Review

Nachdem das Debüt des österreichischen Regieduos Severin Fiala und Veronika Franz „Ich seh, ich seh“ auf weitgehend positive Resonanz stieß, legen sie mit ihrem zweiten Werk auf ähnliche Weise nach, während andere Motive deutlich „Hereditary“ entnommen scheinen.
Leider auch dessen überaus gemächliche Erzählweise.

Um eine Annäherung seiner beiden Kinder Aiden (Jaeden Martell) und Mia (Lia McHugh) mit seiner Verlobten Grace (Riley Keough) zu fördern, geht es für Familienvater Richard (Richard Armitage) in eine einsam gelegene Hütte im Schnee. Doch als Richard noch einmal für zwei Tage weg muss und die drei auf sich allein gestellt sind, ereignen sich merkwürdige Begebenheiten, die gegenseitiges Misstrauen schüren…

Abgesehen von einer unvermittelt eintretenden Szene innerhalb der ersten Minuten, ereignet sich rund 50 Minuten nicht wirklich viel. Diverse Vorurteile gegenüber der Stiefmutter in spe werden durch ihre zweifelhafte Vergangenheit in einer Selbstmordsekte untermauert, während Grace auch nicht übermäßig bemüht wirkt, um ein geschmeidiges Miteinander zu erzeugen. Ergo ist die Grundstimmung unterkühlt, passend zum äußeren Ambiente mit Schneesturm, Isolation und ausbleibenden Inputs.

Geringfügig interessanter wird es, als Strom und Wasserzufuhr ausfallen und die wenigen Vorräte knapp werden. Zudem scheint jemand schlafzuwandeln oder zumindest ein paar eisige Vorahnungen auszubrüten, was im Zusammenhang mit einigen religiösen Symbolen ein wenig klischeehaft ausfällt. Ferner verliert man im Verlauf ein wenig den Bezug zu den Individuen, da ein Miteinander kaum gegeben ist, die Dialoge immer seltener werden und phasenweise ein paar Realitätsverschiebungen zuviel im Raum stehen. Demgegenüber fällt ein Twist kurz vorm eigentlichen Finale erahnbar aus, die letzten Minuten haben es indes in sich.

Auf darstellerischer Ebene überzeugen vor allem die Jungmimen mit bodenständigem Spiel, während Riley Keough die ideale Besetzung für eine traumatisierte Frau verkörpert, zumal die schwankende Mimik zwischen Unsicherheit, gedanklicher Abwesenheit und kurzer Entschlossenheit für die unberechenbare Komponente sorgt. Der weitgehend zurückhaltende Score vermag ebenfalls Akzente zu setzen und auch die insgesamt recht versierte Kamera ist um einige ausgefallene Perspektiven bemüht.

Atmosphärische Dichte und zwischenmenschliche Boshaftigkeiten sind auch beim zweiten Spielfilm des Regieduos bewährte Zutaten, die gelegentlich kleine Glanzpunkte setzen. Die deutlich zu ruhige Erzählweise innerhalb eines überschaubaren Gefüges strapaziert hingegen die Geduld in der ersten Hälfte, während die zweite mit kleinen Wendungen zu punkten vermag. Ein stimmungsvolles Kammerspiel, dem es insgesamt an Abwechslung und dramaturgischen Spitzen mangelt.
6 von 10

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