rose soll im Entwicklungsprozess sein und kann auch kommen, wenn man diese Art der Qualität beibehält.

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