Detroit in einer nicht all zu fernen Zukunft:
Der Konzern OCP übernimmt öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser und auch die Polizei. OCP macht in Bereichen des öffentlichen Lebens Profit, die zuvor als unprofitabel galten.
Unterdessen kommt Alex Murphy (Peter Weller) als Cop neu in die Stadt, einer Stadt in der das Verbrechen regiert. An der Spitze der inzwischen durch die OCP privatisierten Polizei tobt ein Machtkampf.
Vordergründig geht es darum, die Polizei von Detroit quasi zu automatisieren und Polizisten durch Roboter zu ersetzen. Zwei konkurrierende Systeme haben sich hierbei bislang herauskristallisiert: Das eine wird vom aufstrebenden Bob Morton (Miquel Ferrer), der wahrlich über Leichen geht um nach oben zu kommen, angeführt und setzt auf Cyborgs, Wesen, die halb Mensch halb Maschine sind; Das andere System, welches vom etablierten und erfahrenen Dick Jones (Ronny Cox) befürwortet wird, basiert auf eine recht klobige, jedoch schießgewaltige Roboterkonstruktion, genannt Ed 209. Jones, der sich im Machtkampf mit seinen jüngeren Kollegen noch im Vorteil sieht, scheint sich mit seiner Version durchgesetzt zu haben.
Als es bei der offiziellen Vorstellung dieser Kampfmaschine jedoch zum Super-Gau kommt, setzt sich Morten schließlich mit seinem „Robocop“ durch.
Unterdessen in den Straßen von Detroit:
Alex Murphy und seine Kollegin Lewis bekommen es mit einer wild um sich schießenden Bande zu tun. Dass sie es mit der Spitze des organisierten Verbrechens von Detroit zu tun haben, wissen sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Als Murphy bei der Verfolgung dieser Verbrecherbande, schlussendlich durch das Versagen seiner Kollegin, brutal zerschossen wird, könnte der Film eigentlich schon zu ende sein. Tatsächlich beginnt er hier erst richtig. Murphy findet sich nach seinem Tod nämlich als Robocop wieder. Sein Körper wurde verwendet um den ersten Cyborg zu schaffen. Murphys Überreste sind nun die biologische Komponente Robocops. Fortan hält Robocop die Unterwelt Detroits in Atem. Der faszinierte
Zuschauer bekommt es nun mit einer ganzen Lawine von Gags zu tun, in der Robocop als Streiter für Recht und Ordnung sehr unterhaltsam gegen die Kriminalität angeht. Hier nur ein sehr kleiner Auszug: Nachdem er ein Blondchen vor den sexuellen Übergriffen schmieriger Gangster bewahrt hat und diese sich nun dankbar um Robocops Hals wirft, spuckt der Robocop in etwa so was aus: „Madam, Sie stehen unter einem emotionalen Schock. Ich verständige eine Notzuchttherapieklinik“. Eine Situationskomik, die so grotesk ist, dass spätestens hier sich jeder noch so naive Zeitgenosse, der bis jetzt alles für bitteren Ernst hielt, vor lauter Lachen am liebsten in die nächste Ecke schmeißen möchte. Robocop feiert Erfolge und gewinnt an Selbstbewusstsein. Unterdessen ist es aber Morton, der ja Robocop zur „Marktreife“ brachte, der sich feiern lässt und schlussendlich auch ganz nach oben kommt, an die Spitze der OCP.
Robocop hat aber durchaus sein eigenes Dilemma zu bewältigen. Er ist programmiert gegen das Verbrechen anzukämpfen und scheinbar ohne eigenen Willen. Was jedoch niemand für möglich hält, tritt dennoch ein: Robocop erinnert sich bruchstückhaft an sein altes Leben als Alex Murphy. Als die Erinnerungen dann immer stärker werden und er vor den Trümmern seiner Familie und seiner eigenen Identität steht, fängt sich Robocop an zu verselbstständigen. Unterstützt wird er dabei von seiner Kollegin Lewis, die in Robocop als erste Alex Murphy wieder erkennt und die nun nach seinem Tod als Alex Murphy, offensichtlich die loyale Partnerin sein möchte, die sie für ihn zu seinen Lebzeiten als Alex Murphy nicht sein konnte. Unterstützt also von Lewis und sich seines Schicksals inzwischen bewusst, startet Robocop nun einen furiosen Rachefeldzug.
Richtet sich Robocops Zorn zunächst gegen seine eigenen Mörder, so ist sein nächstes Ziel die korrupte Führungsriege der OCP, an deren Spitze sich inzwischen der schmierige Morten anscheinend fest etabliert hat, der kurz davor steht, seine Allmachtsphantasien in der Realität umzusetzen und aus Detroit, Delta-City werden zu lassen. Dick Jones jedoch soll kein ältlicher Zeitgenosse sein, der das Machtspiel schon in der ersten Runde verlieren möchte. Es scheint vielmehr so, dass Jones mit dem Rücken zur Wand, erst all seine Qualitäten voll ausspielen kann. Und so zehrt Jones dann auch aus seinen ganzen Erfahrungsschatz.
Ein Höhepunkt sicher das Duell Robocop gegen das von Jones favorisierte „Konkurenzmodell“ Ed 209 - ein erbitterter Kampf, der wie eine Persiflage auf alte japanische King-Kong und Godzilla Filme wirkt, vielleicht auch genau das vorhat.
Dieser erste US-Film Paul Verhoevens ist eine dunkle Zukunftsvision, die wie alle seine Science-Fiction Filme durchaus nicht ohne realistische Grundlage ist. Paul Verhoeven versucht in seinen Science-Fiction Filmen die Trends der Gegenwart in die Zukunft zu übertragen. Seine Filme wirken dadurch nicht allzu phantastisch sondern eher beängstigend realistisch. Realistisch sind auch Verhoevens überharte Gewaltszenen, die in dem Directors Cut auf der Special Edition von MGM gänzlich ungeschnitten zu bewundern sind. Jeder Schusswechsel zieht hier die entsetzlichsten Verwundungen nach sich. Höhepunkt der Gewalt ist ganz sicher die Erschießung, oder besser Hinrichtung Murphies durch die Verbrecher, die so ganz sicherlich niemals im Kino zu sehen war. Die Gewaltdarstellungen wurden hier dermaßen auf die Spitze getrieben, dass sie im Zusammenspiel mit der im Film durchaus mal mehr und mal weniger stark durchschimmernden hintergründigen Ironie und Gesellschaftskritik und der Situationskomik, die immer wieder für Lacher sorgt, Robocop zu einem fast Comikartigen Spektakel werden lassen.
Erwähnenswert noch die durchdringende Erkennungsmelodie, die sich nach dem Ableben Murphies allmählich zum „Robocop-March“ aufschaukelt und die einem nur noch schwer aus dem Ohr geht.
Am Ende hat man sicher mehr als ein Science-Fiction Film gesehen. Man hat einen Film gesehen, der zum nachdenken anregt und der von Trauer bis Zorn die gesamte Palette von Emotionen beinhaltet und damit nur wenige kalt lässt. Außerdem ist der Film von der ersten bis zur letzten Minute einfach unterhaltsam erzählt und er fällt durch Wortwitz und hintergründiger Ironie auf. Ein typischer Verhoeven also.
Wer allerdings eine Abneigung gegen Gewaltdarstellungen hat, ist hier im falschen Film.