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Mit „RoboCop" schuf Paul Verhoeven einen ultrabrutalen Klassiker des 80er-Jahre-Action-Kinos, der mit seinen finsteren dystopischen Elementen einer in Gewalt versinkenden US-Großstadt und der heillos überforderten Polizei nicht nur Probleme der damaligen Zeit aufgriff, sondern in deren Potenzierung geradezu visionäre Kraft entwickelte. Auch die dubiose Rolle bedenkenloser Hightech-Konzerne wirkt hier überaus glaubhaft und beängstigend.

Die Story an sich ist dabei schnell erzählt: Nachdem der Cop Murphy (Peter Weller) von einer brutalen Gangsterbande grausam zugerichtet wurde, können Ärzte sein Leben retten - und verwandeln ihn mit Hilfe des Konzern OCP in einen Cyborg-Cop. Doch es dauert nicht lange, bis der RoboCop sich bruchstückhaft an das Leben und die Familie erinnert, die ihm genommen wurden - und zu einem gnadenlosen Rachefeldzug gegen die Gangsterbande aufbricht.

„RoboCop" sticht vor allem durch zwei Elemente hervor: zum einen die extreme Brutalität der Gewaltszenen, die ihm noch bis vor wenigen Jahren eine Indizierung in der Uncut-Fassung einbrachte. Hier werden Menschen nicht einfach nur erschossen, sondern von großkalibrigen Waffen geradezu zerfetzt. Ob die drastisch misslingende Vorführung eines bewaffneten Roboters, Murphys scheinbarer Tod oder der finale Kampf gegen die Gangster - hier spritzt literweise Blut und werden Körper heftig deformiert. Ein solcher Grad an Gewalt ist sonst eher in typischen 80er-Teenie-Slashern zu finden.

Andererseits wird diese überbordende Gewalt durch den satirischen Unterton des Films abgefedert. Auch wenn die in Gewalt und Anarchie versinkende Gesellschaft, die hier gezeigt wird, sehr düster wirkt, wird sie von der Story mit einem Hauch zynischen Humors unterlegt - etwa in den fiktiven Werbebreaks, in denen zum Beispiel das Familienspiel „Nukem" präsentiert wird, bei dem sich Familienmitglieder gegenseitig atomar bombardieren dürfen; oder in dem völligen Desinteresse, mit dem zwei Nachrichtensprecher Hiobsbotschaften aus aller Welt verkünden - drohende Atomkriege, versehentliche Laserstrahlenangriffe, bei denen ehemalige Präsidenten sterben, etc. Die emotionale Verrohung einer modernen Gesellschaft, die von tagtäglichen Nachrichten über Gewalt, Mord und Krieg längst abgestumpft ist, wird hier herrlich absurd vorgeführt.

Dieser Ansatz hebt „RoboCop" aus dem 80er-Genre-Einerlei heraus. Die Actionszenen wirken wuchtig und stark inszeniert, mit teils herrlich altmodisch wirkenden Spezialeffekten (etwa die Stop-Motion-Technik, mit der sich der Kampfroboter fortbewegt), die Oberflächenhandlung bleibt arg dünn, unglaubwürdig und vorhersehbar, und einige kleine Storyelemente werden schließlich im Action-Rausch einfach liegen gelassen - etwa das Schicksal der sympathischen Polizistin, die in „RoboCop" den ehemaligen Murphy wiedererkennt und ihm hilft. Und auch die emotionale Seite des tragischen Schicksals Murphys bleibt recht oberflächlich behandelt.

Solcherlei Schwächen werden aber von der überzeugend düsteren Inszenierung, die das Geschehen in starke, dreckig-graue Bilder in trostlosen Ruinen- und Industrielandschaften einfängt, dem satirisch-zynischen Unterton und packenden Action-Sequenzen übertüncht. Für Genre-Fans ist und bleibt „RoboCop" ein legendärer Klassiker - mittlerweile auch ungekürzt.

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