Knapp vorbei. Ein Film, der mich so von der visuellen Seite (Kamera, visuelle Ideen, Effekte, Schnitt, Color Grading) begeistert hat, der passende, tolle Darsteller hatte, die (bis auf den Erzähler, bei dem es aber okay ist) nicht künstlich wirkten und vernünftige Dialoge sprechen durften — und trotzdem nicht die Höchstnote erreichen kann.
Nein, es liegt nicht daran, dass es ein Amelie-Klon ist, wie manche Leute behaupten. Man kann nur sagen, dass sie entweder diesen Film oder Amelie abgesehen von Standbildern noch nie gesehen haben. Ja, sie teilen sich irgendwie einen visuellen Kosmos, den Amelie nun auch nicht für sich gepachtet hat, aber es sind verschiedene Welten, verschiedene Geschichten, Effekte und Tonalitäten.
Trotzdem zeigt der Vergleich mit Amelie gerade im letzten Punkt (m)ein Problem von Cleo. Auch Amelie hat dramatische Momente wie den Tod der Mutter und das Aufwachsen nur mit dem Vater. Aber wie die Tode und die daraus entstehenden emotionalen Einschläge und Implikationen in Cleo dargestellt werden, passen nicht zur witzigen Verdrehtheit vom Rest des Films. Amelie hat dafür eine zum Film deutlich passendere Tonart (und auch weniger Todesfälle) gewählt. Diese Unbequemlichkeit, die bei Cleo entsteht, wäre verzichtbar gewesen, ohne etwas vom Film zu nehmen. Sie hätte aber die Zuschauer weniger vor den Kopf gestoßen und einem mehr im Film schwelgen lassen.
Trotz der Buntheit, des Esprits, der kleinen Liebeserklärung an Berlin und des Funs ist es so für mich ganz sicher kein Film für Kinder, wie manche Kommentatoren vorschlugen, sondern ein kleines Märchen für Erwachsene. Die Implikation, dass sich die Frau schuldig am Tod beider Elternteile fühlen muss, ist zu heftig.
Die meisten Ideen dieses Films konnte man (wie auch die Hauptdarstellerin) schon in Erik Schmitts Kurzfilm „Nashorn im Galopp“ sehen. Da die Ideen selbst so fantastisch, frisch und toll waren, kann ich es gut verstehen, dass er sie in einen Langfilm gepackt hat, als sich die Chance bot. Das Problem ist nur, dass die Tonalität im Kurzfilm deutlich besser passte, dessen männlicher Hauptdarsteller allerdings nicht auf dem Level von dem aus Cleo war.
Trotz allem ist der Film nicht schlecht — ganz im Gegenteil. Nur mit einer durchgehenden Tonalität wäre er nahezu perfekt gewesen. Es ist auf jeden Fall extrem schade, dass es nicht wirklich viel mehr Langwerke von Schmitt gibt.