Die Malerin Claire Cooper hat seit einiger Zeit immer wiederkehrende Alpträume von einem Mann, der zusammen mit einem kleinen Mädchen durch einen Obst-Garten läuft. Als sie von einer Reihe von Serienmorden an kleinen Kindern erfährt, ist sie davon überzeugt, dass der Täter irgendwie Verbindung zu ihr aufgenommen hat und sich nun in ihre Träume einschleicht. Leider kann sie nicht verhindern, dass ihre eigene Tochter Rebecca ebenfalls dem Mörder zum Opfer fällt, worauf hin die Ehe mit ihrem Mann, dem Piloten Paul, zu zerbrechen droht. Als die Visionen und Tag-Träume nicht aufhören, überstellt dieser Claire in die Obhut des Psychiaters Dr. Silverman, weshalb sie sich nach einigen weiteren Anfällen auch schon bald in einer Gummi-Zelle wieder findet. Klar, dass weder ihr behandelnder Arzt noch das restliche Klinik-Personal die Geschichte vom Serienmörder, der sich in ihren Kopf geschlichen hat, besonders ernst nimmt. Dieser entpuppt sich schließlich als ehemaliger Anstalts-Insasse Vivian Thompson, den man als Kind in seinem evakuierten Heimat-Städtchen zum Sterben zurückgelassen hatte, welches in den 60ern für ein geplantes Staudamm-Projekt geflutet wurde... "Jenseits der Träume" ist nichts weiter als der auf ganzer Linie gescheiterte Versuch des in Hollywood ziemlich vor die Hunde gegangenen Neil Jordan, sich an den in Folge von "Das Schweigen der Lämmer" und "Sieben" grassierenden Mitt-90er-Serienkiller-Trend anzuhängen und diesen mit ein paar sachten übernatürlichen Anklängen zu versetzen, um zumindest ein Mindestmaß an Eigenständigkeit zu heucheln. Schade, denn im Endergebnis ist das Ganze doch glatt noch weitaus erbärmlicher geraten, als Jordans auf Hochglanz polierte Anne Rice-Adaption "Interview mit einem Vampir", die ja bereits kaum mehr als ein aufgeblasenes Star-Vehikel für das Gespann Cruise/Pitt gewesen ist... und beim Blick auf diesen äußerst jämmerlich zusammengeschusterten und dazu noch voller Logik-Fehler steckenden Psychic-Link-Thriller mag man zudem auch nicht glauben, dass derselbe Mann tatsächlich mal die superbe Horror-Poesie "Die Zeit der Wölfe" gemacht hat. Von der ehemaligen inszenatorischen Stärke des Regisseurs ist hier nämlich nichts mehr zu spüren, stattdessen hetzt Jordan das Publikum gleichsam seiner Protagonistin durch eine mittlerweile völlig abgegriffene Geschichte, die sich vorhersehbar an den etablierten Eckpunkten jener Serienkiller-schleicht-sich-in-Träume-Filmchen entlang hangelt, durch die man sich im B-Movie-Bereich ja schon gute anderthalb Dekaden lang zuvor quälen musste. Tödlich langweilig ist "Jenseits der Träume" darum auch geworden und fährt zudem auch genau jene Klischees und Versatzstücke dieses Sub-Genres auf, die man schon bei solchen Vertretern wie "Die Augen der Laura Mars" und "Fear - Todesangst" zu hassen gelernt hat... nur dass der vorliegende Streifen noch 'nen Zacken schlimmer geraten ist als diese, denn hier wurden eine Handvoll bekannter Schauspieler und ein übertriebenes Multi-Millionen-Dollar-Budget für ein Skript verbraten, das noch längst nicht filmreif gewesen ist und auch fast schon neue Maßstäbe in Sachen Idiotie und Unglaubwürdigkeit setzt. Okay, "Sieben"-Kameramann Darius Khondji, der ja den eigentümlichen Thriller-Look der 90er Jahre maßgeblich geprägt hatte, liefert einige hübsch anzusehende Bilder, das nützt allerdings auch nichts wenn die namhaften Darsteller einen ebenso verwirrten Eindruck machen wie der Zuschauer und deshalb völlig planlos durch den kopf- und arschlosen Plot wuseln. Leider geht einem Annette Bening ob ihres hysterischen Gekreisches schon nach kurzer Zeit extrem auf die Nüsse, Robert Downey Jr. wirkt so lustlos und ausgelaugt, als hätte er seine wenigen Szenen auf die Schnelle zwischen seinen Drogen-Entzügen abgedreht, und Jordan-Mainstay Stephen Rea darf sich in einem überflüssigen Nothing-Part als Psychiather verschwenden und seiner Vita halt eine weitere scheißige Nebenrolle hinzufügen. Auf seine geliebten Märchen-Motive wollte Jordan auch hier wohl nicht verzichten, weshalb man sich nicht nur durch eine Schulaufführung von "Schneewittchen" quälen muss, sondern auch versuchen darf, aus der bei jeder sich bietenden Gelegenheit in den Film gefriemelten, merkwürdigen Apfel-Symbolik schlau zu werden. Apfel-Bäume im Garten, Berge von Äpfeln im Versteck des Killers, Apfel-Kompott in der Spüle... ich weiß nicht, was soll es bedeuten? Einen jämmerlicheren Versuch aus einem Nahrungsmittel horribles Kapital zu schlagen gab’s wohl bislang noch nicht, denn da sind selbst die berüchtigten Killer-Tomaten im direkten Vergleich geradezu furchterregend und verstörend. Geschmacklos wirken in dem Zusammenhang nicht nur der komplette Story-Background mit den Serienmorden an Kindern, sondern vor allem die hinter den Taten stehende Motivation, die sich ganz "Psycho"-alike mal wieder (als hätte man’s nicht geahnt) in einem schlimmen Kindheits-Erlebnis mit der Mutter begründet. Wie originell. Die wenigen Traum-Sequenzen sind dann auch noch gänzlich unspektakulär geraten und schaffen es nicht wirklich, innerhalb dieses verworrenen Mischmaschs irgendwelche eigenen Akzente zu setzen. Ach ja, gekrönt wird der ganze Stuss von einer merkwürdigen Schluss-Pointe, die handlungsmäßig nur dann Sinn ergibt, wenn man davon ausgeht, dass Annette Benings Protagonistin hier in Wahrheit unter einer multiplen Persönlichkeitsstörung leidet und sämtliche Morde selbst begangen hat. Auf die Art würde sich dann aber zumindest erklären, wie Robert Downey Jr. sich hier nicht nur in ihre Träume einschleichen, sondern auch Kinder-Schaukeln per Gedankenkraft zum wippen bringen und per Telekinese Koffer-Radios einschalten kann... und außerdem auch, warum er hier mit dem bescheuerten Frauennamen Vivian gestraft ist. Nun ja, vielleicht ist er allerdings auch einfach nur bekloppt, dann wäre zumindest die von einer Sekunde zur nächsten verschwundene Platzwunde an Downeys Stirn in der allerletzten Szene kein krasser Anschluss-Fehler. Irgendeinen Hinweis im Vorfeld, dass diese Interpretation des Gezeigten so gewollt sein könnte, liefert dieser mit vielen peinlichen Freddy Krueger-Manierismen versetzte Kolportage-Streifen allerdings nicht... wie absolut frustrierend! So ist "Jenseits der Träume" trotz der auf dem Grund eines Sees versenkten Kleinstadt ergo nicht so tiefgründig, wie er es wohl gerne wäre, sondern einfach nur schlecht geschrieben und wieder mal ein valider Beleg dafür, wie wichtig ein in seinen Details fertig ausgearbeitetes Drehbuch doch für das Gelingen eines solchen Psycho-Thrillers ist.
3/10