Der Weg nach Hollywood, zum filmischen Erfolg ist voller Hindernisse und Überraschungen. "Auf der Suche nach Jimmy Hoyt" verdeutlicht das auf eigentümliche Weise. Sam Henry Kass, Regisseur und kreativer Kopf hinter dem Independent-Film, war jahrelang erfolgreicher Autor bei der erfolgreichen Comedyserie "Seinfeld", und wollte gerade mit diesem Werk seinen Weg ins Filmbusiness ebnen.
"Auf der Suche nach Jimmy Hoyt" spielt in Red Hook, Brooklyn. Wer hier lebt, hatte keinen großen Erfolg im Leben, noch die Aussicht auf solchen. Zumindest Les (Holt McCallany) scheint etwas aus sich gemacht zu haben, denn der Film setzt ein, als er nach Jahren Abwesenheit von dem zerfallenen Stadtviertel aus Kalifornien heimkehrt. Les war auf der Filmschule, und möchte nun in "Back to the Roots"-Attitüde seinen Dokumentarfilm über das Leben in den Armutsviertel Red Hook drehen. Allein seine alte Gang, ein wüster Haufen von "Originalen" ist Stoff genug für eine abendfüllenden Doku. Doch als das mysteriöse Verschwinden von dem "Jimmy von da drüben", dem einäugigen Jimmy, also Jimmy Hoyt, das Straßengespräch schlechthin wird, wittert Les die Chance, einen wirklich guten Film über die Suche nach dem Vermissten zu drehen.
Zur Seite stehen Les sein Kameramann, der locker einen Mr. Magoo-Lookalike-Contest gewinnen würde (Filmemacher Lodge Kerrigan), der kleine Joe Head (Michael Badalucco), dessen gigantischer Kopf schon etwas unförmig auf dem so unpassenden Körper sitzt, der notorische Autodieb Junior Junior (Nicholas Turturro), Jimmys Bruder Ed (Steve Buscemi), der sein Geld damit verdient, das er Fotos von seinen Kunden knipst, wie diese mit seinen lebensgroßen Pappaufstellern vermeintlich homosexueller Wrestlingstars posieren, der verwirrte Vietnamveteran Colonel Ron (Samuel L. Jackson), der zwar einen Vogel als Hut trägt, aber im Krieg sein Gemächt lassen musste und das Seventies-Überbleibsel Disco Bean (John Turturro), der in einer verlassenen Fabrik seine revolutionären Discoschritte übt.
Die Originaltagline deutet es schon an: "With this search team - pray you don't get lost". Der Reiz an "Auf der Suche nach Jimmy Hoyt" ist seine Überkultur an skurrilen Figürchen, die scheinbar improvisierte, episodenhafte Gags haben. Die Story an sich verläuft sich sehr oft in schräge Situationskomik, und scheint zu keiner Minute des ganzen Filmes wirklich vorangetrieben zu werden. Highlights des Films sind die Auftritte Samuel Jacksons, der als Vietnamvet-Penner mit losem Mundwerk eine ungewöhnliche Rolle einnimmt, während John Turturros Disco Bean wohl seine schrägste und zugleich lustigste Performance überhaupt ist. Und auch in Minirollen tummeln sich bekannte Gesichter: Anne Meara als besorgte Mutter, Pat McNamara als ihr Ehemann, dessen nervöse Reaktion auf all den Trubel durch seine Dauererektion zum Ausdruck gebracht wird, Tony Sirico als Mafiaboss "Die Schlange", und schließlich Sam Rockwell als Jimmy selbst.
Das Ende ist typisch für den Film. Unerwartet, kurios, irgendwie unpassend, aber trotzdem komisch. Es liegt weniger an den tatsächlichen Witzen, an der unspektakulären Kamera, an der billigen Synthesizer-Musik, sondern an den sympathisch-vertrackten Figuren aus dem Viertel Red Hook. Und so kann man auch über all die Unfeinheiten betreffend der holprigen Erzählweise und des aufgesetzten Endes getrost übersehen, wenn man dafür Disco Bean präsentiert bekommt.
"Auf der Suche nach Jimmy Hoyt" ist ein Kuriosum. Kurz, sprunghaft, mit Formfehlern übersät, aber immer unterhaltsam. Wenn man bedenkt, dass Herr Kass vor diesem Regiedebüt nur in "Seinfeld" eingesetzt wurde, kann man es verstehen, warum er hier so mit Improvisationen und Unkonventionalitäten herumexperimentiert, und dem ganzen die gewisse Reife fehlt. Dennoch, ein Independent-Kleinod, ein Highlight für Freunde des ungewöhnlichen Kinos.