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Künstliche Intelligenz und globale Existenzfragen thematisiert der Australier Grant Sputore in seinem Spielfilmdebüt, was ein wenig an eine Mischung aus „Moon“ und „Ex Machina“ erinnert. Statt auf Action und Schauwerte wird auf Minimalismus gesetzt, was sich im ersten Drittel ein wenig negativ bemerkbar macht.

Die Menschheit scheint komplett ausgelöscht. Einem Roboter, kurz Mutter genannt, ist es vorbehalten, in einem Forschungsbunker einen Embryo zu einer jungen Frau (Clara Rugaard) großzuziehen. Als eines Tages eine verletzte Frau (Hilary Swank) vor der Schleuse auftaucht, gerät das Weltbild der so genannten Tochter arg ins Wanken…

Da muss sich aber jemand sehr gut vorbereitet haben, wenn Künstliche Intelligenz eine Auswahl von über 60000 Embryos zur Verfügung hat, um letztlich eines in allen pädagogischen Belangen aufzuziehen. Wobei genau darin der Haken liegt: Wir erleben Tochter als eine überaus gutmütige, ausgeglichene und gleichermaßen folgsame junge Frau, die außer in Talkshow-Aufzeichnungen noch nie Menschen begegnet ist. Keine wirklichen sozialen Kontakte, ergo keine Konflikte, kein sexuelles Aufbegehren und keine Alltagsprobleme. Kann ein menschlich agierender Roboter all diese Felder abdecken?

Bevor man sich diesen Fragen widmen könnte, interveniert schließlich die verletzte Unbekannte, die mit ihrem Auftauchen erste Zweifel sät. Hat Mutter sie all die Jahre über belogen oder hat sie sich schlicht getäuscht? Im Folgenden wird daraus ein wenig Spannung entwickelt, wem der beiden überhaupt vertraut werden kann und inwieweit die Grundregeln des Roboters, Menschen stets zu deren Wohl zu dienen, eingehalten werden.

Die kammerspielartige Stimmung wird von einem überaus zurückhaltenden Score und einer beinahe steril wirkenden Kulisse untermauert, da es erst nach 80 Minuten einen kurzen Einblick von der Außenwelt gibt. Jene wirkt phasenweise etwas künstlich, wogegen der Roboter in Sachen Akustik und Bewegung die erforderlichen Ambivalenzen erzeugt. Einerseits sorgt eine angenehm weiche Stimme für ein mütterliches Grundvertrauen, andererseits fallen einige Bewegungen recht bedrohlich aus, zumal es keinen Indikator für bestimmte Stimmungstendenzen gibt und somit eine latente Unberechenbarkeit im Raum steht. Jene sorgt ab und an für kleine Twists, wobei die Quintessenz durchaus mehrere Deutungen zulässt.

Getragen wird der Stoff primär von den beiden stark aufspielenden Damen, wobei Swank mit deutlich weniger Screentime mehr Facetten offenbart, während Rugaard angenehm bodenständig performt, in intensiveren Momenten jedoch vollends überzeugen kann.

Wer sich zwischenzeitlich gerne mit philosophischen Eckpunkten beschäftigt und bei alledem wenig Bewegung und noch weniger Action benötigt, dürfte mit dem Sci-Fi-Drama nicht viel falsch machen. Nach einem deutlich zu langen Vorlauf ereignet sich im Verlauf jedoch zu wenig, auch wenn die Intention gegen Ende deutlich durchschimmert und kleine Wendungen bei Laune halten, - die Nachhaltigkeit bleibt weitgehend aus.
6 von 10

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