Review

Part Cop, Part Maschine, Ganz Verhoeven

"RoboCop" von Paul Verhoeven ist weit mehr als nur der saftige Schlachtfetzen, zu dem ihn die Zensur jahrzentelang gemacht hat. Alex Murphys unfreiwillige Verwandlung in den verbrechensbekämpfenden Cyborg (und wieder einigermaßen zurück) ist einer von Verhoevens konzentriertesten und effektivsten Filmen. Kein Gramm Fett zu viel, Gewalt mit Hintergedanken, ein tragischer Held voller Tiefe und Trauer, eine dreckige Welt voller Unbehagen und Überwachung. Eine Dystopie, die noch immer Spaß macht, jedoch irgendwie von Jahr zu Jahr ungemütlich näher rückt...

Ich muss zugeben, ich mag die direkte Fortsetzung ebenfalls - doch Verhoevens Zukunftsvision bleibt das düstere Original. Ein Film, an dem man rein gar nichts ändern muss. Niemand auf der Welt konnte Actionkino und clevere Sozialsatire derart reue- und nahtlos miteinander kombinieren. Damals war das seiner zeit voraus und für viele too much - heute erkennt man das Genie dahinter immer und immer und immer mehr. Von "Total Recall" bis "Starship Troopers" - Verhoeven ist King und ihm sollte noch viel mehr Ehre zu Teil werden. "RoboCop" ist ein weiterer Edelstein in seiner Krone - mittlerweile vom Schmutz befreit und gefährlich geschliffen.

Doch was hebt "RoboCop" explizit über den durchschnittlichen 80er-Actioner und seine etlichen Kopien und Nachahmer? Zum einen wäre da der Verhoeven-Touch, von dem ich ja schon weiter oben schwärme. Detroit wirkt echt, Detroit wirkt nahbar, Detroit wirkt dunkel. Ein Ort, an den man eigentlich nicht kommen will. Zudem ist Murphys Werdegang eine tragische Kombination aus Frankenstein und Terminator - nachvollziehbar und emotional. Die Bösewichte agieren auf mehreren Ebenen, der Gewaltgrad dreht nie ab und die Atmosphäre der schleichenden Unterdrückung durch Megakonzerne lässt einen nicht los. Vor 30 Jahren noch eine nahezu unvorstellbare Dystopie. Heute pure Gänsehaut. Außen Actionhit, innen übler Beigeschmack.

Fazit: "RoboCop" funkioniert als Actionfest ebenso wie als Gesellschaftskritik und ist eines dieser Ausnahmewerke, an dem kein Moment falsch, überflüssig oder austauschbar erscheint. Der Perfektion sehr nahe. Blut trifft auf Stahl und einen Mittelfinger ans System und alle, die es kampflos hinnehmen. Es gibt nur einen Alex Murphy!

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