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Als das Gangsterpärchen Bonnie und Clyde Anfang der 1930er Jahre durch den Mittleren Westen der USA zieht und bei ihren Überfällen  hauptsächlich Polizisten ermordet, begründen sie damit nicht nur ihren eigenen Mythos, der ihnen bei weiten Teilen der von der Wirtschaftskrise schwer getroffenen Bevölkerung große Sympathien einbringt, sondern zwingen auch die Gesetzeshüter zu einer schärferen Gangart. Doch sämtliche Fahndungen mit einem Großaufgebot an Polizisten wie auch der Einsatz moderner kriminalistischer Methoden wie der Spurensicherung (die damals noch in den Kinderschuhen steckte) oder dem Abhören von Telefongesprächen brachte zunächst keinen Erfolg. Als Bonnie und Clyde im Frühjahr 1934 ein texanisches Gefängniscamp überfallen und einigen Sträflingen zur Flucht verhelfen, sieht sich Gouverneurin Miriam A. Ferguson (Kathy Bates) genötigt, zusätzlich zwei im Ruhestand befindliche ehemalige Texas Ranger auf das Pärchen anzusetzen. Obwohl sie diesen Schritt gerne vermieden hätte (die Texas Ranger bezeichnet sie als "schießwütige Cowboys") bleibt ihr angesichts des bisherigen Fahndungs-Mißerfolgs keine große Wahl.
Doch die beiden Pensionisten müssen erst einmal für diese Aufgabe gewonnen werden, denn eigentlich haben Frank Hamer (Kevin Costner) und Maney Gault (Woody Harrelson) mit ihrer früheren Tätigkeit abgeschlossen und wollen ihren verdienten Ruhestand genießen. Der als Erster angesprochene Hamer, dessen Frau sich gerade ein brandneues Ford-Automobil geleistet hatte, ist daher auch nicht sonderlich erbaut von dem Vorschlag, für 150 Dollar Monatssalär ein schießwütiges Duo samt Helfern zur Strecke zu bringen, und als er dann heimlich seine Schießkünste auf einer Weide testet, stellt er fest, daß seine Treffsicherheit stark nachgelassen hat. Nicht viel besser dran ist sein ehemaliger Partner Maney Gault, der bei seiner Tochter lebt, ein wenig im Haushalt hilft und sich darüber hinaus völlig nutzlos fühlt. Mit "dem Gang eines 85-jährigen" (so die Einschätzung von Hamer) scheint er der gefährlichen Aufgabe erst recht nicht gewachsen. Dann aber raufen sich die beiden ex-Ranger doch zusammen und nehmen - gegen diverse Widerstände auch in den eigenen Reihen - die Spur der Gangster auf...

Ein weiterer Film über den Mythos Bonnie und Clyde käme wohl dem bekannten "Eulen nach Athen tragen" gleich, stattdessen widmet sich Regisseur John Lee Hancock (Blind Side – Die große Chance) in seinem The Highwaymen betitelten Krimi nach wahren Begebenheiten jenen Gesetzeshütern, die dem berühmten Pärchen dann letztendlich den Garaus machten. Daß im prominent besetzten Cast mit Woody Harrelson auch jener Darsteller eine Cop-Hauptrolle übernahm, der in Oliver Stones Natural Born Killers (1984) als Mickey Knox den Part des Clyde gespielt hatte, entbehrt natürlich nicht einer gewissen Ironie - hier jedoch gibt er einen gealterten, schon etwas wunderlichen ex-Cop, dessen Skills vor allem auf der rhetorischen Ebene liegen und dem es gelingt, nach vielen Jahren Ruhestand mit seinem ex-Partner Hamer wieder ein kongeniales Duo zu bilden.

Denn tatsächlich geht es in The Highwaymen nur am Rande um das berühmte Gangsterpärchen (das fast gar keine Screentime hat und erst gegen Ende des Films, im Augenblick ihres Todes, erstmals bildfüllend gezeigt wird), vielmehr ist es ein Film über zwei alte Männer mit ihren Marotten, die sich im Herbst ihres Lebens noch einmal einer wenig prestigeträchtigen Herausforderung stellen und diese unter Einsatz von Herz und Verstand mit Bravour meistern.
Während Kostner den alten Haudegen Hamer als mittlerweile geläuterten, ehemals scharfen Hund mimt, der manche Neuerungen zwar nicht begrüßt, aber immerhin zur Kenntnis nimmt (wie ein Autoradio oder die Spurensicherung mittels Fingerabdrücken) und sich ansonsten mit der Unabwendbarkeit gewisser Dinge abgefunden hat (wozu auch seine dominant auftretende, jüngere Ehefrau gehört), spielt Harrison dessen hart an der Grenze zur Senilität agierenden Sidekick, der zwar ständig pinkeln muß (was sich zum Running Gag entwickelt), dessen Einfühlungsvermögen (z.B. als vermeintlicher Priester einen Sheriff auf dessen Bestechlichkeit zu prüfen) sich für die Ermittlungen jedoch als unersetzlich herausstellt.

Zwar spart das Drehbuch die Realität nicht aus (der von vielen als überzogen wahrgenommene tödliche Kugelhagel auf das Auto des Gangsterpärchens wird genauso gezeigt wie eine euphorisierte Menge, die beim Abschleppen des durchlöcherten Fahrzeugs an den Leichen zerrt, um ein [Kleidungs-]Stück ihrer fragwürdigen Idole zu ergattern), dennoch dient diese historisch belegte Gangsterjagd nur als Rahmenhandlung für ein liebenswertes Porträt zweier älterer Gesetzeshüter, die ohne allzuviel Action und frei von Pathos am Ende als bescheidene Sieger dastehen. Eine sehenswerte Charakterstudie, die auch für eine Zweitsichtung uneingeschränkt empfohlen werden kann: 8 Punkte.

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