Er wuchs in New Jersey auf, streunte dort als Kind gerne alleine durch die Pine Barrens und gewährte seiner schrägen Phantasie freien Auslauf. Was lag also näher, einen Horrorfilm in dieser Gegend anzusiedeln und gleich mit der lokalen Legende um den Jersey Devil (*) zu verknüpfen?
Satan's Playground ist Dante Tomasellis bis dato gefälligster Film. Aber Tomaselli wäre nicht Tomaselli, würde er nicht diverse Elemente, Figuren und Storytwists einbauen, um den unbedarften Mainstreamfilmfan verständnislos aus der Wäsche gucken zu lassen. Wenn man sich die Besetzungsliste ansieht, bekommt man schon eine leichte Ahnung davon, welchen Filmen Tomaselli mit Satan's Playground Tribut zollt. Dem Regisseur gelang es tatsächlich, Ellen Sandweiss für den Film zu gewinnen. Jene Ellen Sandweiss, die mehr als zwanzig Jahre zuvor als Cheryl in Sam Raimis Kultklassiker The Evil Dead (1981) Horrorfilmgeschichte schrieb. Satan's Playground ist ihr erster Auftritt vor der Kamera seit diesem fulminanten Kracher. Ebenfalls mit von der Partie ist Edwin Neal, der berüchtigte "Hitchhiker" in Tobe Hoopers Terror-Tour-de-Force The Texas Chainsaw Massacre (1974). Und die Einflüsse dieser beiden Genremeilensteine sind nicht zu übersehen, sowohl in Bezug auf die Geschichte, als auch hinsichtlich der Umsetzung (so tobt die entfesselte Kamera beispielsweise durch den Wald, den Blickwinkel der dämonischen Kraft simulierend).
Die Story dreht sich um einen Familienausflug, der zum schrecklichen Desaster gerät. Im geräumigen Wagen, der nach einer Panne auf einer alten, schlaglochgespickten Straße mitten in den Pine Barrens hängen bleibt, sitzen Donna Bruno (Felissa Rose, die Angela aus dem ersten Sleepaway Camp), ihr mürrischer Mann Frank (Salvatore Paul Piro), ihr autistischer Sohn Sean (Danny Lopes), sowie ihre geschiedene Schwester Paula (Ellen Sandweiss) samt Baby. Auf der Suche nach Hilfe landen alle nach und nach im alten, abgelegenen Holzhaus der Handleserin Mrs. Leeds (Irma St. Paule), die dort mit ihrer taubstummen Tochter Judy (Christie Sanford) und ihrem debilen Sohn (Edwin Neal) haust. Und dann ist da noch der Jersey Devil, ein fliegendes Ungetüm mit rasiermesserscharfen Krallen, der die Pine Barrens als seinen ganz persönlichen Spielplatz nutzt.
"Did you know I have thirteen children? Yep, and all of them turned out bad." meint die alte Mrs. Leeds an einer Stelle, und wenn man sich ihre noch lebenden Sprößlinge so ansieht, muß man ihrer nüchternen Einschätzung leider beipflichten. Wobei man sie selbst - nach eigenen Angaben zählt die Hexe stolze 96 Lenze - inkludieren muß, verbirgt sich hinter der harmlos scheinenden Großmütterchen-Fassade doch ein teuflisches Monster. Ihr Sohn ist ein pillensüchtiger, unberechenbarer Freak, und ihre Tochter scheint auf der Stufe eines Kleinkindes stecken geblieben zu sein und spielt gerne mit einem Hammer. Auf den ersten Blick könnte man Satan's Playground für einen zwar etwas schrägen, im Grunde aber doch relativ "normalen" Hinterwäldlerhorrorfilm halten. Allerdings scheint Tomaselli von Beginn weg eine diebische Freude daran zu haben, die Publikumserwartungen mehr oder weniger geschickt zu unterlaufen. So bekommt man, nur als Beispiel, das Monster niemals zu Gesicht, kann also nur vermuten, wie der Jersey Devil aussieht, und mit Folter- und Splatterszenen hält sich der Regisseur ebenfalls - mit einer Ausnahme - vornehm zurück.
Und dann kommt da noch das übernatürliche Element dazu. Abgesehen von der Frage, ob Mrs. Leeds real existiert oder bloß ihr ruheloser Geist für Schrecken sorgt, treiben in der Gegend auch noch geisterhafte Satanisten ihr Unwesen, und einmal tut sich sogar der Boden auf, um einen unglückseligen Menschen zu verschlingen. Einmal mehr gelingt es Tomaselli, wie schon bei Desecration und Horror, das unheimliche Szenario mit einer dichten, unwirklichen, märchenhaften Atmosphäre zu durchsetzen, sodaß man manchmal das Gefühl hat, sich in einem gräßlichen Alptraum zu befinden. Ein Alptraum jedoch, aus dem es kein Erwachen gibt. Neben der spektakulären Besetzung erweist sich das Waldgebiet der Pine Barrens als würdiger Co-Star, entströmt dem Wald doch eine ungemütliche, bedrohliche Stimmung, die bisweilen frösteln läßt.
Satan's Playground war nach 25 Drehtagen (gedreht wurde der Film bereits 2004) im Kasten und verschlang eine schlappe halbe Million Dollar. Trotz der Anleihen bei den oben erwähnten Klassikern ist der Streifen weit mehr als ein bloßer Abklatsch. Somit ist auch Dante Tomasellis dritter Spielfilm ein insgesamt sehr gelungener Schocker, der nicht nur gut unterhält, gut aussieht und ungemein stimmungsvoll ist, sondern auch eine ganz eigene Duftnote verströmt, die ihn von ähnlich gelagerten Filmen deutlich abhebt. Diesen etwas eigenwilligen Geruch wird bestimmt nicht jeder mögen, aber wem der Duft zusagt, der wird reich belohnt.
Nach Satan's Playground nahm Tomaselli sein nächstes, ehrgeiziges Projekt in Angriff: The Ocean. Doch die Produktion fiel (vorerst) leider ins Wasser, da die adäquate Umsetzung der ambitionierten Geschichte mit dem vorhandenen Budget nicht möglich war. Und so dauerte es ganze sechs Jahre, bis 2012 mit Torture Chamber endlich der neue Tomaselli erschien.
(*) Die Legende besagt, daß der Jersey Devil das dreizehnte Kind einer gewissen Mrs. Leeds war, die Mitte des 18. Jahrhunderts in einer Blockhütte in den Pine Barrens lebte. Die Frau soll über diese Schwangerschaft nicht sehr erfreut gewesen sein, und so ließ sie sich angeblich zu folgender Aussage hinreißen: "I am tired of children! Let it be a devil!" Und so geschah es. Das Kind entpuppte sich als teuflische Kreatur, die nach der Geburt durch den Kamin floh und seitdem im Süden des amerikanischen Bundesstaates ihr Unwesen treibt. (Quelle: Wikipedia)