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"Ein absolutes Wahnsinnsmaschinchen wirst du!"

In Detroit ist die Kriminalitätsrate drastisch angestiegen. Verbrechen stehen an der Tagesordnung und die Polizei ist nicht nur überfordert sondern auch durch Unterbezahlung kurz vor einem Streik. Zu dieser Zeit beginnt der Polizist Murphy (Peter Weller) seinen Dienst bei der Detroiter Polizei und hat es gleich zu Beginn mitsamt seiner Kollegin Lewis (Nancy Allen) mit der Verbrechermeute von Clarence Boddicker (Kurtwood Smith) zu tun. Während der geplanten Festnahme geraten die beiden aber in einen Hinterhalt und Murphy wird von der Gang brutalst erschossen.
Sein Tod kommt dem Konzern OCP sehr gelegen. Da der Test des von Richard "Dick" Jones (Ronny Cox) erdachten Waffendroiden ED-209 in einer Katastrophe endete, bekommt Robert "Bob" Morton (Miguel Ferrer) Zustimmung für sein Projekt "RoboCop". Dafür steckt er die Überreste von Murphy in eine stählerne Rüstung. Der daraus entstandene Polizeiroboter nimmt zunächst seine Arbeit reibungslos auf und bekämpft selbstständig verübte Verbrechen. Nach einer Weile kehrt allerdings Murphy's Erinnerung zurück, wodurch RoboCop schließlich an der ihm selbst verübten Ermordung ermittelt. Die Ermittlungen führen ihn zurück zum OCP Konzern.

"RoboCop" aus dem Jahre 1987 hat eine besondere Geschichte hinter sich. Nicht nur löste der Science-Fiction-Klassiker von Paul Verhoeven ("Starship Troopers", "Black Book") kontroverse Diskussionen über die Gewaltdarstellung in Filmen los. Auch die provokative Gesellschafts- und Medienkritik schmeckte nicht jedem. Dennoch zeigten Fortsetzungen, Serien und modernisierte Varianten die Popularität der verbrechensbekämpfenden Maschine mit Seele.

"RoboCop" erzählt eine Geschichte, die auf den ersten Blick obligatorisch erscheint, sich in seinen Details aber dennoch von ähnlichen Vertretern seiner Zeit hervorhebt. So wird beispielsweise viel Wert auf die Erinnerungen von Murphy gelegt, der in einer Szene sein ehemaliges Haus besucht und ihm dort immer wieder neue Erinnerungen seiner menschlichen Vergangenheit in den Kopf stoßen. Doch auch der amerikanischen Konsumgesellschaft gibt Verhoeven einen mit, indem er immer wieder, auf die damalige Zeit bezogen, überspitzte Nachrichten einspielt, die mit dem eigentlichen Thema nichts zu tun haben und auch die zahlreichen Werbespots sorgen für eine ironisch sarkastische Grundstimmung.

Bei seinen Figuren bleibt der Film oberflächlich. Die stereotypischen Charaktere passen allerdings sehr gut in das düstere, zynische Zukunftsbild von Detroit. Und durch die erbarmungslose Hinrichtung seines Protagonisten und dem folgenden Gerechtigkeitssinn des Roboter-Mensch Hybriden, sind Sympathie- und Empathiefiguren schnell etabliert.

Die explizite Gewaltdarstellung unterstreicht den kompromisslosen Ton des Films. In den sinnvoll verteilten Actionszenen hagelt es nicht nur massig blutige Einschüsse. Diverse Gewaltspitzen haben den Hang zum Splatter. So wird Murphy in einer quälend langen Sequenz Hand sowie Arm abgeschossen, von zahlreichen weiteren Kugeln getroffen und final in den Kopf geschossen. Eine zu Beginn auftretende Szene, in der eine Person einem ähnlichen Kugelhagel ausgesetzt ist, erläutert bereits, wohin die Reise geht.

Aus technischer Sicht ist "RoboCop" mittlerweile in die Jahre gekommen. Die harten Schnitte und Schauplatzwechsel bedürfen schnellem Umdenken. Besonders angestaubt wirken die Stop-Motion Animationen des ED-209 sowie einige mit Funken unterlegte Effekte bei Schießereien. Wobei auch diese einen ganz eigenen Charme haben. Der eingängige Soundtrack und die dynamische Kameraführung sind dafür zeitlos.

Peter Weller ("Leviathan", "Star Trek Into Darkness") funktioniert zunächst Dank seines charmanten Gesichts gut als Sympathiefigur. Später ahmt er mechanische Bewegungsabläufe eindrucksvoll nach.
Auch Nancy Allen ("Carrie - Des Satans jüngste Tochter") und Kurtwood Smith ("Rambo III", "Der Club der toten Dichter") bestechen mit einer guten Sichtbarkeit, während die weiteren handlungsrelevanten Darsteller etwas kurz kommen.

"RoboCop" macht mit seiner kompromisslosen, brutalen und düsteren Atmosphäre alles richtig und bringt nebenbei sogar noch tiefsinnige Themen mit sich. Die sozialkritischen Elemente machen die von Konsum und Gewalt gezeichnete Medienlandschaft sehr greifbar. Die Action ist stimmungsvoll, allerdings sind die Effekte mittlerweile veraltet. Weder von der Figurenzeichnung noch der Geschichte sollte man eine überdurchschnittliche Komplexität erwarten. Der Science-Fiction-Klassiker zeichnet sich stattdessen durch seine bedrohliche Atmosphäre ganz besonders aus. Knappe ...

9 / 10

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