Review

Rollende Spiegeltrugbilder

„Mio caro assassino“ aka „My Dear Killer“ ist ein recht straighter Krimi mit perverseren Gialloeinschlägen - konsequent, etwas müde. Zwei Morde (Bagger + Kreissäge) bleiben vollkommen im Gedächtnis und passen in ihrer Drastik kaum zum gräulich-kargen Restbild. Themen der Kindesentführung und Pädophilie sind ebenfalls hart zu schlucken. Insgesamt kommt man als Italo-Thriller-Fan schon auf seine Kosten. Wenn man jetzt nicht gerade einen Meilenstein erwartet. Valerii ist eben kein Argento oder Leone, obwohl er ein Jahr später mit „Mein Name ist Niemand“ einen Überhit landen sollte. Dennoch gelingen ihm hier 98 Minuten voller Mord, Ermittlungsarbeit und Wendungen - über einen enthaupteten Versichungsdetektiv, sich stapelnde Leichen und die Zusammenhänge zum bitteren Entführungsfall eines kleinen Mädchens…

Für mich wirkt „My Dear Killer“ näher an Thrillern der 90er (auch aus Hollywood) als an Giallos seiner Zeit. Was man positiv wie negativ sehen kann. Seine verschlungene Geschichte ist komplex genug um nicht langweilig zu werden, aber nie zu undurchsichtig um die Geduld oder Neugier zu verlieren. Ein paar atmosphärische Home Invasions gibt es, zwei All-Time-Morde wie gesagt auf jeden Fall auch. Der Morricone-Score zwischen Kinderlied und Trommelwirbel ist mindestens wirkungsvoll, eher superb. Und die Darsteller machen ihren Job, stechen nicht heraus. Die Auflösung ist verständlich und das Tempo wird nicht verschleppt, springt von einem Hinweis und Tatort zum nächsten. Was „My Dear Killer“ für mich wohl von der obersten Gialloklasse abhält sind seine wenigen Kniffe und Überraschungen - und das meine ich eher visuell, erzählerisch und auditiv. In diesen Bereichen wirkt Valeriis Krimi sehr zurückhaltend und einsteigerfreundlich, weder mutig noch kreativ. Und ein herausragender Giallo muss mich auch audiovisuell kitzeln, hypnotisieren oder gar umhauen - und „Mio caro assassino“ könnte davon kaum weiter entfernt sein! 

Fazit: zwischen Giallo, Krimi und Bürokratiebär… „My Dear Killer“ hat ein paar Killerattribute wie den schläfrig-schönen Morricone-Score und zumindest zwei äußerst kreativ-garstige Morde, die im Gedächtnis bleiben. Insgesamt sind die Ermittlungen des Kommissars allerdings etwas dröge und monoton. Dennoch solider Poliziottesco. 

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