In Jordan Peeles WIR geht es um die Familie Wilson, die einen scheinbar harmlosen Strandurlaub plant. Doch der Horror beginnt, als sie plötzlich von einer Gruppe mysteriöser Doppelgänger überfallen werden – exakte Kopien ihrer selbst, nur stumm, aggressiv und zutiefst verstörend. Diese sogenannten „Tethered“ lebten jahrzehntelang verborgen in unterirdischen Anlagen, geschaffen im Rahmen eines geheimen Experiments, das nie vollständig erklärt wird. Nun sind sie gekommen, um sich die Welt der Oberflächenmenschen zu nehmen – mit Gewalt.
Nach und nach entfaltet sich eine Geschichte, die versucht, gesellschaftliche Ungleichheit und Identitätsfragen zu thematisieren. Am Ende bildet sich eine groteske Menschenkette aus diesen Schattenwesen, die quer durchs Land führt – eine bizarre Referenz an Aktionen wie „Hands Across America“. Der Film gipfelt in der Enthüllung, dass die scheinbare Mutter der Familie in Wahrheit selbst ein Tethered ist – ausgetauscht in der Kindheit.
Kritik
Was nach einer spannenden Prämisse klingt, verliert sich schnell in einem konfusen Mix aus unklarer Mythologie, unausgereiften Ideen und massiven Logiklöchern. WIR ist ein Film, der viel behauptet, aber wenig erklärt. Warum leben die Tethered exakt synchron zu ihren Oberflächen-Gegenstücken – aber nur manchmal? Warum gibt es sie überhaupt in dieser Form? Wieso konnten sie jahrzehntelang überleben, ohne dass jemand etwas bemerkt hat? Und wieso beginnt ihre Rebellion just in diesem Moment?
Viele dieser Fragen bleiben unbeantwortet, was nicht automatisch schlecht wäre – wenn der Film wenigstens Hinweise geben würde. Stattdessen wird man als Zuschauer mit halbgaren Symbolen und Andeutungen abgespeist. Das Ganze wirkt wie eine riesige Metapher, deren Auflösung sich der Regisseur spart – vermutlich, weil es nie eine gab. Hinzu kommt der überflüssige Handlungsstrang mit der Menschenkette und allerlei esoterischem Unsinn, der keinerlei wirklich logische Einbettung findet.
Die Bedrohung wird zudem oft durch unnötigen Humor unterlaufen, der einfach nicht zum restlichen Ton passt. Der Film weiß nicht, ob er satirisch, psychologisch, surreal oder klassischer Horror sein will – und scheitert an allem gleichzeitig. Eine guter Remix des Songs “I Got 5 on It”, reicht eben nicht aus, um das ganze Konstrukt zu retten.
Lupita Nyong’o liefert zwar eine starke Doppelrolle ab, und auch der Rest des Casts macht seinen Job ordentlich. Die Produktion ist hochwertig, Kamera und Sounddesign stimmen. Doch das alles bringt nichts, wenn das Drehbuch ein einziges löchriges Chaos ist.
Fazit
WIR hätte ein intelligenter, vielschichtiger Horrorfilm sein können. Stattdessen ist er ein Paradebeispiel für einen Regisseur, der sich selbst überschätzt. Jordan Peele wirkt wie jemand, der sich für einen visionären Filmemacher hält, aber in Wahrheit vor allem oberflächliche Symbolik über substanzielle Erzählung stellt. Er hat spannende Ideen, aber kein Gespür dafür, sie kohärent und glaubwürdig umzusetzen.
Gerne hätte man dem Film mehr Punkte gegeben – doch die vielen offenen Fragen, die unsinnige Mythologie und der selbstverliebte Erzählstil lassen kaum Spielraum für Nachsicht. WIR ist mehr Schein als Sein – und Jordan Peele ist ganz sicher nicht der große Regisseur, für den er sich selbst hält.