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Anfang der 90er kehrte Peter Weller unter der Regie von Irvin Kershner („Das Imperium schlägt zurück“) noch mal als Robocop zurück. Schon im Vorfeld befürchtete man ein mehr schlechtes als rechtes Sequel, und tatsächlich wartete man in Teil 2 mit einem doch zu Paul Verhoevens Original recht unterschiedlichen Stil auf. Schauplatz und Grundgedanken blieben die gleichen, und lobenswerterweise gab es mit einem Großteil der Schauspieler aus Teil 1 ein Wiedersehen. Trotz des neuen Windes behielt man viele Motive und Innovationen des Vorgängers bei, und auch die Handlung beißt sich keinesfalls mit dem Prequel:

Detroit / Delta City in einer nicht allzu weit entfernten Zukunft:
Die städtische Gewalt obliegt nun gänzlich der Privatgesellschaft OCP, einem Rüstungskonzern mit skrupellosen Drahtzieher an der Spitze, die sogar den mittellosen Bürgermeister der hoch verschuldeten Stadt am Wickel haben. Die Polizei streikt, und unter den wenigen anderen herrscht Korruption ohne Ende. Robocop Murphy bemüht sich dennoch, auf den Straßen für Recht und Ordnung zu sorgen, gerade der Gangster Caine, der für die Verbreitung der neuen Todesdroge „Nuke“ verantwortlich ist, hat es ihm besonders angetan – doch mittlerweile gilt er als veraltet, und OCP tüftelt schon eifrig an einem Nachfolgemodell, welcher den Bau von Delta City besser begleiten soll. Als es Robocop gelingt, Caines Ring zu zersprengen und dieser dabei lebensgefährlich verletzt wird, nimmt eine geistig etwas angeknackste Psychoanalytikerin bei OCP die Chance wahr, und pflanzt dem neuen Robocop 2 das Gehirn von Caine ein – logischerweise mit fatalen Folgen...

Robocop 2 bietet wohl nicht mehr den Charme des Verhoeven Originals, aber ich finde dennoch, dass Teil 2 als Actionfilm das reinste Brett ist. Teurer und trickreicher als der erste Teil, vernachlässigt Kershners Sequel keinesfalls den gewissen kritischen Anspruch, den der Vorgänger bereits mit sich brachte. Wieder werden gelegentlich Nachrichten im Film eingeblendet, die das soziale Umfeld der Stadt und die (fiktiven) Geschehnisse in der Welt genauer beleuchten. Genauso doppelbödig ist die Darstellung des menschlichen Roboters Murphy, der nach wie vor nicht von seiner Vergangenheit loskommt und nahezu ständig damit konfrontiert wird. Die Dialoge sind durchweg clever und haben sehr oft einen zynisch-kritischen Unterton, was mir persönlich an einem zeitlich nicht so weit entfernten SciFi - Film mit sozialkritischem Touch sehr wichtig ist und gut liegt. Die Action des Films ist nicht nur sehr, sehr reichlich, sondern auch nicht minder derb wie schon im Vorgänger; zwar wurde auf Extremsplatter verzichtet, dennoch reichte es locker, um der BpjM mal wieder ein Dorn im Auge zu sein. Einen weiteren großen Pluspunkt kann man für die Darstellungen des psychopathischen Cyborgs Caine geben, der als drogensüchtiger Panzer auf zwei Beinen gnadenlos alles platt macht, was sich ihm in die Quere stellt – auch im fulminanten Finale, in dem er durch die Stadt wütet, bleibt er gänzlich unbeschädigt und wird nur durch einen Trick ausgeschaltet – so stellt das Pendant zu Robocop einen unaufhaltsamen Gegner dar, der zudem noch das Ergebnis eines einzelnen kranken Einfalls ist. Gezielte Querschläger auf die Wirtschaftspolitik möchte auch Kershner nicht zu kurz kommen lassen, und so findet sich in der Darstellung der Vorstandriege von OCP doch das ein oder andere Scharmützel wieder.

Unterm Strich ist „Robocop 2“ ein genialer Actionstreifen, der vielleicht für Verhoeven-Puristen weniger gelungen erscheint, doch insgesamt in der höchsten Riege der amerikanischen Actionfilme der 90er mitspielt. Am besten gleich die DVD Trilogie im Pappschuber kaufen, da kann man keinen Fehler machen.

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