„RoboCop“ zählt ganz sicher nicht zu der Sorte Film, die dem Zuschauer alle künstlerischen Elemente direkt vor die Füße legt. Er ist nur vordergründig ein einfacher „Halb-Mensch-halb-Maschine“-Streifen, der hauptsächlich mit blutigen Schiessereien unterhalten will. In Wahrheit steht Verhoevens erstes großes Meisterwerk für eine gesellschaftskritische Satire im Gewand einer Mischung aus Science-Fiction und Polizei-Thriller, mit einem gehörigen Schuss Ironie (die Werbe-Spots sind einfach göttlich!). Richtet man seinen Blick ein bisschen mehr auf die scheinbar unwesentlichen Teile der Handlung, so fallen neben dem unmenschlichen Streben nach wirtschaftlicher Macht und Kapital besonders die heftige Kritik an den Medien hinsichtlich der Sensationslust ins Auge, ferner nimmt Verhoeven die hohe Kriminalitätsrate in den USA gekonnt unter die Lupe. Ebenfalls grösste Anerkennung verdienen die mitreissende musikalische Untermalung (Basil Poledouris hat es absolut drauf) sowie die durchweg treffende Besetzung, vor allem Kurtwood Smith als Gangsterboss und Miguel Ferrer, der „Schleimi“ schlechthin, machen eine grandiose Figur. Was Peter Weller anbelangt, so ergeben er und Nancy Allen (sehr gute Wahl für die einzelkämpferische Polizistin) ein perfektes Team, obwohl man angesichts seiner Rolle darüber hätte streiten können, inwieweit bei ihm von einer schauspielerischen Leistung eigentlich die Rede sein kann. Aber glücklicherweise gibt es ja mitunter einige Szenen, in denen RoboCop bzw. Alex Murphy mal sein komplettes Gesicht zeigt. Und dort spielt Weller dann auch gleichermaßen überzeugend wie die übrigen Darsteller.
Natürlich verzichtet Verhoeven bei all dem nicht auf teils extreme Gewaltszenen. Diese können, speziell im Director’s Cut, im wahrsten Sinne des Wortes eine umwerfende Wirkung haben, aber wer von einem Paul-Verhoeven-Film etwas für Zartbesaitete erwartet, sollte sich ohnehin einer intensiven Nachschulung zum Thema „Filme und ihre Regisseure“ unterziehen. Bedingt durch die gesellschaftskritischen Elemente sowie den satirischen Charakter des Films erscheinen die zur Schau gestellten Brutalitäten ausserdem in einem anderen Licht, zumal sie genauso überzogen dargestellt werden wie alles in diesem Film. Und eins muss man Verhoeven lassen: Die technische Umsetzung sowie die optische Gestaltung, also die gesamte Inszenierung eines solchen Science-Fiction-Spektakels beherrscht derzeit kein Regisseur so wie er. Auch hier beweist er seine Professionalität mit hervorragenden, bewusst farblos gehaltenen Kulissen, exzellent ausgesuchten Schauplätzen und furiosen Actionsequenzen. Die eingesetzten Spezial-Effekte sind inzwischen längst veraltet, für damalige Verhältnisse aber erstklassig und von Verhoeven optimal genutzt. Über kleinere Pannen kann man dabei ohne Probleme hinwegsehen.
Fazit: Einer der besten Science-Fiction-Thriller aller Zeiten und natürlich der beste Teil der „RoboCop“-Trilogie.