Reinhart 'Rayteam' Peschkes Aquanoids ließ mich etwa eine Viertelstunde lang rätseln. Diese Zeitspanne benötigte ich, um zu realisieren, ob dieser billigst produzierte, auf Videomaterial gedrehte Mumpitz ernst gemeint ist oder doch so etwas wie eine Komödie darstellen soll. Die hektisch geschnittene, völlig sinnfreie Szene, in der unsere hübsche Heldin Vanessa (Laura Nativo) dann auf ihrem schicken Elektro-Scooter durch die Stadt düst, hat mir schlußendlich die Augen geöffnet. Das Ding ist ein Spoof, definitiv. Was jedoch nichts daran ändert, daß es gleichzeitig auch ein Baddie ist, und was für einer! In der Baddie-Rangliste des Jahres 2003 mischt der mit Sicherheit ganz vorne mit, hat eventuell sogar Chancen auf den Sieg. Schauplatz des Geschehens ist eine kleine Insel vor der Küste Kaliforniens, wo man sich gerade auf die Feier zum vierten Juli vorbereitet. Doch just diesen schönen, sonnigen Tag haben sich die fiesen Aquanoids ausgesucht, um - von wo auch immer - zurückzukehren. Vor sechzehn Jahren haben die Halb-Mensch-Halb-Fisch-Wesen die idyllische Insel bereits einmal attackiert, doch der unschöne Vorfall wurde zusammen mit den siebzehn Leichen unter den Teppich gekehrt.
Meeresbiologin Vanessa war damals persönlich betroffen, war doch auch ihre Mutter unter den Opfern. Als sie nun beim Tauchen einen Aquanoid erspäht, fackelt sie nicht lange und macht sich auf, die Inselbewohner bzw. die Badegäste (viele sind es eh nicht) vor der Gefahr zu warnen. Bürgermeister Frank Walsh (Edwin Craig) und Investor Clint Jefferson (Ike Gingrich) zeigen sich darob wenig begeistert, denn die hören schon den Rubel rollen und können schlechte Publicity so nötig gebrauchen wie eine Nase im Arsch. Während die beiden also Spuren verwischen, Beweise vernichten und einen Plan aushecken, wie sie Vanessa am besten um die Ecke bringen können, nimmt diese mit ihrer Freundin Christina (Rhoda Jordan) und dem stadtbekannten Säufer Jackson (Laurence Hobbs) den Kampf gegen die Kreaturen aus dem Ozean auf. Aquanoids ist Reinhart Peschkes einzige Regiearbeit, und wenn man sich den Film zu Gemüte führt, wundert einen das überhaupt nicht. Was hier zelebriert wird, ist Quatsch zum Quadrat, bei dem die Augen zu tränen beginnen. Exemplarisch möchte ich die schier unfaßbare Szene hervorheben, in welcher ein Lakaie des Bürgermeisters Vanessa an den Kragen will.
Sie: Vanessa, auf einem Boot, nach Aquanoids Ausschau haltend, nichtsahnend
Er: Ein Polizist, vom Bürgermeister bestochen, auf eine günstige Gelegenheit wartend
Sie: Dreht ihm den Rücken zu, konzentrierter Blick auf die Wasseroberfläche
Er: Greift von hinten heimtückisch an, legt ihr seine Hände um den Hals und drückt zu
Sie: Schreit überrascht auf, packt seine Hände und befreit sich gekonnt aus dem Würgegriff
Er: Faßt in ihre schönen Haare und zerrt daran
Sie: Fährt ihm mit einem Finger ins Auge, tritt ihm danach gegen den Schädel
Er: Stürmt auf sie zu, grapscht mit beiden Händen ihre Titten und drückt sie
Sie: Quetscht ihm mit einer Hand fest die Hoden, bis Blut aus der Hose läuft
Er: Schreit und hält sich die malträtierten Weichteile
Sie: Tritt ihm in den Arsch, woraufhin er kopfüber über Bord geht (begleitet von einem herzhaften "Cocksucker" seitens Vanessas) und als Fischfutter endet
Aquanoids steht in der Tradition von Filmen wie Creature from the Black Lagoon (Der Schrecken vom Amazonas, 1954), L'isola degli uomini pesce (Insel der neuen Monster, 1979) und natürlich Humanoids from the Deep (Das Grauen aus der Tiefe, 1980) und ist gewissermaßen eine wilde Mixtur aus Rip-Off, Hommage und Parodie. Das klingt ja so schlecht nicht, doch scheitert es an der Umsetzung mit all ihren - teils gravierenden - Unzulänglichkeiten, wodurch das durchaus sympathische Ergebnis lediglich für Freunde des schlechten Films von Interesse sein dürfte. Das Beste am Streifen ist noch die ordentliche Kameraarbeit, für die Peschke selbst verantwortlich zeichnete. In diesem Bereich kennt er sich aus, war er doch Oberbeleuchter bzw. Lichttechniker bei einigen Filmen von Oliver Stone, wie z. B. Born on the Fourth of July, JFK oder Natural Born Killers. Weiters fand ich an den enthusiastischen Darbietungen der Cast viel Gefallen. Auch wenn es den Akteuren an Talent mangelt, den Vorwurf, daß sie nicht alles gegeben hätten, kann man ihnen kaum machen. Einige, wie der Leichenbeschauer, chargieren gnadenlos über, andere, wie Laura Nativo, leben ihre Rollen, ohne dabei auch nur ein bißchen glaubwürdig zu sein.
Dem gegenüber stehen der schauderhafte SOV-Billiglook, der planlos gesetzte Schnitt, die öde Musikberieselung, die ungelenk in Szene gesetzten Monsterattacken sowie die nicht vorhandene Dramaturgie. Aquanoids taumelt ziellos dahin, von einer Episode zur nächsten, ohne Spannungsbogen, ohne Gespür für Stimmung, ohne daß einen die Figuren auch nur im Geringsten interessieren, sind die doch allesamt bis zur Karikatur übersteigerte Stereotypen. Immerhin bedient Peschke die berühmten drei "B"s. Es gibt Blut (die paar Gore-Szenen sind billig aber saftig), Brüste (drei oder vier Paare) und Biester, in diesem Fall - bitte festhalten! - ganze zwei Stück Aquanoids. Da die beiden zusammen nie zu sehen sind, gab es wohl nur ein Monsterkostüm. Wobei "sehen" nicht das richtige Wort ist; man erhascht einige verwackelte Bilder des Dings, aber am Öftesten zeigt uns Peschke die Pranken der Kreatur. Pranken, die Beine aufkratzen. Pranken, die nach Opfer langen. Pranken, die feste zupacken. Egal, das zweifelhafte Highlight dieses eher lahmen, doofen, trashigen und/oder campigen Creature Features ist sowieso die geschmacklose Geburtsszene, abgerundet mit dem schönen Satz "Sorry, Baby, it was all for a good cause".