So ganz fertig bin ich mit den „okkulten Detektiven“ noch nicht, die den ebenfalls schon seligen „Mulder & Scully“ aus „The X-Files“ um mehr als ein Jahrzehnt im TV voraus gingen.
Die meisten kamen über den Piloten oder ein, zwei TV-Filme leider nicht heraus, heere Versuche, die aber keine Früchte trugen – kein Wunder, in der doch eher steifen Atmosphäre der 70er, als die neuen Strukturen des TVs sich gerade erst wieder neu formten.
Die eine Ausnahme im Körbchen ist und bleibt für Fans des Phantastischen Carl Kolchak, der noch nicht einmal Detektiv war, sondern Journalist, aber den Ermittler zwangsläufig immer wieder spielen musste, weil er ständig über das Übernatürliche stolperte.
Basierend auf einem noch gar nicht veröffentlichten Buch, wurde 1972 als „Movie of the Week“ eben „Kolchak: The Night Stalker“ von ABC veröffentlicht, in der Hauptrolle Darren McGavin, für den die Rolle Segen und Fluch zugleich werden sollte.
Der Erfolg war überwältigend – die höchste Einschaltquote überhaupt für einen Originalfilm eines Networks – und das provozierte dann später natürlich ein Sequel und später sogar noch eine TV-Serie.
Heute kann man sich den Straßenfeger von damals bequem bei YT anschauen und sich sicherlich ein wenig wundern, warum diese 76 Minuten offenbar halb Amerika vor den Bildschirm bannten.
Zum Inhalt: Carl Kolchak ist Journalist, nein, eigentlich Reporter, wie man ihn sich sonst immer vorgestellt hat. Ein wenig eigensinnig, ein wenig poltrig, mit der Schnauze vorneweg, gut im Herzen, aber schlecht in der Verbindung zur Obrigkeit. Ein unbequemer Charakter, der die Integrität der Presse und eine gute Geschichte über alle Bedenken stellt.
Der erzählt nun, aus der Abgeschiedenheit eines ranzigen Hotelzimmers, von dem „Night Stalker-Fall“, der eine Weile lang Las Vegas beschäftigt hatte – oder vielmehr nicht hatte. Eine Reihe von Frauenmorden, bei denen den Opfern das meiste Blut entzogen wurde, wurde innerhalb der Stadt begangen und natürlich (wer täte das nicht) ist der erste Gedanke, der einem durch den Kopf schießt: hier spielt jemand Vampir.
Genau das will die Öffentlichkeit samt aller Regierungsbehörden aber auf Teufel komm raus aus der Presse raushalten, bis der Täter (möglichst schnell ermittelt ist). Tatsächlich stöbert man den Mann schließlich auch auf, der jedoch bei seiner Flucht aus dem Krankenhaus, in dem er gerade Blut stahl, übermenschliche Kräfte entwickelt und ein riesiges Chaos veranstaltet.
Der Clou bei der Angelegenheit: es ist tatsächlich ein Vampir, nicht nur ein blutfixierter Irrer, der hier seine Opfer sucht.
Abseits davon ist der Film relativ unspektakulär, eher großes Schauspieleraufkommen (u.a. Claude Akins), welches Kolchaks Kampf gegen die Obrigkeit schildert, der damit endet, dass der Reporter selbst zum Pflock greifen muss und am Ende ausmanövriert wird, beruftlich wie privat.
Wer also seinen Vampirfilm liebt, der bekommt hier eine frisch modernisierte Version geboten, auch wenn der alte Reißzahn doch sehr klassisch Marke Dracula ausschaut – Van Helsing aber wird durch die Mühlen der Bürokratie geschreddert.
McGavin ist hervorragend als rumpeliger Wahrheitssucher, den irgendwie keiner leiden kann, weil er es mit der Wahrheit ein wenig zu genau nimmt und sein Kostüm aus Anzug und Porkpie-Hut wurde zu seinem Markenzeichen.
Der Ausstrahlung folgt ein schon bald hastig nachgedrehter Folgefilm namens „The Night Strangler“, nachdem es das TV-Movie in anderen Ländern sogar ins Kino geschafft hatte, bevor es zur unvermeidlichen TV-Serie kam, die zum Untergang gleich aus mehreren Gründen verteilt war – ein wesentlicher war allerdings, dass es sehr unwahrscheinlich war, dass ausgerechnet der Reporter immer auf die übernatürlichen Begebenheiten stieß.
Aus der heutigen Sicht war „Kolchak“ solide TV-Ware, etwa wie eine ordentliche Columbo-Folge, aber wenig mehr. Das ist aber kein Grund, den Film nicht als „gelungen“ zu betrachten, in einer Zeit, als Gruselunterhaltung im TV nur hier und da im seriellen Format untergebracht wurde. (6/10)