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Verfilmung des sozialkritisch-melodramatischen, am Beginn des 20. Jahrhunderts angesiedelten Romans von Catherine Cookson: Die dramatische, von Standesunterschieden geprägte Liebe zwischen einer Lehrerin und einem jungen Mann aus dem Arbeiterviertel der nordenglischen Hafenstadt Tyneside.

15 Streets ist nicht nur ein Roman der britischen Autorin, die eher für die leichteren Romane mit historischem Hintergrund bekannt ist, sondern auch ein eher heruntergekommenes Arbeiterviertel in der nordenglischen Stadt Newcastle und spielt im beginnenden 20. Jahrhundert. Hier lebt die Hafenarbeiterfamilie O´Brien mit dem aggressiven Vater, den beiden älteren Brüdern Jack und Dominic und restlichen Kleinkids in einfachsten Verhältnissen einer Hütte, in der vermutlich selbst ein junger Chihuahua klaustrophobische Anwallungen bekäme. Zumindest das triste Kolorit ist sehr gelungen eingefangen, angefangen mit den einfachen Kleidungen, dem grauen Himmel und schäbigen Straßen bekommt man einen recht guten Eindruck der damaligen Arbeiterimpressionen.
Zu der netten Milieustudie kommt aber auch noch eine Love Story obendrauf. Als John die Lehrerin Mary seiner Schwester kennenlernt liegt instant Love in der Luft. Allerdings liegen zwischen den beiden nicht nur mehrere Gesellschaftsschichten, sondern auch die Ablehnung von Marys wohlsituierter Familie. Hier übertreibt es aber Frau Cookson doch ein wenig, denn es wird permanent immer weitere Dramatik eingestreut, das es dann irgendwann ein wenig unglaubwürdig wird. Mutter kurz vorm Tod, ein schrecklicher Bootsunfall, religiöse Differenzen und zwei streitende Brüder, irgendwann läuft das Glas über von Emotionen. Wenigstens der Liebeskitsch hält sich ein wenig in Grenzen und badet nicht endlos in Zuckerwatte.
Überzeugen können da die Darsteller, wobei man bei den Briten ja eigentlich immer Solides erwarten darf. Die Hauptcharaktere wirken sehr natürlich und auch sympathisch und zumindest mir gefällt es, wenn sich solche Geschichten im Dreck der Wirklichkeit abspielen und nicht im Märchenschloß hinter dem Feenwald. Allerdings dauert es mit knapp 1:45 Std. ein wenig lang bis man sich als einfaches Paar zusammenfindet. Bis dahin ist der gesprochene Slang eine echte Herausforderung, denn auf deutsch ist der Film meines Wissens nach noch nicht erschienen. Als rustikales Liebes- Milieudrama ist es durchaus brauchbar und ideal fürs Training der Tränendrüse, zumindest brauchbarer als die meisten RomCom Schnellproduktionen, die man sonst vorgesetzt bekommt.
6/10

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