„Gewehre, Kanonen, Knarren!“
Paul Verhoevens („Total Recall – Die totale Erinnerung“, „Starship Troopers“) Big-Budget-US-Produktion „RoboCop“ aus dem Jahre 1987 ging mir als Kiddie, das sich Anfang der 1990er ein ordentliches Pensum an Actiongülle gab, irgendwie durch die Lappen und wurde von mir später, als mein präpubertäres Interesse an solchem Unfug längst überwunden war, fälschlicherweise dazu gezählt. Ein großer Irrtum, denn „RoboCop“ ist eine sarkastische Satire auf den US-amerikanischen Kapitalismus im dystopischen Sci-Fi-Action-Gewand und äußert überspitzt Kritik an der Allmacht von großen Konzernen, Korruption und Privatisierung staatlicher Aufgaben – in diesem Falle der Polizei. Allerdings handelt es sich mitnichten um eine Schenkelklopfer-Komödie, sondern – einigen tatsächlich komödiantischen Momentan zum Trotz – um ziemlich harte Actionkost inkl. ausgiebigen, blutigsten Erschießungen, Abtrennungen von Gliedmaßen etc., zumindest im ungeschnittenen Director’s Cut, den man insbesondere verstümmelten TV-Ausstrahlungen unbedingt vorziehen sollte, machen diese Szenen doch einen großen Teil des Unterhaltungsfaktors in einer ansonsten vermutlich bewusst als Stilelement eingesetzten, sehr glatten, blankpolierten Ausstattung aus. Ein weiterer Aspekt ist der der zunehmenden Technisierung der Gesellschaft: so wurde „RoboCop“ darauf programmiert, keine Irrtümer begehen zu können und ausschließlich das Gesetz zu vertreten. Dass es eine so einfache, maschinelle Unterscheidung in Gut und Böse nicht geben kann, die eine solche Programmierung ermöglichen würde, wird an dieser Stelle auch dem naivsten „Rambo 2“- und „Delta Force“-Konsumenten klar. Da es jedoch nicht gelungen ist, dem ehemals menschlichen, von Peter Weller verkörperten RoboCop sämtliche Erinnerungen und Gefühlsregungen auszulöschen, entwickelt sich der Modellversuch in eine andere Richtung als vom OCP-Konzern gewünscht…
Das Vertreten von zu Zeiten des Kalten Krieges in den USA sicherlich unpopulären Gedankenguts, sehr schwungvoll und leicht konsumierbar inszeniert und technisch absolut auf der Höhe der Zeit, wenn nicht sogar fortschrittlich, ergibt intelligentes Popcorn-Kino, dessen Botschaft ich aber keinesfalls als „versteckt“ oder „subtil“ bezeichnen würde, m.E. wäre „plakativ“ der treffendere Begriff. Wer jedoch den x-ten „Ein-Mann-Armee im-Kampf-für-das-Gute“-Selbstjustiz-Streifen erwartet hat, mag evtl. so empfunden haben.
Neben der grafisch expliziten Gewaltdarstellung sind es besonders die Spezialeffekte im Zusammenhang mit RoboCops Erscheinungsbild und dem Polizeiroboter „ED-209“, die das Auge des Betrachters erfreuen. Im Zeitalter nerviger, kalter CGI sind liebevoll umgesetzte Stop-Motion-Animationen eine willkommene Abwechslung. Das Tragen des Kostüms, das aus Peter Weller eine Art Cyborg bzw. ein Mensch/Maschine-Hybridwesen macht, soll mit großen Anstrengungen für den Schauspieler verbunden und ausschlaggebend dafür gewesen sein, keinen Muskelprotz à la Schwarzenegger für die Rolle zu besetzen, der aus „RoboCop“ einen plumpen Kampfklotz gemacht hätte. Von seiner futuristischen Wirkung jedenfalls hat es nichts eingebüßt und Peter Weller erfüllt seinen Part tadellos. Sein Gegenpart findet sich in Kurtwood Smith („Durchgeknallt“, „Die wilden Siebziger“), der den fiesen Clarence Boddicker, dessen Männer Murphy zu töten versuchten, spielt und sein unscheinbares Äußeres mit exorbitanter Kaltblütigkeit kompensiert. Nancy Allen („Das letzte Kommando“, „Carrie“) heftet sich als Officer Anne Lewis an RoboCops Seite und erfüllt die Rolle der toughen und doch sensiblen, einfühlsamen Frau akkurat.
„RoboCop“ ist ein in jedem Falle sehenswertes Stück Hollywood, dessen Mischung aus plakativer Satire, grafischer wie zum Teil auch psychischer Härte und komödiantischen Einlagen bestimmt nicht jedermanns Geschmack ist, aber eine willkommene Abweichung vom damaligen Action-Einheitsbrei darstellt. Ich persönlich mag es gemeinhin allerdings etwas stringenter und dafür intensiver. Dennoch, mein Fazit: „Das kauf ich für ’nen Dollar!“