„RoboCop“ ist der erste US-Film von Paul Verhoeven und irgendwie arbeitet der gute Mann am besten, wenn er von den US-Produzenten in die Schranken verwiesen wird.
Der Beginn ist eine Nachrichtensendung über das Leben im Detroit der Zukunft. Derartige Einspieler finden sich in „RoboCop“ zuhauf: Durch diese Art von Einblendungen nimmt Verhoeven zusammen mit seinen Drehbuchautoren die amerikanische Gesellschaft auf die Schippe; ein Anzeichen dafür, dass „RoboCop“ mehr ist als ein hirnloser Balleractioner, wie Kritiker Verhoevens Werk gerne vorwerfen.
Währenddessen meldet sich der Polizist Alex J. Murphy (Peter Weller) zum Dienst in seinem neuen Polizeirevier. Die Stimmung ist gedrückt, da die Kriminalität steigt, immer mehr Cops werden im Dienst getötet und die Polizei ist machtlos. Wieder mal ein sehr guter Einfall: Zusammen mit der Nachrichtensendung am Anfang setzt diese Szene schon mal das Szenario fest ohne dass „RoboCop“ überflüssige Erklärungen einbauen muss.
Im Hauptquartier der OCP, einen mächtigen Industriegiganten, stellt derweil Projektleiter Dick Jones (Ronny Cox) seine neueste Erfindung vor: Den ED-209. Der Kampfroboter soll die Polizei, die sich im Besitz der OCP befindet, bald ersetzen. Doch die Präsentation läuft schief, es gibt einen Toten und der aufstrebende Bob Morton (Miguel Ferrer) bietet dem Chef als Ersatz dem Konzernchef sein RoboCop-Projekt an. Obwohl Jones vor Wut schäumt, erhält Morton den Zuschlag. Das Ende der Präsentation hat Verhoeven unglaublich zynisch inszeniert (man beachte Jones' Kommentar direkt nach dem brutalen Todesfall), so dass die Szene über puren Story-Ingangsetzer hinausgeht.
Murphy und seine Kollegin Anne Lewis (Nancy Allen) verfolgen bei einem Einsatz den Gangster Clarence Boddicker (Kurtwood Smith). Doch sie geraten in eine Falle und Murphy wird auf brutalste Weise ermordet. Doch der OCP Konzern macht aus seinen Überresten den Superpolizisten RoboCop. Allerdings beginnt RoboCop sich an sein früheres Leben zu erinnern, angefacht durch weitere Zusammentreffen mit Clarence und seinen Mannen und den Gesprächen mit Anne, und startet einen Feldzug gegen Clarence.
Oberflächlich ist „RoboCop“ nur ein Sci-Fi-Kracher, doch darunter verbergen sich einige komplexere Aspekte. Zum einen der böse Zynismus, mit dem Verhoeven die Gesellschaft zeichnet. Immer wieder kommt er zum Vorschein (vor allem in den Nachrichteneinblendungen) und kann dem Zuschauer zumindest ein Lächeln entlocken.
Auch die Beschäftigung mit Murphys Emotionen gehen weiter, als man im ersten Moment denkt. Die Szene, in der RoboCop sein altes Heim besucht thematisiert das Leiden von RoboCop/Murphy sehr gut. So kommt auch die Psychologisierung des Helden nicht zu kurz.
Die Story ist recht gut erdacht. Auch wenn einige Aktionen des Helden den Film in Richtung Law & Order Spektakel abdriften zu lassen, kriegt das Drehbuch immer die Kurve, um den Film komplexer zu halten. So bietet das Script neben erwähnter Gesellschaftskritik auch einige überraschende Wendungen (z.B. die Idee seinen Helden recht früh niedermetzeln zu lassen war Anno 1987 revolutionär), Verschwörungstheorien und ein recht ordentliches Maß an Spannung (obwohl es etwas mehr sein könnte).
Auch in den Punkten Design und Effekte ist „RoboCop“ schlicht und einfach wegweisend für das Sci-Fi-Genre. Trotz der Budgetbeschränkungen können die Spezialeffekte noch heute überzeugen (z.B. die Animation des ED-29) und das Design des futuristischen Detroit hat auch in vielen anderen Sci-Fi-Filmen Eindruck hinterlassen. Das Ganze ist daher noch so beindruckend, da das Team eigentlich gar nicht soviel verändert hat am heutigen Look.
Einen Großteil seiner Qualitäten hat „RoboCop“ natürlich im Actionbereich: Einige Verfolgungsjagden, hervorragende Stunts und vor allem recht derbe Shoot-Outs machen den Film zu einem gefundenen Fressen für Actionfans. Die Stunts und Verfolgungsjagden kommen zwar nicht so oft vor, sind aber sehr gut und recht spektakulär inszeniert (vor allem wenn man das Alter des Films beachtet). Die Shoot-Outs bieten einen harten und aufwendigen Kugelhagel, an dem man lediglich die Unbeweglichkeit RoboCops ein wenig kritisieren kann (allerdings würde Akrobatik á la John Woo nicht zu „RoboCop“ passen).
Peter Weller ist ein ganz guter Schauspieler, aber meistens unter der Maske verborgen, so dass seine Leistung schwer zu beurteilen ist. Nancy Allen ist recht gut, im Gegensatz zu den meisten ihrer Auftritte in den De Palma Filmen (da schien sie Rollen nur bekommen zu haben, weil sie mit dem Regisseur verheiratet war). Wirklich klasse sind die Unsympathen, egal ob es sich um die karrieregeilen OCP-Mitarbeiter oder die durchgeknallten Gangster (allen voran Kurtwood Smith) handelt.
„RoboCop“ erweist sich als harter und richtungsweisender Sci-Fi-Kracher, der ein tolles Szenario, eine recht gute Story und knallharte Action bietet und nur kleinere Schwächen hat.