(Director's Cut)
In einem Detroit der damals nahen Zukunft ist die Polizei in der Hand des Konzerns OCP. Dieser verdingt sich in verschiedenen Sparten, die Exekutive hat es der Firma aber gerade angetan. Mit dem Kampfroboter ED-209 soll Ordnung auf die Straßen gebracht werden, auch im Hinblick auf das geplante Stadtprojekt „Delta City“. Doch eine Demonstration schlägt ziemlich fehl und so wird das RoboCop-Programm vorangetrieben. Eine Testperson ist bald gefunden, als Cop Alex Murphy tödlich verwundet wird.
Aber in dem von Paul Verhoeven inszenierten Sci-Fi-Actioner mit der für die 1980er Jahre typischen Härte geht natürlich nicht alles glatt, denn den nun zum Cyborg mutierten Murphy (Peter Weller) plagen Erinnerungen an sein früheres Leben. Bis dahin wohnt man aber erst einmal der Entstehung der bekannten Figur bei. Cop Murphy lernt man dabei nur kurz kennen. Für eine wirkliche Charakterisierung reicht das (noch) nicht, dennoch lässt seine brutale Hinrichtung durch diverse kriminelle Subjekte um Clarence Boddicker (Kurtwood Smith) einen nicht kalt. Die Entwicklung des Cyborg anschließend aus dessen Perspektive zu zeigen ist eine interessante Idee und schon bald geht es für den erschaffenen Cop auf die Straße, eine Montage einiger weniger Einsätze hakt das Thema dann auch schon ab. Da hätte es gerne ein paar Szenen mehr geben dürfen, aber das Skript will den Schwenk auf die Figur von Murphy vollziehen und so macht sich RoboCop bald auf die Suche nach den Typen, die sein früheres Ich auf dem Gewissen haben.
Die Figurenzeichnung ist dabei völlig ausreichend und früh nach der Transformation merkt man schon, dass da noch was von Murphy in der metallenen Hülle steckt. Zwar kümmert man sich zuerst mehr um die Etablierung des Cyborg, in diesem wird später dessen menschliche Seite jedoch weiter ausgeleuchtet. Der Film entwickelt so beide Teile der Figur und lässt diese irgendwann verschmelzen. Das Skript kümmert sich um diese Aspekte, was in einen Besuch in Murphys Vergangenheit mündet.
Ansonsten ist die Titelfigur eine Ein-Mann-Armee, wenn auch nicht unverwundbar und eben mit einem emotionalen Trauma ausgestattet, welches aber nicht plakativ nach außen getragen wird.
Auf dem Papier klingt das ganze Konstrukt nach heillosem Trash, aber Verhoeven hat es tatsächlich hinbekommen, daraus einen funktionierenden und ambivalenten Klassiker zu schaffen. Nicht nur wirkt der große Klotz wie eine Parodie auf das vorherrschende Muskelkino der 1980er Jahre, „RoboCop“ zeichnet auch ein wenig positives Bild dieser Dekade. Das merkt man natürlich direkt an den Schurken, dazu auch an den Konzernleuten von OCP, aber auch an der Gesellschaft und der Polizei. Diese kommt nicht unbedingt gut weg (die Namen sind teilweise Serienmördern entliehen) und auch die Titelfigur selbst ist kein Vorzeigebulle. Verhoeven wählte kein zu simples Schema, was das Werk etwas vielschichtiger macht, als man es auf den ersten Blick vermuten mag.
Peter Weller spielt in dem Anzug den Möglichkeiten nach ansprechend, seine Bewegungsabläufe wirken für die Erscheinung passend einstudiert und wie ein Gegenpol zu den gängigen Actionhelden dieser Zeit. Seine Partnerin Anne Lewis (Nancy Allen) dient hier und da als Plot-Anker, als Nebenrolle macht sie einen guten Job. Die weitere Besetzung kann mit einigen Namen glänzen, finden sich hier doch Ronny Cox, Miguel Ferrer oder Ray Wise wieder. Meist auf Seiten des Konzerns tätig porträtieren sie eine weitere Ebene und zeigen eine Kehrseite des Kapitalismus, dessen Macht und eben die Personen, die all das füttern. Berechnend und zynisch. Boddicker und seine Bande bieten noch schön fiese Handlanger für's Grobe. Insgesamt sind die Rollen gut verteilt und mit Leben gefüllt.
Solange es anhält. Denn Leben werden hier einige ausgelöscht und das mit sichtlichem Genuss an der Darstellung. „RoboCop“ hat einen ordentlichen Gewaltgrad und die Kamera hält dabei immer gerne drauf. Einschüsse sind immer blutig, zerfetzen Fleisch und selten bleibt es nur bei einem Treffer. Das Niveau ist gewollt überzogen und dabei handwerklich ebenso eindrucksvoll wie die Stunts und Explosionen. Sie wirken real und transportieren daher eine gewisse Wucht. Da schlägt das Actionherz höher. Matte Paintings und Stop-Motion wirken vielleicht etwas antiquiert, dennoch verfehlen sie ihre Wirkung nicht und bieten eine effektreiche Ergänzung.
Ebenso wie die musikalischen Untermalung. Bleibt auch überwiegend das heroische Hauptthema hängen, so erschuf Basil Poledouris einen Score, der das Geschehen passend untermalt.
Ein Punkt für sich sind die diversen Einspieler, mit denen Verhoevens schon in den Film einsteigt. Nachrichten, Werbespots oder eine dümmliche Comedy-Show zeigen den Zustand der Welt und der Gesellschaft. Das ist nicht nur Worldbuilding en passant, sondern transportiert auch Kritik an Gesellschaft und Obrigkeit, an Verrohung und Berieselung, an dem Verlust von Kontrolle und ebenso Freiheit. Und am Schluss steht die Erkenntnis, dass diese ganze organisierte und ausgeübte Gewalt sowie Law-and-Order-Politik und Freiheit von Wirtschaft und Kapital bis ins Überzeichnete keines der immer noch herrschenden Probleme löst. Der amerikanische Traum wird hier vorgeführt und lächerlich gemacht. Auf unterhaltsame Weise, denn „RoboCop“ kann genauso als reines Actionkino ohne diese Untertöne genossen werden. Da ist Verhoeven durchaus ein Balanceakt geglückt.
Will man was kritisieren, so bieten sich dennoch ein paar Punkte. Die animalischen Geräusche des ED-209 wirken befremdlich und man hätte hier und da durchaus noch etwas an der Erzählung feilen können, um noch etwas mehr Tiefgang zu generieren. Auch hält der Streifen sein zuerst vorgelegtes Tempo nicht konstant durch. Aber es sind letztlich nur kleine Kritikpunkte, die dem Streifen nicht ernsthaft schaden, denn das Interesse am Fortgang hält er immer aufrecht.
„Dead or alive, you're coming with me!“
In seiner knackigen Laufzeit von was über hundert Minuten (je nach Version) bietet Paul Verhoeven in seiner Geschichte um den Cyborg-Cop Action mit einigen Härten, eine ausreichende Figurenzeichnung und visuell ansprechende Stunts. Die Charaktere sind interessant genug und alles versprüht diese Rohheit des Kinos aus den 1980er Jahren. Selbst gesellschaftskritische Töne haben es in den Film aus der realen und fiktiven Reagan-Ära geschafft und trotz ein paar kleinerer Kritikpunkte ist „RoboCop“ immer noch ein ziemliches Brett.