Die beiden Freundinnen Tilda (Sarah Hay) und Petula (Imogen Waterhouse) hocken in einer versifften Bude und rechnen sich gerade aus, was die rund um ein kleines Köfferchen drapierten Tabletten und Pillen ihnen wohl einbringen würden, als die Drogenfahndung unmißverständlich laut an die Tür klopft - zwar gelingt den beiden Twens gerade noch die Flucht über die Feuertreppe, den Stoff müssen sie allerdings zurücklassen. In akuter Geld- und Erklärungsnot gegenüber ihrem Dealer verfallen sie auf die Idee, eine Freundin aus alten Zeiten zu besuchen, von der sie sich eine größere Barschaft stehlen zu können erhoffen. Doch ganz so einfach gestaltet sich der erhoffte Raubzug nicht: Denn als sie mit dem Zug dort ankommen, müssen sie ein aus gemeinsamen Kindertagen bekanntes Rollenspiel übernehmen, um in deren splendides Herrenhaus überhaupt eingelassen zu werden. Denn Daphne (Madeline Brewer) hat ganz schwer einen an der Klatsche: Als Millionenerbin allein in dem großen Haus lebt sie seit Jahrzehnten in einer Traumwelt, in der das Mama/Tochter/Arzt-Spiel mit ihren früheren Freundinnen immer noch eine tragende Rolle spielt...
Eine recht unkonventionelle Geschichte um drei ehemalige Freundinnen präsentiert die aus Turin stammende US-Regisseurin Mitzi Peirone in ihrem Spielfilmdebut - zwei gemeingefährliche Egozentrikerinnen und eine Geistesgestörte treffen nach Jahren wieder aufeinander, und so verschieden auch ihre jeweilige Entwicklung verlief, so sehr eint sie das kindliche Rollenspiel: wie damals, als sie als vielleicht 5jährige in einem Baumhaus zusammensaßen besteht Daphne auch im Erwachsenenalter darauf, die strenge Mama zu spielen, während Tilda die Tochter darstellen und Petula als Arzt stets nach dem Rechten sehen muß. Die drei Grundregeln, die im Film auch eingeblendet werden, lauten: Jeder muß mitspielen, Fremde sind unerwünscht und keiner darf abhauen. Der erste Punkt gelingt einigermaßen, beim zweiten halten die drei erstaunlich zusammen (als sich ein Detective einmischt), gegen den dritten verstoßen die beiden Diebinnen allerdings mehrfach - denn eigentlich sind sie gekommen, um einen Safe zu finden und mit dessen Inhalt dann schnell stiften zu gehen.
Neben der merkwürdigen Story fällt vor allem eine kreative Kamerarbeit auf, die aus verschiedensten Winkeln filmt und auch mal auf dem Kopf steht, dazu mit diversen Farbfiltern arbeitet (um den Rausch der Trips einschmeissenden Tilda bildlich zu illustrieren) und dennoch stets auf den Punkt genau das trifft, was sie darzustellen beabsichtigt. Das ist dann allerdings vor allem in der zweiten Filmhälfte nicht mehr viel, denn die anfangs abgedreht (und damit interessant) anmutende Story driftet zusehends in Phantasiehandlungen und wenig ergiebige Dialoge ab, zudem springt das Drehbuch durch verschiedene Zeitebenen und wirbelt (zur Verwirrung des Zuschauers) einige Szenen durcheinander, sodaß man sich irgendwann gar nicht mehr auskennt. Ein paar eingestreute Gewalthandlungen (den beiden Diebinnen wird mit dem Baseballschläger eins übergezogen bzw. sie werden mit dem Skalpell im Gesicht verziert) bleiben unerklärlicherweise ohne Folgen, und das wenig dramatische Ende ergibt ebenfalls keinen Sinn und läßt offen, ob die beiden ihr Ziel erreicht haben oder fortan zu dritt im Landsitz wohnen bleiben. Weitere Logiklöcher wie jenes über die immer merkwürdig reich gedeckte Tafel und das stets saubere riesige Haus (obwohl Daphne ja alleine wohnt) genauso wie ein Ermittler, der ohne Verstärkung drei Leute festnehmen will, von denen er weiß daß sie gefährlich sind über die steckbrieflich gesuchten Dealerinnen, die nur einem Landstreicher auffallen bis hin zu einem abgesoffenen Polizeiwagen, der niemandem abgeht seien hier nur am Rande erwähnt, da es der Regisseurin ganz offensichtlich nicht um eine konsequent erzählte Story, sondern mehr um eine Aneinandereihung von Girlie-Gefühlsduseleien ging - die (nebenbei völlig sinnlose) Karaoke-Szene mit der mitgesungenen Oper als Rasur vor dem Spiegel spricht hier Bände.
Dramaturgisch gesehen entwickelt sich der Film also leider in die falsche Richtung, denn während man zu Beginn dank greller Figurenzeichnung (die rothaarige Tilda pöbelt im Zug Fahrgäste an und bestiehlt eine ältere Dame, während Hobby-Nutte Petula sich mit dem Schaffner, der sie schon von früher her kennt, für ausgehandelte 20 Minuten aufs Klo verzieht, um dort mit ihm die Schwarzfahrer-Strafe "abzuarbeiten") auf eine flotte Story hoffen durfte, entwickelt sich der Film zu einem bunten Sammelsurium typisch(?) weiblicher Psycho-Wehwehchen, die in diversen Szenen abgearbeitet werden. Seine Punkte verdient sich Braid (wie der Film im Original heißt) dann auch mehr durch seine wie erwähnt ungewöhnliche Optik, die zumindest eine zeitlang zu unterhalten vermag - die Story selbst versandet leider viel zu schnell. 4 Punkte.