Auf den Spuren von Bonnie & Clyde
Netflix' "The Highwaymen" folgt zwei abgekochten, grummeligen, eigentlich schon längst aus dem Dienst ausgeschiedenen Highwaypolizisten, die gerufen werden, um dem vielleicht berühmteste Gangsterpärchen in der Geschichte der Kriminalität endlich etwas entgegenzusetzen...
Die Unersetzlichen
Arthur Penns "Bonnie & Clyde" ist ein Grundpfeiler des modernen Gangsterfilms und ein echter Klassiker von Hollywoods damaliger wilder New Wave. Und "The Highwaymen" ist sozusagen ein halbes Jahrhundert später dessen Antithese und Komplimentprodukt. Mit Betonung auf Kompliment - nicht Konkurrenz. Zumindest geht's mir so, denn die beiden ergänzen sich exzellent! Ein sehr ruhig erzähltes Polizeidrama, sehr old school Hollywood. Beide Stars (Harrelson/Costner) können's noch immer wie in ihren besten Phasen. Und die "Guten" mal idolisiert und ikonisiert zu sehen, hat was. Bonnie & Clyde wurden immerhin schon genug hochgejazzt und deren durchaus grausamen Taten abgemildert. "The Highwaymen" ist erfrischend altmodisch und in sich ruhend. Ganz klar eine der hochwertigeren Netflixproduktionen seit... jeher?! Bevor mein Netflixabo später diesen Monat abläuft wollte ich diesen laid back Thriller auf jeden Fall noch nachholen - und habe es keine Minute bereut! Der Score ist über jeden Zweifel erhaben. Die wunderschönen Bilder haben Zeit zu atmen und ihre Größe zu zeigen. Die beiden fetten Namen liefern etwas für ihre Gage. Die Charakterisierungen sind on point und tiefgreifender als man meint. Und der ewige (bewaffnete) Kampf "Gut gegen Böse", gerade in den Staaten, wird hier ambivalenter und nachdenklicher gefüttert als man je meinen würde. Der Staub der Grautöne. Sicher kein direkter Klassiker wie Penns Meilenstein. Aber gut genug.
Maschinengewehre und Old Spice
Fazit: Wunderbarer Coinflip zum Mythos Bonnie & Clyde... Echtes Starkino, echt starkes Kino - auf der Couch!