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Als die „Cheng Lui Red Scarf“ Bande erst einen chinesischen Polizeioberst in Shenzhen malträtiert und tötet und anschliessend in Mongkok einen Raubüberfall begeht, beschliessen die jeweiligen Regierungen zusammenzuarbeiten. Zu dem Zweck wird Inspector Hung [ Anthony Wong ] nach China gesandt, um den dort leitenden Captain Wong Kun [ Wu Hsing Guo ] zu unterstützen.

Rock n' Roll Cop ist gleichzeitig der HK Abschiedsfilm des danach für The Big Hit nach Hollywood gelockten Kirk Wong und sein finaler Beitrag einer Reihe von True Crime Cop Movies, die reale Ereignisse allesamt in actionstarrende Krimis umwandelten. Auch hierbei befolgt man die Erfolgsformel der vorangegangen Episoden Crime Story [ DT: Hard to Die ] und Organized Crime & Triad Bureau, bricht das Realismus – Versprechen und lässt die durch den Krawall wenig dokumentarisch wirkenden Filme mit wenig Plotline, aber dafür mehr Bewegung und Gewalt einfach in seinem eigenen Antrieb laufen.
Gelang das bei dem Jackie Chan Werk noch ausgezeichnet, so bestand der Danny Lee Film nur aus einem einzigen grossen Set Up, der dann auch ohne wirklichen Aufbau, Abschluss und mittiger Höhepunkte fortschritt.
Rock n' Roll Cop funktioniert ähnlich und präsentiert sich ebenfalls als eine einzige Verfolgungsjagd, die Akt für Akt das gleiche Motiv nur in verschiedenen Situationen darstellt und so keine neue Konstellationen bereithält.
Auf erzählerischer Ebene ändert sich also nichts; was absehbare Folgen für den Spannungsbogen hat. In der Stringenz des Genreprogramms liegt auch die konstitutive Schwäche von Drehbuch und damit letztlich dem Film, dessen Umsetzung dann allein durch die formidable Rasanz und der ausgespielten harten Atmosphäre der Actionszenen punkten kann.

Gesetzt vor Übergabe der Souveränität Hongkongs an die VR China im Juli 1997 spielen natürlich auch politische Dimensionen eine Rolle im Kontext des Filmes, wobei überraschenderweise hierbei die Kantonesen weitaus schlechter dastehen als ihre kommunistischen Kollegen. Hung wird vor seiner persönlichen Übergabe exakt vorgewiesen, bestimmte Dinge zu unterlassen, die bei den Rotchinesen nicht gerne gesehen werden oder selber nicht getan werden dürfen. Zum Beispiel soll er sich vor den Prostituierten vorsehen, kein Englisch sprechen und auch sonst bloss seinen Job machen, den aber seine neuen Mitstreiter viel besser und effizienter vollziehen.
Ihre Technik ist fortgeschrittener und ihre Arbeitsweise und Bereitschaft ausgereifter; Hung kann anfangs nur mit erzählten Räuberpistolen mithalten, um sich dann auch schnell während der geplanten Festnahme der aufgespürten Bande als Geisel wieder zu finden.
Nachdem man auch deswegen die Gauner wieder verloren hat, versucht man über die jeweiligen Frauen zweier Gangmitglieder an die Bande heranzukommen, wobei die Sängerin Cindy Lam [ Jennifer Chan ] inhaftiert und die Hostess Hou-yee [ Carrie Ng ] beschattet wird. Diese soll ihrem Lover Shum Chi-hung [ Yu Rong Guang ] gefälschte Ausweise beschaffen und vorbeibringen, wobei die Polizeiaktion sowohl offiziell als auch im privaten Bereich ebenfalls durch die mangelnde Zusammenarbeit selber torpediert wird.
Die einzelnen Wong und Hung überschreiten deswegen auch mehrmals den Dienstweg, um ihre Ziele ohne den Umweg über politischen und diplomatischen Diskurs zu erreichen: Hung besorgt sich durchs Hacken von seiner eigentlichen Einheit gefakte und vorgehaltene Informationen; Wong stattdessen warnt Hou-yee, mit der er vor 10 Jahren zusammen war.

Dieser eigentlich doch emotionale Aspekt geht bei der Regie Kirk Wongs komplett verloren, der mit seinen Akteuren in ruhigeren Szenen wenig anzufangen weiss und vor allem nicht das Einfühlsvermögen für derartige Elemente aufweist. Deswegen entwickelt sich bei ihm auch fast nie ein dramatischer Faktor im ansonsten eh unterkühlten Kosmos von Cops VS Robbers, wodurch das gesamte Geschehen seltsam leblos und steril wirkt.
Darsteller Anthony Wong beschrieb den Film selber mit den Worten „no reason“ und trifft es damit auf den Punkt; viele Aktionen werden einfach ohne Erklärungen oder scheinbarer Intentionen vorgenommen, wodurch auch ihre gesetzten Figuren blass und rein der Aktion verbunden bleiben.
Auch die politischen Aussagen bleiben rein in der Story verankert, das Ende stimmt dann noch einmal leicht euphorisch auf 1997 ein.
Das Interessanteste am Film ist dann doch sein Tempo, die Intensität der gesamten Hetzjagd füllt und wertet den fragmentarischen Charakter auf; wenn der Film läuft, dann läuft er auch wirklich. Riesiges Polizeiaufgebot, stimmige Locations, übersichtliche Kameraführung und ein aufwühlender Soundtrack sorgen für eine rasante, gewalttätige Montage, die sich in mehreren Actionszenen entlädt, die dann auch wirklich keine Gefangenen machen.

Für sich selber sicherlich ein ordentlicher Film, als Abschiedswerk und angesichts der Möglichkeiten seines Regisseurs aber kein berauschender.

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