Review

Von Neil Jordan ist man spätestens seit „INTERVIEW MIT EINEM VAMPIR" oder dem Oscar-gekrönten „THE CRYING GAME" anspruchsvolle, atmosphärisch dichte Genre-Unterhaltung gewohnt. Mit dem vorliegenden JENSEITS DER TRÄUME bricht er dieses erworbenem Gütesiegel und liefert stattdessen einen handelsüblichen Durchschnitts-Krimi ab, der sich aus den zahlreichen Genre-Veröffentlichungen nicht gerade durch Qualität hervorhebt.

Bei seinem Ausflug in das Mystery-Genre wird das harmonische Familienleben von Claire und Paul Cooper durch die Entführung ihrer Tochter empfindlich gestört.
Fortan wird Claire von morbiden Alpträumen heimgesucht, in denen der offensichtliche Mörder versucht einen Kontakt mit ihr herzustellen. Nach der Ermordung der Tochter sieht sie weitere Opfer in Ihren Visionen. Von Rachegedanken getrieben macht sie Jagd nach dem Mörder - aber die düsteren Gedanken bringen sie an den Rand des Wahnsinns...

Um es vorwegzunehmen: Der Streifen besticht vordergründig in visueller Art, die Optik ist teilweise geradezu umwerfend, ja sogar surreal - man wähnt sich bisweilen in den Welten eines H. P. Lovecraft wider zu finden. Besonders die Unterwasser-Szenarien der versunkenen Stadt sind phänomenal inszeniert. Das war's dann aber auch schon mit den Überraschungs-Effekten.

Die Geschichte wirkt mitunter zu konstruiert, die Handlungen der Charaktere nicht immer logisch und nachvollziehbar.
Während man den Schreikrämpfen und Heulszenarien einer bemühten Annette Benning folgt, bekommt man mehr und mehr den Eindruck einer lieblos heruntergekurbelten Produktion, deren Potential bereits im Keim erstickt.

Mysteriöse Botschaften und Symbolik, welche das Geheimnis des Verbrechens nach und nach an den Tag legen sollen, wirken aufgesetzt, die tiefenpsychologischen Handlungselemente
harmonieren nicht mit der 08/15-Story, so dass man sich trotz der nur knapp 90-minütigen Laufzeit von einer Traumsequenz zur nächsten quält.
Die Kombination aus Freud'scher Psycho-Analyse und Horror-Thriller kommt einfach nicht in die Gänge. Diesem Dilemma passen sich Aidan Quinn und Robert Downey Jr. mit ihrer schwachen Performance maßlos an.
Schade um die schönen Bilder und die aufwendige Produktion, für die das Special-Effects-Team mit großem Aufwand den 530.000 Hektoliter fassenden Wassertank aus „TITANIC" noch einmal aus den Requisiten zerrte, um die mystischen Bilder einer überfluteten Geisterstadt zu erzeugen und damit für die Höhepunkte einer ansonsten unausgegorenen Thriller-Mischung zu sorgen!

Obwohl in einigen Szenen (Nadel ins Auge, abgebissene Lippe) die „Gewalt-Schraube" angezogen wird, bleibt der Blutlevel auf unterem Niveau, kann aber gerade mal dafür sorgen, dass ich dem Einschlafen nahe wieder jenseits der Träume erwache und mich bis zum Ende des Streifens quäle.

Vielleicht waren meine Erwartungen zu hoch angesetzt. Aber wenn man als Regisseur bereits einige Meisterwerke der Filmgeschichte abgeliefert hat, kann man an dieser Stelle auch mehr erhoffen, als eine krude Aneinanderreihung Klischee beladener Effekte in einer durchschnittlichen Story, die zum Ende in einer drittklassigen Gruselmär endet.

(5 / 10)

Details
Ähnliche Filme