Die vierköpfige afroamerikanische Familie Wilson möchte - wie schon öfter zuvor - ihren Urlaub in einem Ferienhaus an der kalifornischen Küste verbringen, als sie feststellen muß, daß sie offenbar Doppelgänger haben, die ihnen nachts recht unvermittelt auf die Pelle rücken. Ihre Spiegelbilder unterscheiden sich von den echten Wilsons nur durch rote Kleidung und eine große Schere, mit der sie ihre Opfer nach der geglückten Home-Invasion in Schach halten. Denen wiederum gelingt die Flucht, allerdings nur bis zum Ferienbungalow eines befreundeten Ehepaars, die ebenfalls gerade Besuch von ihren Doppelgängern in Rot bekommen, diesen jedoch nicht überlebt haben. Die einzig wirksame Strategie gegen diese plötzlich überall auftauchenden zombie-artigen Monster ist, diese selbst zu erledigen - unter der Führung von Mama Adelaide wehren sich die Wilsons also nach Kräften gegen ihre Verfolger in Rot...
Unter dem höchst einprägsamen(?) Titel Wir legt Regisseur Jordan Peele nach seinem 2017er Debut Get out einen weiteren Mystery/Horrorstreifen nach, doch auch diesmal vermag dieser trotz großem Hype in den sozialen Medien in punkto Story nicht zu überzeugen: Zu eindimensional entwickelt sich die Flucht der Wilsons, viel zu wenig Hintergrund gibt es zu den plötzlich auftretenden Invasoren, Wir handelt zum Großteil nur von der Verteidigung gegen die Doppelgänger, ohne eine wirkliche Lösung anzubieten. Die anfänglich aufgebaute Spannung über die Motive der Invasoren und die atemlose Flucht der verängstigten Familie weichen schnell einer gewissen Routine, wenn die gerade noch gejagten Wilsons nun selbst zu Killern werden und sich der Verfolger mit allerlei Hieb- und Stichwaffen zu entledigen versuchen.
(Ver)störend kommt hinzu, daß Papa Gabe, von der Statur her der stärkste Wilson, sich teilweise slapstickhaft dämlich anstellt, während seine Frau Adelaide sich als wahre Löwenmutter herausstellt - eine Entwicklung, die aus der Story heraus nur bedingt nachvollziehbar erscheint. Die Doppelgänger bleiben bis auf Grunz- und Brüll-Laute stumm, nur Adelaides roter Schatten würgt zeitweise mit geradezu lächerlich gutturaler Stimme ein paar erklärende Sätze heraus, die, wenn man sie akustisch überhaupt versteht, dem irritierten Zuschauer gerade soviel verraten, daß er nicht gleich abschaltet.
Bemerkenswert an Wir sind dagegen einige wenige Einstellungen der im Übrigen tadellosen Kameraarbeit, auf die besonderer Wert gelegt wurde: Der Aufenthaltsraum mit den vielen Hasenställen, die nach unten führende Rolltreppe aus dem Spiegelkabinett oder auch der lange Gang mit den herumlaufenden Kaninchen wissen durchaus Atmosphäre auf die Leinwand zu zaubern, leider sind sie nur Beiwerk in einer ansonsten völlig wirren Story, die sich verkaufsfördernd auch des alten HipHop-Charterfolgs I got five on it bedient - aber dieser Hit ist ebensowenig auf Jordan Peeles Mist gewachsen wie die vielen Filmzitate und Versatzstücke, aus denen das Drehbuch letztendlich zusammengeschustert ist. Weiteren Punktabzug gibt es für die unerwartet blutigen Kills, die jedoch nahezu sämtlichst im Off bzw. im Gegenschnitt stattfinden und den Härtegrad des Films auf "familienfreundlich" herunterschrauben.
Insgesamt bleibt von Peeles 2-Stunden-Werk nicht allzuviel hängen, eine ausgefeilte Kamerarbeit neben soliden darstellerischen Leistungen (hier besonders Lupita Nyong'o als Adelaide Wilson) vermögen nicht über eine unvollständige, konfuse Story hinwegzutäuschen, deren billiger Plot Twist auf den letzten Filmmetern nur den schwachen Gesamteindruck bestätigt. 3,49 Punkte.